Wolfgang Bruder im Porträt
Offenburg bleibt für ihn immer Herzenssache
- Freiheitsfest, Bürgerstiftung, Stadtteil- und Familienzentren, Wirtschaftsförderung – in seiner Zeit als Bürgermeister und Oberbürgermeister hat Dr. Wolfgang Bruder Offenburg nachhaltig geprägt. Auch nach seinem Ausscheiden engagierte er sich.
- Foto: Michael Bode
- hochgeladen von Christina Großheim
Offenburg Am heutigen Sonntag ist es soweit: Die Offenburger Bürgerstiftung St. Andreas feiert ihr 25-jähriges Bestehen auf dem Kulturforum. Im Mittelpunkt steht Alt-OB Wolfgang Bruder, der zum Ehrenbürger ernannt wird – für seine politischen Leistungen, wie es in der Begründung der Stadt heißt, aber auch für sein soziales und gemeinnütziges Engagement.
Dabei spielt die Bürgerstiftung eine wichtige Rolle, denn Wolfgang Bruder war im Jahr 2001 ihr Initiator. "Die Idee dazu kam im kleinen Kreis auf", erzählt er. Da der Versuch, 1954 die St. Andreas Stiftung wiederzubeleben, scheiterte, machte Wolfgang Bruder, damals noch Oberbürgermeister, dies zur Chefsache und sprach potenzielle Stifter direkt an: "Es war eine Sensation, dass zur Gründerversammlung rund 200 Bürger kamen." Zuvor hatten 15 Gründungsstifter mit jeweils 100.000 Mark den Grundstock gelegt.
Ideengeber und Stiftungsratsvorsitzender
Auch nach seinem Wechsel zur EnBW blieb Bruder der Bürgerstiftung und der Stadt treu. Er brachte seine Expertise im Stiftungsrat ein und initiierte 2021 das Leuchtturmprojekt "Spache ist der Schlüssel zur Zukunft" zum 20. Geburtstag der Stiftung. "Wir standen finanziell gut da und wussten, wir können viel bewegen", begründet Bruder, warum nicht nur fremde Projekte unterstützt werden, sondern auch ein eigenes ins Leben gerufen wurde.
Der ehemalige Oberbürgermeister wurde vor 75 Jahren in Göppingen geboren. Er studierte in den 70er-Jahren in Konstanz Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften. "Wir waren der zweite Studienjahrgang, es gab noch nicht einmal eine fertige Studienordnung", erinnert er sich. Die Gruppen seien klein gewesen und der Kontakt zu den Professoren eng. "Meine ersten beiden Semester hatte mir ein Onkel finanziert", verrät Wolfgang Bruder. Danach erhielt er ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung.
In dieser Zeit wurde er politisch aktiv. Er arbeitete für einen SPD-Landtagsabgeordneten. "Ich war mit 21 Jahren Wahlkampfleiter", sagt er mit einem Schmunzeln. "Das hat viel Spaß gemacht." Den vorgeschriebenen Praxisaufenthalt während des Studiums absolvierte er 1972 in der SPD-Zentrale in Bonn. "Das war eine prägende Zeit für mich", so Bruder. Vor allem Helmut Schmidt beeindruckte ihn mit seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik nachhaltig.
Der Weg zum Oberbürgermeister
Zurück an der Universität entschied er sich, zu promovieren. "Ich war auf dem Weg in eine akademische Laufbahn", erklärt er. Ein Jahr war er in den USA in Harvard an der Kennedy School of Government und am MIT. "Dann kam der Anruf von Harald B. Schmidt aus Offenburg, der mich fragte, ob ich nicht lieber etwas Praktisches machen wolle", schildert er. Er wollte und wurde 1984 Finanzbürgermeister.
An diese Zeit erinnert er sich gerne: "Ich hatte große Freiräume." Er etablierte die Wirtschaftsförderung in Offenburg, war maßgeblich an den Planungen für den Technologiepark beteiligt und brachte mit dem Kehler Stahlwerkschef Horst Weitzmann die Wirtschaftsregion Ortenau auf den Weg.
1989 wurde er im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister gewählt und hatte mit der Konversion der ehemaligen französischen Kasernen eine Mammutaufgabe vor sich. "Wo andere gejammert haben, sahen wir eine Jahrhundertchance", zieht er ein zufriedenes Fazit. Das moderne Offenburg als Oberzentrum trägt ganz klar seine Handschrift.
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Politiker
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