An(ge)dacht: Claudia Roloff
Woher kommst du? Oder besser: Wohin gehst du?

Claudia Roloff

Welche Frage stellen wir einander häufiger? Ich nehme an, dass wir häufiger fragen: woher kommst du? Da werden wir doch neugierig, wenn jemand einen anderen Akzent hat, einen besonders schönen Teint oder eine seltene Frisur.

Leider ist gleichzeitig mit der Frage nach der Herkunft die unterschwellige Botschaft verbunden: du bist anders als die meisten von uns, du gehörst nicht ursprünglich hierher. Das ist für viele Menschen kränkend. Und entsprechend antwortet meine Patentochter, die durch ihre schwarze Haut auffällt: aus Offenburg. Und der junge Mann, dessen syrisches Medizinstudium inzwischen hier anerkannt wurde: aus Tübingen. Und die junge Frau mit dem schönen Teint: aus dem Urlaub in den Bergen. Das ist nicht das, was die Fragenden hören wollen, aber es betont aus Sicht der Gefragten: Ich bin wie du. Ich lebe hier.

Natürlich frage ich mich auch manchmal: Wo kommt der oder die wohl ursprünglich her? Ich versuche, mir diese Frage dann zu verkneifen und erst eine andere zu stellen: Wohin gehst du? Was hast du vor? Was willst du mal werden?

Dann ist das Gespräch ganz anders. Dann geht es um die Hoffnung, dass da noch Luft nach oben ist in der persönlichen Entwicklung. Jetzt an Fasnacht ist diese Frage ein bisschen leichter: Was willst du werden? Eine Party lang kann ich einfach mal ausprobieren, wie sich das anfühlt, eine andere zu sein.
Wir können einander das auch in der kommenden Fastenzeit fragen: Wohin willst du gehen? Wer willst du werden? Als Evangelische Landeskirche laden wir zum Klimafasten ein: Jede Woche eine andere Fragestellung, wer wir sein wollen, wie wir zu Menschen werden können, die schonend mit sich und der Welt umgehen. Das betrifft unsere Mobilität, unser Essen, die Art, wie wir miteinander und mit Geld umgehen. Machen Sie mit: Klimafasten.

Übrigens: Das neue Programmheft der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau steht unter dem Motto: Was willst du mal werden? Schauen Sie doch mal rein und machen Sie mit beim Ausprobieren und gemeinsamen Lernen. Es ist noch Luft nach oben! Oder, wie es in der Bibel heißt: Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden (1. Joh 3,2).

Pfarrerin Claudia Roloff
Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau

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