Blick in die Hochschule Offenburg
Zwischen Männerdomäne und Klischee

Prof. Dr. Simone Braun, Gleichstellungsbeauftragte | Foto: Stefanie Morlok Fotografie
  • Prof. Dr. Simone Braun, Gleichstellungsbeauftragte
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Offenburg (lw) Ingenieurstudium, Elektrotechnik, Maschinenbau – in Bezug auf Hochschulen halten sich in vielen Köpfen noch immer hartnäckige Klischees darüber, wer dort „hingehört“ und wer nicht. Die Gleichstellungsbeauftragte Prof. Dr. Simone Braun der Hochschule Offenburg gibt einen Einblick in die Entwicklungen und Herausforderungen an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien.

Technische Studiengänge

Im Wintersemester 2025/26 waren an der Hochschule Offenburg rund 3.700 Studierende eingeschrieben. Etwa 35 Prozent davon waren Frauen, rund 65 Prozent Männer. In den technischen Studiengängen zeigt sich das Ungleichgewicht deutlicher: In Ingenieurwissenschaften und Elektrotechnik lag der Frauenanteil bei 24 Prozent, während 76 Prozent der Studierenden Männer waren. Zahlen, die verdeutlichen, dass technische Fächer nach wie vor stark männlich geprägt sind. Für Simone Braun liegen die Ursachen dafür weniger in fehlender Begabung als in gesellschaftlichen Zuschreibungen. „Noch immer hält sich das Klischee, Technik sei ‚männlich‘.“ Solche Bilder entstünden früh – in Familien, Schulen und Medien – und wirken lange nach: „Viele junge Frauen zweifeln deshalb an ihren Fähigkeiten, obwohl sie genauso talentiert sind. Es geht also nicht um Begabung, sondern um Zuschreibungen.“ Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Frage nach Vorbildern. „Studienentscheidungen sind immer auch Identitätsentscheidungen“, betont Braun. Gerade in technischen Fächern fehle es jedoch häufig an sichtbaren Beispielen weiblicher Karrierewege. Sichtbarkeit sei dabei mehr als Symbolik, denn: „Sichtbarkeit schafft Zugehörigkeit und Zugehörigkeit schafft Mut zur Entscheidung.“ Hinzu kommt die Fachkultur selbst. Viele technische Studiengänge seien stark wettbewerbsorientiert und vermittelten das Bild, man müsse von Natur aus technisch begabt sein. Diese Haltung schrecke ab.

Positive Entwicklungen

Trotz dieser Herausforderungen ist eine positive Entwicklung erkennbar. Der Anteil von Frauen in den technischen Studiengängen der Hochschule Offenburg ist über die vergangenen Jahrzehnte hinweg insgesamt gestiegen. Besonders deutlich zeigt sich der Trend in jüngster Zeit: Innerhalb von drei Jahren erhöhte sich der Frauenanteil von knapp 21 Prozent im Wintersemester 2023/24 auf 24 Prozent im Wintersemester 2025/26. Um diesen Wandel zu unterstützen, setzt die Hochschule bewusst an mehreren Stellen an. Bereits Schülerinnen werden angesprochen, etwa durch den "Girls’ Day", an dem Technik-Workshops und Laborführungen Einblicke ermöglichen. Während des Studiums begleiten gezielte Programme Studentinnen weiter. Das einjährige Mentoring-Programm „Mentoring Future“ richtet sich an Frauen in der Abschlussphase und verbindet sie mit erfahrenen Frauen aus Führungspositionen in der Wirtschaft. Themen wie Karriereplanung, Berufseinstieg und persönliche Standortbestimmung stehen dabei im Mittelpunkt. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs wird gefördert: In der Mentoring-Initiative „Traumberuf Professorin Plus“ werden Frauen, die eine Professur anstreben, gezielt auf Berufungsverfahren vorbereitet.
Der Weg zu mehr Gleichstellung in technischen Fächern ist lang, doch an der Hochschule Offenburg wird er konsequent beschritten. Die Zahlen zeigen, dass Veränderungen möglich sind – wenn Strukturen hinterfragt, Vorbilder sichtbar gemacht und Frauen entlang ihrer Bildungs- und Karrierewege gezielt unterstützt werden. 24 Prozent beträgt der Frauenanteil in den technischen Studiengängen der Hochschule Offenburg

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