Staatsanwaltschaft Offenburg
Gewalt gegen Frauen besorgniserregend

Sie stellten das Zahlenwerk vor: Kai Stoffregen (v. l.), Clarissa Rappenecker, Iris Janke und Christian Schmitz. | Foto: mak
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Offenburg (mak) So viele Verfahrenseingänge wie seit Jahren nicht mehr verzeichnete die Staatsanwalt Offenburg im vergangenen Jahr. Iris Janke, Leitende Oberstaatsanwältin, konstatierte mit insgesamt 26.029 Verfahrenseingängen ein "Dreijahreshoch". In den Jahren 2023 waren es noch 25.697, im Jahr 2024 wurden 25.319 Eingänge registriert.

Mehr Verfahren

"Im Jahr 2026 deutet sich bereits jetzt eine nochmalige deutliche Verfahrenssteigerung an. So haben wir im ersten Jahresdrittel bislang bereits 10.400 Verfahrenseingänge, was hochgerechnet einen Jahreseingang von über 30.000 bedeuten würde", führte die leitende Oberstaatsanwältin Janke beim Jahrespressegespräch aus. Dies liege auch an den verstärkten Grenzkontrollen und den damit einhergehenden Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz.

Die Staatsanwaltschaft Offenburg beschäftigte im vergangenen Jahr vor allem auch Gewalttaten gegen Frauen. Traurige Höhepunkte waren hierbei die Tötungen einer Psychologin in Offenburg im Februar sowie einer 84-Jährigen in ihrem Haus in Kehl. "Beide Verfahren sind mittlerweile rechtskräftig abgeschlossen", bilanzierte Janke. Im Mai des vergangenen Jahres wurde in Lahr zudem eine Frau von ihrem getrennt lebenden Ehemann erschossen, der sich im Anschluss das Leben nahm.

Auch wenn die Verfahren bei vorsätzlicher Körperverletzung insgesamt leicht rückläufig seien – von 1.811 in 2024 auf 1.666 in 2025 – so blieben die Fälle häuslicher Gewalt bei rund 600 jährlich weiter auf hohem Niveau. "Die Delikte werden in Partnerschaftsbeziehungen quer durch alle Bevölkerungsgruppen begangen. Der Anteil an weiblichen Geschädigten beträgt weiterhin 80 Prozent und der an männlichen Beschuldigten ebenso", erklärte Janke.

Die Zahlen der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung seien deutlich rückläufig: von 268 Anzeigen im Jahr 2024 auf 177 Anzeigen im vergangenen Jahr. Staatsanwalt und Pressesprecher Christian Schmitz erinnerte an das Sexualverbrechen an einer jungen Frau in Offenburg, die von zwei Männern mehrere Tage festgehalten wurde. Hierbei seien mehrjährige Haftstrafen verhängt worden. Für einen Täter sei die Sicherungsverwahrung angeordnet worden. Die Gewaltverbrechen gegen Frauen seien besorgniserregend, so der Staatsanwalt weiter. Mittlerweile habe die Staatsanwaltschaft Offenburg eine Opferschutzbeauftragte. "Mit ihr gibt es jetzt eine zentrale Ansprechpartnerin im Bezirk für Opfer von Straftaten", so Schmitz.

In 2025 wurde mit 1.145 Verfahren ein leichter Anstieg bei den Betäubungsmitteldelikten verzeichnet. Dies habe mit der Teillegalisierung von Cannabis zu tun. Der Markt sei größer geworden und damit würden größere Mengen zusammen mit anderen Drogen eingeführt. "In diesem Rahmen konnten sehr große Aufgriffe an Betäubungsmitteln, namentlich Kokain und Amphetamin, getätigt werden. Hierbei handelt es sich um die größten Funde im Bezirk in den vergangenen Jahren", so Staatsanwältin Clarissa Rappenecker.

Beschäftigt haben die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Offenburg auch Fälle des digitalen Anlagebetrugs. Insgesamt 220 Delikte in diesem Bereich wurden zur Anzeige gebracht. "Der hierbei entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf rund zehn Millionen Euro", führte Oberstaatsanwalt Kai Stoffregen aus, der aber eine hohe Dunkelziffer vermutet. Die aus dem Ausland operierenden Tätergruppen machten die Ermittlungen schwierig und mühsam, so Stoffregen weiter.

Auch Angriffe auf Polizeibeamte und Gemeindevollzugsbedienstete "steigen weiter unerfreulich an", so Janke. Wurden 2024 noch 298 Anzeigen gezählt, so waren es 2025 bereits 317. "Wir reagieren hierbei konsequent und schnell. Verfahrenseinstellungen aus Opportunitätsgründen verbieten sich", betonte sie.

Die Verkehrsdelikte sind im Jahr 2025 auf knapp 4.000 Verfahren weiter angestiegen, ebenso die Anzahl der Verkehrstoten. 13 Opfer waren im vergangenen Jahr zu beklagen.

Bei Verfahren wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Inhalte konnte ein deutlicher Rückgang verzeichnet werden – von 250 Anzeigen 2024 auf 141 im Jahr 2025. Dies liege allerdings auch an der landesweit zentralen Zuständigkeit des Cybercrime-Zentrums Baden-Württemberg. Bezüglich des Austauschs von kinder- und jugendpornografischen Inhalten in Schülergruppen seien Aufklärungsarbeit und Strafverfolgung erfolgreich gewesen.

Dem bundesweiten Trend folgend, registrierte die Staatsanwaltschaft Offenburg einen kontinuierlichen Anstieg bei den politisch motivierten Straftaten. Wurden 2023 91 Anzeigen registriert, waren es 2024 bereits 189 und im vergangenen Jahr 216.

Gestiegen sind auch die Zahl der Brände, die kriminalistisch untersucht wurden – von 72 in 2024 auf 85 in 2025.

Die beim Landgericht beantragten Sicherungsverfahren wegen der Gefahr erheblicher Straftaten durch schuldunfähige Beschuldigte würden sich weiter auf hohem Niveau befinden. 2025 musste sich die Staatsanwaltschaft Offenburg mit zwölf Fällen beschäftigen.

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