• 8. März 2018, 21:32 Uhr
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Im Segelflugzeug bis auf 3.650 Meter
Nordostwind und Väterchen Frost ermöglichen Traumflüge

Joachim Treier fliegt Richtung Feldburg im Hintergrund Alpen.
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Joachim Treier fliegt Richtung Feldburg im Hintergrund Alpen. (Foto: Martin Kiefer)

Ortenau (st). In den vergangenen Tagen brachte eine stabile Nordostwindlage mit extrem starken Wellenaufwinden den Renchtäler Segelfliegern unvergessliche Eindrücke. Bei dieser seltenen Wetterlage war bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern an der Hornisgrinde und am Feldberg die perfekte Mischung geboten, da die Luft ins Tal hinabstürzte und sich folgend in starken Wogen wieder aufschaukelte und sich so seltene Wellenwindsysteme bildeten. Der Pilot gleitet dabei mit seinem Segelflugzeug in einer Windwelle, ähnlich einem Surfer auf der Wasserwelle. Bei solchen Wetterlagen wurden rund um die Hornisgrinde bereits Höhen bis zu 7.600 Meter erreicht.

Mehrere Piloten der Fliegergruppe Renchtal e. V. nutzten die einmalige Wetterlage um in Offenburg abzuheben. Im Fokus stand das Einfliegen auf die neue Saison, wobei man unvergessliche Eindrücke erleben konnte. Der Einstieg in das Wellensystem war sehr turbulent. So musste sich jeder Segelflieger mühsam durch extrem starke Rotorwolken im Kinzigtal oder Renchtal kämpfen – das ist nur was für sehr erfahrene Piloten. Die Offenburger Fliegerkameraden nutzten fast täglich die Wellenwinde. Im aufsteigenden Bereich der Rotorwolke ging es dann, wie im Fahrstuhl, rasant schnell nach oben - machmal bis zu zehn Meter pro Sekunde. Schließlich erreichte der Pilot dann die laminare Strömung der Welle – hier ist völlig ruhiges Dahingleiten mit traumhaften Ausblicken möglich. So sieht man die Alpen zum Greifen nahe und schneebedeckten Gipfel verschwinden am Horizont erst ganz weit im Osten.

An der Hornisgrinde liegt das Wellengebiet etwa über der Schwarzwaldhochstrasse – je nach Windstärke und Richtung, mehr oder weniger versetzt. Im Wellenfluggebiet Murgtal, das ist grob der Großraum mittlerer Schwarzwald, gab die Flugsicherung Einzelfreigaben für die Segelflugzeuge bis Flugfläche FL120, das sind rund 3.650 Meter Höhe. Der Pilot musste dazu in permanenter Hörbereitschaft auf der Frequenz der Flugsicherung bleiben. Normalerweise fliegen die Privatpiloten im unkontrollierten unteren Luftraum FL100, also bis 3.048 Meter und benötigen dafür auch keine spezielle Freigabe durch die Flugsicherung.

Joachim Treier, Fluglehrer der Fliegergruppe, hob in Offenburg zweimal mit wechselnden Copiloten im doppelsitzigen Duo Discus XL ab. Sein Vater und Vereinsvorsitzender Ludwig Treier schleppte mit dem modernen Motorsegler Super Dimona am 50 Meter langen Seil die Segler in die Luft.

Joachim Treier berichtet: Flugzeug-Schlepp waren extrem holprig. Am Schliffkopf gelingt Einstieg in die Welle in circa 1.700 Meter. Im Geradeausflug an der Schwarzwaldhochstraße ging es rüber zur Hornisgrinde. Dort wurde auf circa 3.000 Meter gestiegen. Dann hieß es Abflug nach Süden Richtung Brandenkopf, Elztal, Simonswäldertal übers Dreisamtal an den Feldberg, teilweise noch in Wolken. Am Kandel wurde in der Welle nochmals Höhe getankt. Am Feldberg wurde leider kein brauchbares Steigen gefunden und über den Schauinsland und Freiburg ging es ins Elztal zurück ins Simonswäldertal. Über dem Brandenkopf war die Ankunft im Renchtal zu tief. Zurück nach Offenburg ging es dann, um den Copiloten zu wechseln.

Flugschüler Timo Hildenbrand stieg aus, Fluglehrer Martin Kiefer dafür ein. Es folgte ein extremer Schlepp durch die Rotorwalzen im Renchtal bei Oppenau. In laminarer Strömung ging es unten raus mit über sechs Metern pro Sekunde Steigen. Dann gab es die gleiche Strecke wie beim ersten Flug. Vom Feldberg ging es direkt wieder zurück ins Simonswäldertal.

Seine Eindrücke brachte Treier auf den Punkt: "schöner zuverlässiger und spannender Tag mit Traumsicht und sehr entspannenden Momenten. Segelfliegen ist einfach wunderschön."

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