100 Jahre Frauenwahlrecht
Das sagen Politikerinnen aus der Region zum Thema

Männer und Frauen sind laut Grundgesetz gleichberechtigt.
  • Männer und Frauen sind laut Grundgesetz gleichberechtigt.
  • Foto: Christiane Agüera-Oliver
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Mittleres Kinzigtal (cao). Erstmals durften Frauen am 19. Januar 1919 den Reichstag wählen. Kurz zuvor, am 12. November 1918, erhielten Frauen im damaligen deutschen Reich das aktive und passive Wahlrecht. Die volle Beteiligung am politischen Leben setzte mit Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des Wilhelminischen Kaiserreichs der Beschluss vom Rat der Volksbeauftragten durch. Durch die Novemberrevolution wurde der Weg frei für die deutsche Demokratie, somit auch für die politische Gleichstellung.

Frauen können sehr hart sein

"Es ist ganz wichtig, dass Frauen mitbestimmen, so bekommt das Ganze eine Seele", findet die Oberwolfacher Gemeinderätin und erste Bürgermeisterstellvertreterin Erna Armbruster. Oft würden Männer nur Zahlen sehen, "die sozialen Sachen sind eher was für uns Frauen". Seit fünf Wahlperioden übernimmt sie schon für die Freien Wähler Verantwortung für ihre Gemeinde und ist auch dienstälteste Rätin. "Ich bin zwar nur ein kleines Lichtle, aber jede Gemeinde, egal wie groß sie ist, ist es auch wert, dass man sich für sie einsetzt. Es ist wichtig, dass die Menschen mitmachen", unterstreicht Armbruster.

Auch Karin Rosemann gehört zu den "Urgesteinen" in der Lokalpolitik. Seit 1989 sitzt sie im Hausacher Stadtrat, ist Fraktionsvorsitzende und Sprecherin der Grünen Liste. "Frauen können sehr hart sein, manchmal sogar kompromissloser als Männer", findet sie. Für junge Frauen ist die Mitbestimmung ebenso eine wichtige Sache, wie Isabella Uhl, Sprecherin des Zeller Jugendgemeinderats findet. "Politik kann ohne Frauen gar nicht funktionieren. Wir brauchen sie. Männer sehen die Dinge oft aus einer ganz anderen Sicht."

Vieles zum Positiven verändert

"Die Welt heute ist eine andere als vor 100 Jahren, vieles hat sich seither zum Positiven verändert, weil sich viele mutige und entschlossene Frauen für mehr Chancengleichheit eingesetzt und an Bestimmungen und Gesetzen hierzu mitgewirkt haben", erinnert die CDU-Landtagsabgeordnete Marion Gentges aus Zell am Harmersbach unter anderem an die Verankerung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Grundgesetzt im Jahr 1949, die Abschaffung des sogenannten „Gehorsamsparagraphen“ 1958 oder das Inkrafttreten der Elternzeit im Jahr 2007. Diese wichtigen Schritte hätten sich positiv auf den Stellenwert der Frau innerhalb der Gesellschaft ausgewirkt. "Entscheidend ist aber, dass Frauen und Männer seit nunmehr 100 Jahren gemeinsam und gleichberechtigt in allen Themenfeldern die Politik unseres Landes gestalten", so Gentges. Die Einführung des Frauenwahlrechts sei eine Reform von revolutionärem Ausmaß gewesen. Mitbestimmung und Wahlrecht seien die elementarsten der demokratischen Grundrechte.

"Frauen haben in der Politik vielleicht deshalb einen besonderen Stellenwert, weil sie in den Parlamenten, auch in Parteien noch immer unterrepräsentiert sind", findet die Politikerin. Die Entwicklung sei aber hoffnungsvoll. Ihr Eindruck sei nicht, dass es Frauen schwerer hätten. Es sollten aber mehr Frauen für die Mitarbeit in der Politik ermutigt werden. "Es lohnt sich", die Arbeit im Landtag und seinen Gremien, innerhalb ihrer Fraktion und im hiesigen Wahlkreis sei sehr erfüllend und mache ihr persönlich große Freude: "Ich bringe alles mit, was mich ausmacht, ich bin Frau, Ehefrau und Mutter, verfüge über persönliche, berufliche und im Ehrenamt erworbene Erfahrungen und habe meinen eigenen Kopf."

Politische Verantwortung

Ihren "eigenen Kopf" hat ebenfalls die Mühlenbacher Bürgermeisterin Helga Wössner. Auch sie weiß, was es heißt, als Frau politische Verantwortung zu übernehmen.
Seit 100 Jahren dürfen Frauen wählen und gewählt werden. Auch für die Mühlenbacher Bürgermeisterin Helga Wössner spielt das Mitwirken in der Politik eine große Rolle. "Frauen sind in der Politik, in der Wirtschaft und in dem gesellschaftlichen Leben inzwischen gut vertreten", so Helga Wössner. Durch entscheidende Änderungen in der Gesetzgebung sei eine angemessene Teilhabe der Frauen im Großen und Ganzen möglich. "Allerdings ist gut nicht gut genug", findet sie, denn noch immer hätten Frauen mit Vorurteilen zu kämpfen oder müssten sich gegen Männerbündnisse durchsetzen.

Für sie ist es "äußerst wichtig", dass Frauen mitbestimmen. Schließlich solle die Hälfte der Bevölkerung, die Frauen ja in Deutschland ausmachten, auch entsprechend vertreten sein. "Frauen sind oft näher am Menschen und haben einen anderen Blickwinkel als Männer", findet sie. Trotzdem sieht Helga Wössner die Differenzen und Unterschiede. Selbst wenn es inzwischen schon anerkannt sei, dass Frauen in der Politik und in den verschiedenen Gremien vertreten seien, würde die Luft natürlich viel dünner, wenn es darum ginge, hauptamtliche, relevante Ämter zu besetzen.

Alibifrauen

"Hier brauchen wir nicht nur 'Alibifrauen', sondern Ziel ist es, dass eine Teilhabe von Frauen ganz selbstverständlich wird. Allerdings müssen Frauen auch einfach mehr Mut aufbringen, um selbstbewusst für die verschiedenen Ämter zu kandidieren und mitzugestalten", betont die Bürgermeisterin.

Deshalb ist es Helga Wössner auch persönlich sehr wichtig, als Frau in der Politik mitzuwirken. Seit 1999 ist sie in verschiedenen Ämtern der CDU politisch aktiv, als Stadträtin und auf Vorstandsebene bis zur Bezirksebene. Aktuell ist die Bürgermeisterin auch Kreisvorsitzende der Frauen Union Ortenau. "Sehr spannend sind auch Delegiertentage, gerade auf Landes- und Bundesebene. Es macht Freude, für wichtige Punkte zu kämpfen, erst recht, wenn man merkt, dass die Arbeit erfolgreich ist", beschreibt sie.

"Mir war allerdings persönlich immer meine solide Berufserfahrung als Juristin wichtig. So vermeidet man es, sich als Berufspolitiker zu sehr vom Ausgang von Wahlen abhängig zu machen", betont Bürgermeisterin Helga Wössner.

Ortenau

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Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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