100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland
Das nötige Vertrauen und Selbstbewusstsein geben

Vor 100 Jahren, genau am 19. Januar 1919, durften Frauen in Deutschland erstmals wählen.
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  • Foto: Foto: Christoph Breithaupt
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Ortenau (gro/ds). Eingeführt wurde es bereits 1918, doch zum ersten Mal ihre Stimme abgeben oder sich selbst wählen lassen, konnten Frauen in Deutschland am 19. Januar 1919 – vor 100 Jahren. Seitdem hat sich viel verändert, Frauen werden Bürgermeisterin, Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin.

"Eine Frau, die gewählt werden will, braucht die Unterstützung vieler Wähler", stellt Angie Morstadt, seit 1999 Städträtin in Offenburg, fest. Die Freie Wählerin engagiert sich in der Kommunalpolitik aus einem Grund: "Es geht um Offenburg und unsere Heimat. Hier kann ich zuhören, Ideen einbringen, gestalten, umsetzen. Das reizt mich, dafür brenne ich."

Von der Ortsvorsteherin zur Bürgermeisterin

Eine Babypause war der Grund, warum Sonja Schuchter, heute Bürgermeisterin von Sasbachwalden, sich kommunalpolitisch engagierte. Die ehemalige Personalchefin der Stadt Bühl nahm Erziehungsurlaub, bekam ein drittes Kind und ließ sich aus familiären Gründen beurlauben. "Mitte 1999 wurde ich als Kandidatin für den Ortschaftsrat geworben und habe, weil ich neben der Familie noch freie Zeit und als Mitglied des Ortschaftsrates die Chance hatte, Veränderungen anzustoßen, schließlich kandidiert." Im ersten Anlauf schaffte sie den Sprung in das Gremium und wurde sogar zur Ortsvorsteherin von Mösbach gewählt. "Die Entscheidung war genau richtig, da ich immer gerne gestaltet habe und nie nur verwalten wollte", sagt Sonja Schuchter.

Gestaltungsmöglichkeiten machen Spaß

Ein Kinderspielplatz brachte Elvira Walter-Schmidt, derzeit stellvertretende Bürgermeisterin in Willstätt, in die Lokalpolitik. "In unserem Neubaugebiet sollte er am schattigsten und unattraktivsten Platz im Dorf gebaut werden", erinnert sie sich. Gemeinsam erreichten Willstätterinnen, dass ein besserer Ort gefunden wurde. Eine persönliche Betroffenheit ließ sie zur Mitbegründerin des Vereins "Jung & Alt" in Willstätt werden. "Ich bin jetzt in der fünften Legislaturperiode im Ortschaftsrat, in der dritten im Gemeinderat und in der zweiten im Kreistag", so Elvira Walter-Schmidt. "Es macht mir immer noch Spaß, weil ich finde, dass die Gestaltungsmöglichkeiten gerade in der Kommunalpolitik sehr konkret sind und wir hier unsere Erfahrung, die wir im Alltag machen, sehr gut einbringen können."

Für Angie Morstadt ist klar: Kommunalpolitik ist keine Männerdomäne, deshalb hat sie nicht das Gefühl, dass ihr Steine in den Weg gelegt werden. "Mehr Frauen-Denke im Gemeinderat wäre sicherlich manchmal wünchenswert; aber das entscheiden die Wähler. Profilierte Kandidatinnen gibt es genug."

Auch Sonja Schuchter hatte wenig Probleme, sich durchzusetzen. "Aufgrund meines umfangreichen Fachwissens durch mein Studium an der Hochschule Kehl und die verantwortliche Tätigkeit bei der Stadt Bühl war dies nicht schwierig", sagt sie rückblickend. "Sicher war es anfänglich noch gewöhnungsbedürftig, da ich eine der ersten Ortsvorsteherinnen im Umland war. Bewertet wurde letztendlich aber immer die Leistung und das Ergebnis der politischen Arbeit."

Hohe Sachkenntnis

Elvira Walter-Schmidt macht deutlich: "Es ist nicht schwierig, sich als Frau in der Politik durchzusetzen. Wir Frauen müssen aber den Mut haben, unsere Meinung auch sagen und uns gegen die Wortführer durchsetzen. Wir haben oft hohe Sachkenntnis, gerade in den Bereichen Kinder, Senioren und Familie, und sind oft zu bescheiden, für unsere Vorstellungen einzutreten." Dass Frauen oft die Zeit dazu fehlt, ist ihr bewusst: "Nach einer alten Redensart hat ein Mann in der Politik seine Familie im Rücken und die Frau hat sie am Hals", stellt Walter-Schmidt nicht ohne Humor fest.

"Das Wichtigste ist, den Frauen das nötige Vertrauen und Selbstbewusstsein zu geben", findet Sonja Schuchter. "Fachliche Unterstützung brauchen Frauen weniger, da sie sich selbst durch Fachlektüre und Besuch von Fortbildungsveranstaltungen das erforderliche Wissen aneignen können."

Akzeptanz von Frauen hat sich verändert

Ilona Rompel, CDU-Fraktionsvorsitzende in Lahr, bekleidete bereits verschiedene Vorstandspositionen sowie einige Jahre den Vorsitz des CDU-Ortsverbands. "Im Gemeinderat bin ich seit 1994 und seit 2004 Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion", berichtet sie. Von 1996 bis 2011 war sie außerdem Bezirksvorsitzende und Präsidiumsmitglied der Mittelstandsvereinigung der CDU-Südbaden sowie Mitglied des Vorstandes der CDU Südbaden.

"Daraus kann man ersehen, dass sich die Akzeptanz von Frauen in der Politik im Laufe der Jahre deutlich verändert hat", sagt sie und ergänzt: "Leider gibt es auf kommunaler Ebene viel zu wenig Frauen, die bereit sind, für den Ortschaftsrat, Gemeinderat und den Kreistag zu kandidieren. Dies liegt an der Politikverdrossenheit, aber auch gerade bei jungen Frauen an der Mehrfachbelastung durch Familie und Beruf." In ihrer Familie habe es seit jeher starke Frauen gegeben. "Meine Mutter ist für mich immer ein Beispiel an Mut, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen gewesen. Deshalb bin ich auch ganz unbefangen an mein politisches Engagement herangetreten", betont Ilona Rompel, die in einem mittelständigen Unternehmerhaushalt aufgewachsen ist. Die politische Diskussion gehörte zum regelmäßigen Tischgespräch. "So ließ es sich nicht vermeiden, dass ich von Jugend auf lernte, Verantwortung, gerade auch für andere, zu übernehmen. Ebenso, dass man nicht alles als gegeben hinnehmen, sondern sich einmischen und engagieren soll", erklärt sie.

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Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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