Über 140 Jungstörche
Das "Zuviel" wird die Natur alleine regeln

Noch klappern sie zusammen auf deutschen Dächern, doch die Reise gen Süden ins Winterquartier steht kurz bevor.
  • Noch klappern sie zusammen auf deutschen Dächern, doch die Reise gen Süden ins Winterquartier steht kurz bevor.
  • Foto: Ortenaut Dieter Stückler
  • hochgeladen von Daniela Santo

Ortenau (ds). Es wird nicht mehr lange dauern, dann treten die Störche wieder ihre Reise gen Süden an. Schon jetzt kann man beobachten, wie sich sich auf Wiesen und Feldern sammeln – ein sicheres Zeichen dafür, dass sie kurz vor dem Aufbruch in ihr Winterquartier stehen, weiß Storchenvater Kurt Schley aus Schutterwald.

Erfroren und ertrunken

Schon seit vielen Jahren kümmert er sich um die Störche in der Region, das Jahr 2021 hat es den Tieren und ihrem Nachwuchs nicht leicht gemacht. "Durch die zahlreichen Unwetter sind viele Jungstörche erfroren oder ertrunken", resümiert Kurt Schley. Das habe dazu geführt, dass manch verwaister Eltern-Storch aus Eifersucht andere Storchenjungen angegriffen und getötet habe. "Dieses Konkurrenzverhalten ist nicht neu, so traurig es auch ist", sagt Schley. Die Population in der Ortenau sei trotzdem, wie in den vergangenen Jahr auch, weiter gestiegen. "In den frühen 90er-Jahren gab es gerade einmal zwei Störche in der Ortenau", berichtet Kurt Schley. In diesem Jahr hat sein Kollege Jürgen Vogelbacher vom Verein SOS Weißstorch, der für die Beringung zuständig ist, von Kenzingen bis nach Zusenhofen insgesamt 107 Horste mit Brutpaaren kontrolliert und erfasst. Davon haben 76 Paare mit Erfolg gebrütet, 112 Jungvögel konnten beringt werden. "Seit 2019 sind die Ringe begrenzt, daher werden nicht mehr alle Jungvögel beringt, viele Horste sind auch nicht erreichbar. Daher ist die Zahl der beringten und unberingten Jungvögel zusammen auf rund 143 anzusetzen", so Vogelbacher.

Überwintern in Spanien

Warum es immer mehr Störche in der Ortenau, kann Schley erklären: Zum einen würden viele Störche nicht mehr nach Afrika ins Winterquartier fliegen, sondern in Spanien bleiben. "Dort gibt es viele Mülldeponien und damit ausreichend Nahrung. Durch den kürzeren Flug sind auch deren Gefahren geringer." Zum anderen würden viele Tiere erst gar nicht Richtung Süden ziehen, weil der Klimawandel für milde Temperaturen in der Region führe. "Die wenigen Frosttage machen den Störchen nichts aus", weiß Schley. Er erwartet, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Störche aber zurückgehen wird: "Die Mülldeponien in Spanien sollen zugedeckt werden, damit finden die Tiere keine Nahrung mehr." Somit werde die Natur das "Zuviel" ganz alleine regulieren. Davon, etwa Nester zu zerstören oder die Störche gar zum Abschuss freizugeben, wie vielfach gefordert werde, halte er rein gar nichts. Die meist aus den Reihen der Landwirtschaft stammende Behauptung, die Störche seien dafür verantwortlich, dass es immer weniger Hasen, Fasane oder Rebhühner gebe, erachte er schlichtweg als falsch. "Daran ist der Mensch mit seinen Monokulturen selbst schuld", betont der Storchenvater aus Schutterwald.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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