Wasserversorgungsverband Südliche Ortenau
Radtour zum 30. Geburtstag
- Die Verbandsmitglieder machten zum runden Geburtstag eine Radtour zu den Brunnen des Verbandes.
- Foto: Wasserversorgungsverband Südliche Ortenau
- hochgeladen von Matthias Kerber
Ortenau (st) Wasser verbindet – das gilt in der südlichen Ortenau ganz besonders. Zum 30-jährigen Bestehen des Wasserversorgungsverbands Südliche Ortenau (WVV) haben Verbandsvertreter, Wegbegleiter und Gäste den runden Geburtstag mit einer gemeinsamen Radtour zu den eigenen Tiefbrunnen gefeiert. Im Mittelpunkt stand dabei die Geschichte der Kooperation, die Menschen hinter der Wasserversorgung und der Blick auf die kommenden Herausforderungen, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes.
„Dass wir unser Jubiläum mit einer gemeinsamen Radtour feiern und dabei unsere Tiefbrunnen besuchen und besichtigen, könnte kaum passender sein“, sagte der Verbandsvorsitzende und Ringsheimer Bürgermeister Pascal Weber in seiner Ansprache zum runden Geburtstag. „Wir verbinden im WVV Technik und Natur, Daseinsvorsorge und Lebensmittelqualität sowie die Menschen, die sich seit drei Jahrzehnten für eine sichere Trinkwasserversorgung einsetzen und von dieser profitieren. Wir sind dabei solide aufgestellt, haben genügend Trinkwasservorkommen und ausreichend Fördervolumen, um auch in Trockenperioden wie derzeit, verlässlich liefern zu können.“
Vor Ort konnten sich die Gäste ein Bild vom guten Zustand der Brunnen machen. Sie bekamen von den anwesenden Wassermeistern Bauwerke, Wirkungsweise, Fördermengen und Elektrotechnik sowie die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen erläutert.
Aus einer Idee wurde eine starke Partnerschaft
Der Wasserversorgungsverband, dessen Sitz und Vorsitz in Ringsheim liegen, besteht heute aus der Stadt Ettenheim und den Gemeinden Kappel-Grafenhausen, Rust und Ringsheim.
Die Geschichte des Verbands, der jetzt 30. Geburtstag feiert, begann mit der Gründung zum 1. Januar 1996. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen Ettenheim und Ringsheim, deren eigene Wasserversorgungen vor großen Herausforderungen standen. Die Lösung lag in der Zusammenarbeit und in der gemeinsamen Erschließung neuer Tiefbrunnen im Ruster Niederwald. „Die Gründungsväter haben schon damals großen Weitblick bewiesen“, betonte Pascal Weber. Sie hätten früh erkannt, dass eine zuverlässige Wasserversorgung keine Aufgabe einzelner Gemeinden, sondern eine gemeinsame Verantwortung sei. „Ohne ihren Mut, aufeinander zuzugehen, und ohne das Vertrauen in den jeweils anderen gäbe es unseren Verband heute nicht“, so der Vorsitzende.
Parallel arbeiteten die Gemeinden Kappel-Grafenhausen und Rust ebenfalls eng in einem eigenen Wasserversorgungsverband zusammen.
Wachstum bringt neue Aufgaben
Mit dem Wachstum der Region stiegen auch die Anforderungen. Seit 2001 belieferte der ursprüngliche Verband (Ettenheim und Ringsheim) dann unter anderem auch die Stadt Mahlberg und den Nachbarverband Kappel-Grafenhausen-Rust mit Trinkwasser. Gleichzeitig gilt es das Wachstum von Europa-Park und Rulantica zu begleiten. Hinzu kamen auch die örtlichen Entwicklungen von Gewerbe und Einwohnerwachstum, die die Versorgung vor stets neue Aufgaben stellt.
Zunächst verfügte der Verband über zwei Brunnen im Ruster Oberwald. Nach einem fast zehnjährigen Genehmigungs- und Planungsverfahren ging dann 2018 der dritte Tiefbrunnen West in Rust in Betrieb. Damit konnten die Förderkapazitäten und die Versorgungssicherheit weiter gestärkt und für die Zukunft gesichert werden.
Zusammenschluss schafft zukunftsfähige Strukturen
Ein weiterer Meilenstein war dann 2021 die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Verbände Kappel-Grafenhausen-Rust sowie Südliche Ortenau (Ettenheim, Ringsheim) zum neuen Verband „Südliche Ortenau“. 2023 folgte mit dem Brunnen Kappel II das erste gemeinsame Projekt, nachdem bei der Fusion der Tiefbrunnen Kappel I mit übernommen wurde.
Über das vergrößerte Verbandsgebiet hinaus wird, wie schon erwähnt, die Stadt Mahlberg weiterhin mit rund 90 Prozent des dort benötigten Trinkwassers beliefert. 2024 kam dann die Stadt Herbolzheim als weiterer Kunde mit einer separaten Zuleitung und rund 100.000 Kubikmeter Liefermenge hinzu. Diese Leitung funktioniert auch in Gegenrichtung, so dass gegenseitige Hilfe bei Ausfällen oder Notsituationen möglich wäre.
Gemeinsam durch schwierige Zeiten
In den vergangenen 30 Jahren blieb der Verband nicht von kleineren und etwas größeren Problemen verschont. Auch schwierige Situationen wie Sandeinträge, Stromausfälle oder Druckstöße im Netz konnte der Verband meistern. Letzter Schritt waren hierbei Kauf und Installation eines großen Notstromaggregats als Krisensicherheitsmaßnahme.
Der Verband verfügt heute über fünf leistungsfähige Tiefbrunnen mit einer Förderleistung von je etwa 500.000 Kubikmeter, dazu gibt es noch kleine Reserven. „Wir haben eine selbstbestimmte, interkommunale und absolut leistungsfähige Wasserversorgung aufgebaut“, sagte Weber sichtlich stolz und dankte den Mitarbeitern des Wasserwerks sowie der Verwaltung, Bürgermeisterkollegen, den Verbandsvertretern aus den Gemeinderäten, den Fachbüros und Partnern. „Wir wissen gleichzeitig, dass die Anforderungen weiter wachsen. Aber wir haben in den vergangenen 30 Jahren gezeigt, dass wir Herausforderungen gemeinsam meistern können.“ Besonders dankte der Verbandsvorsitzende dem Wasserwerk Ettenheim, dessen Wassermeister sowohl die Verbandsanlagen, Verbandsleitungen als auch die örtlichen Verteilnetze in den Kommunen betreuen. Ebenso Regina Buchmiller, der in der Ringsheimer Verwaltung zusätzlich die kaufmännische Leitung des Verbandes obliegt.
Wasser ist öffentliche Daseinsvorsorge und Naturschutz
Zum Abschluss seiner Ansprache erinnerte der Verbandsvorsitzende daran, dass Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit und keine beliebige Ware sei. Es sei das wichtigste Lebensmittel und eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gerade angesichts der derzeitigen Hitze- und Trockenperiode wolle er aber nochmals explizit betonen, dass die Versorgung in der Südlichen Ortenau auch in diesen Phasen absolut gesichert sei. Durch die Lage der Brunnen im wasserreichen Oberrheingraben, dem Elzzufluss und den Wässerungen im Naturschutzgebiet Elzwiesen verfüge man über ausreichend und besonders gutes Wasser. Alleine die beiden regelmäßig stattfindenden Wiesenwässerungen vor Rust würden rund fünf Millionen Kubikmeter Wasser versickern lassen, doppelt so viel wie man durch die fünf Brunnen entnehme. Gleichzeitig wirke der Verband dort finanziell stark mit, das Gebiet als einzigartigen Naturraum zu erhalten. Man investiere dort beispielsweise in Libellen- und Fischschutz sowie in die Pflege der Gräben.
Der Jubiläumstag bot deshalb nicht nur Gelegenheit zum Rückblick, sondern auch zum persönlichen Austausch. Bei der gemeinsamen Radtour konnten die Teilnehmer die Tiefbrunnen besichtigen, miteinander ins Gespräch kommen und die technische wie natürliche Grundlage der regionalen Wasserversorgung unmittelbar erleben.










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