Peter Westermann geht in Ruhestand
"Stets Sinn in meiner Arbeit gesehen"

Peter Westermann

Ortenau. Nach 43 Dienstjahren geht Polizeidirektor Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden beim Polizeipräsidium Offenburg, in den wohlverdienten Ruhestand. Welche Einsätze ihn besonders beschäftigt haben und was jetzt ansteht, erzählt er im Gespräch mit Matthias Kerber.

Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?
Ganz leicht fällt mir der Abschied tatsächlich nicht. Ich war 43 Jahre bei der Polizei und davon viele Jahre bei der Verkehrspolizei. Die Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht, sie war manchmal sehr anstrengend, aber immer erfüllend. Aber jetzt blicke ich nach vorne. Ruhestand bedeutet ja nicht Stillstand.

Was werden Sie als erstes machen, wenn Sie im wohlverdienten Ruhestand sind?
Die ersten Wochen werde ich sicherlich dazu nutzen, um einmal auszuspannen und die Zeit zu genießen. Und dann werde ich Dinge tun, zu denen ich während meiner Dienstzeit keine Zeit hatte oder sie zu einer bestimmten Zeit nicht umsetzen konnte. In meinem Wohnort Gaggenau hat beispielsweise ein neues Freibad aufgemacht, so dass ich dort jetzt morgens meine Runden drehen kann, wenn weniger los ist.

Es gibt noch die ein oder andere sportliche Herausforderung wie zum Beispiel eine Alpenüberquerung. Außerdem bin ich Imker, da ich habe ich jetzt gut zu tun.

Aber ganz konkrete Pläne habe ich noch nicht gemacht, aber ich habe schon einige Angebote im Ehrenamt bekommen (lacht).

Wenn Sie an Ihrer Dienstzeit zurückdenken. Was waren ganz besondere Momente Ihrer Arbeit?
In meiner Dienstzeit gab es viele Erlebnisse, die mich beschäftigt haben, die ich aber mittlerweile abgehakt habe – beispielsweise der Nato- und der G20-Gipfel aber auch der Papstbesuch waren erfolgreiche Einsätze, denen intensive Wochen der Vorbereitung vorausgegangen sind.

Es gibt aber auch Ereignisse, die immer mal wieder hochkommen. Ich habe viele schwere Verkehrsunfälle miterlebt und auch oft die Todesnachricht überbracht. So etwas vergisst man natürlich nicht, vor allem, wenn auch Kinder beteiligt sind, ich bin selbst Familienvater.

1998 war ich ein dreiviertel Jahr im Auslandseinsatz in Bosnien-Herzegowina. Bei diesem UN-Einsatz haben wir Strukturen wieder aufgebaut und kontrolliert. Wenn ich heute die Bilder aus der Ukraine sehe, versetzt mich das manchmal in die Zeit zurück.

Es gab aber auch sehr viele schöne Erlebnisse in meinem Beruf. Insgesamt war die Vielfalt meiner Tätigkeit wirklich toll. Ich bin immer gerne zum Dienst gegangen und habe stets Sinn in meiner Arbeit gesehen.

Sie haben gerade angesprochen, dass Sie im Laufe Ihrer Karriere viele schwere Unfälle miterlebt haben und oft den Angehörigen die Todesnachricht überbringen mussten. Wie haben Sie es geschafft, dass diese Ereignisse Sie nicht zu sehr belastet haben?
Jeder braucht eine Strategie, um solche Ereignisse zu verarbeiten. Das ist aber eine ganz individuelle Herangehensweise. Mir persönlich hat immer geholfen, wenn ich darüber mit Kollegen gesprochen habe oder auch mit meiner Familie. Ich habe immer versucht, eine professionelle Haltung einzunehmen und dabei trotzdem empathisch zu sein.

Im Rahmen Ihrer Tätigkeit hatten Sie unter anderem auch mit der Motorrad- und Autoposer-Szene zu tun. Wie erklären Sie sich solch ein Phänomen?
Angebereien gab es auch früher schon, aber nicht so stark wie heute. Was bei diesem Phänomen wie ein Katalysator wirkt, ist auch die mediale Berichterstattung. Wenn es ein Poserunfall in Köln gibt, steht das am nächsten Tag bei uns in der Zeitung. Wir haben auch bei uns in der Region eine solche Szene, die ist aber nicht so groß.

In dieser Szene spielen allerdings soziale Medien eine große Rolle. Dabei geht es um Klickzahlen und die werden vornehmlich durch Videoclips erzielt, die gewagte Fahrmanöver zeigen. So gibt es für Motorradfahrer spezielle Pads, die auf die Knieschoner abgebracht werden und Funken schlagen, wenn bei einer Kurvenfahrt das Knie auf dem Asphalt aufsetzt.
Aber auch die Hersteller sind ein Faktor, wenn sie spezielle Soundanlagen für Autos und Motorräder anbieten.

Wie wirkt hierbei Ihre Präventionsarbeit?
Es ist ganz schwierig, den richtigen Poser mit klassischer Präventionsarbeit zu erreichen. Der erhobene Zeigefinger wirkt nicht.

Ist das nicht auch manchmal frustrierend gewesen?
Es ist eher Motivation, etwas Neues auszuprobieren. Mittlerweile arbeiten wir mit Influencern aus der Szene zusammen, um an die Community heranzukommen. Aber auch Aktionen wie der „Schweigekilometer“, der auf die verunfallten Motoradfahrer auf der Schwarzwaldhochstraße aufmerksam machen möchte, ist gut aufgenommen worden.

Was werden die Herausforderungen für Ihre Kollegen in der Zukunft sein?
Technisch wird sich einiges verändern. Das fängt schon bei der Unfallaufnahme an. In Zukunft wird es verstärkt darum gehen, digitale Spuren zu sichern. Beispielsweise befinden sich im Airbag-Steuergerät Daten über Geschwindigkeit und Beschleunigung, ob der Blinker gesetzt wurde oder welche Stellung Gas- und Bremspedal hatten. Auch immer mehr Autos haben Kameras verbaut, die als Spuren ausgewertet werden sowie die Elektronik im Schlüssel.

Und was wird sich hinsichtlich des Verkehrsverhaltens ändern?
Wir werden in Zukunft ein anderes Mobilitätsverhalten beobachten können, weg vom Auto hin zum Pedelec. Pedelecs werden dadurch die Mobilität erhöhen.

Für jüngere Menschen hat das eigene Auto zudem an Stellenwert verloren. Gleich bleiben aber die alten Unfallursachen: Geschwindigkeit, Abstand, Überholmanöver, Alkohol und Drogen.

Sind die Straßen in den vergangenen Jahren sicherer geworden?
Bei der Zahl der Verkehrstoten ist eine deutliche Verbesserung eingetreten. Das hat aber nicht nur etwas mit dem Verhalten im Straßenverkehr zu tun, sondern natürlich auch mit der sich ständig verbesserten Sicherheit der Fahrzeuge.
Auf der anderen Seite beobachten wir aber eine Zunahme von Unfällen mit Pedelecs. Hierbei sind vor allem ältere Menschen betroffen.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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