Freiwillige aus ganz Deutschland
Unterstützung für Agroforst-Betriebe

16 Freiwillige aus ganz Deutschland haben im Rahmen des Bergwaldprojekts eine Woche lang auf mehreren Agroforst-Modellbetrieben des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord bei der Pflege der Agroforst-Systeme mitgeholfen. | Foto: Gundi Woll/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord
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  • 16 Freiwillige aus ganz Deutschland haben im Rahmen des Bergwaldprojekts eine Woche lang auf mehreren Agroforst-Modellbetrieben des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord bei der Pflege der Agroforst-Systeme mitgeholfen.
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Ortenau (st) Selbst mitanpacken auf landwirtschaftlichen Agroforst-Modellbetrieben im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und dabei mithelfen, Landwirtschaft klimafit aufzustellen. Das ist die Motivation der 16 Freiwilligen aus ganz Deutschland, die vom 1. bis zum 5. Juni im Rahmen des Bergwaldprojekts bei Pflegeeinsätzen auf vier Agroforst-Betrieben im nördlichen und mittleren Schwarzwald unterstützen. Die Kooperation zwischen dem Naturpark und dem Bergwaldprojekt-Verein findet im zweiten Jahr in Folge statt.

Gearbeitet wird auf Agroforst-Flächen des Hofbauernhofs in Loßburg-Schömberg (Landkreis Freudenstadt) und des Biobetriebs Wenz in Schwanau  sowie der SoLaVie e. V. in Neuried bei Offenburg und der Lorenz.Farm in Achern. Dabei werden Agroforstflächen durch Mahd, Hacken und Mulchen gepflegt. Zudem wurden Lebensräume angelegt, etwa durch Ansitzstangen oder mit Mauswieselhabitaten. Bei der Aktionswoche geht es auch darum, die Naturpark-Agroforstbetriebe kennenzulernen und einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten.

„Agroforst-Systeme sind ein wichtiger Baustein, um unsere Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Damit die neu gepflanzten Bäume gut anwachsen, müssen sie gerade in den ersten Jahren intensiv gepflegt werden. Genau hier ist die Unterstützung der Freiwilligen des Bergwaldprojekts ein großer Gewinn für die Betriebe“, berichtet der Agroforst-Projektmanager des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Niklas Kullik, beim Arbeitseinsatz auf dem Biolandhof Friedrich Wenz in Schwanau. Die Erkenntnisse aus den Arbeitseinsätzen fließen zudem in die Weiterentwicklung des Agroforst-Konzepts ein, erläutert Kullik: „Mit den Pflegeeinsätzen sammeln wir außerdem wichtige praktische Erfahrungen: Wie arbeitsintensiv sind unterschiedliche Agroforst-Systeme? Welche Arbeiten fallen wann an? Dieses Wissen hilft uns dabei, die Agroforst-Modellregion weiterzuentwickeln und Betriebe künftig noch gezielter zu unterstützen.“

Miteinander Naturschutz gestalten

Bei den Pflegeeinsätzen des Bergwaldprojekts steht zudem das Miteinander im Fokus. „Unsere Freiwilligen erleben hautnah, wie Landwirtschaft und Naturschutz zusammenwirken und wie konkrete Maßnahmen dabei helfen, Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen. Wer mit eigenen Händen auf Naturpark-Agroforstbetrieben angepackt hat, blickt danach anders auf Natur und Landwirtschaft. Und wird motiviert, seinen Alltag bewusster und naturverträglicher zu gestalten“, erläutert Lucas Gscheidle, Biologe und Projektbetreuer der Aktionswoche des Bergwaldprojekts e. V.

Die Gruppe der Freiwilligen ist bunt gemischt. Für die Aktionswoche reisen die Teilnehmer aus ganz Deutschland an: von Hamburg über Berlin und Köln bis an den Bodensee. Im Alter zwischen 18 und 71 Jahren bringen sie ganz unterschiedliche Lebens- und Berufserfahrungen mit. Was sie verbindet, ist die Motivation, gemeinsam praktisch etwas für Natur, Klima und Landwirtschaft zu bewegen.

Katarzyna Riemel ist bereits zum vierten Mal beim Bergwaldprojekt dabei. Die Softwareentwicklerin aus Köln wollte gezielt an den Aktionswochen zum Thema Agroforst im Naturpark teilnehmen. „Ich kenne das Agrofrost-Konzept noch vom landwirtschaftlichen Betrieb meiner Großeltern“, berichtet die junge Frau. „Das Bergwaldprojekt ist für mich eine schöne Gelegenheit, dabei mitzuhelfen, Agroforst als Klimaanpassungsmaßnahme wieder zu etablieren und der Biodiversität einen Schwung zu geben.“ Für Jürgen Muckenheimer aus Jülich (NRW) steht Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt. „Der Einsatz hier auf dem Agrofrost-Modellbetrieb zeigt mir, dass wenige Leute viel schaffen. Ich habe zudem das Gefühl, mit meiner Arbeit der Natur etwas zurückgeben zu können“, sagt Muckenheimer.

Sinnstiftendes Engagement auf Naturpark-Agroforstbetrieb in Schwanau

Für die tatkräftige Unterstützung der Bergwaldprojekt-Freiwilligen ist Landwirt Friedrich Wenz sehr dankbar. Denn mit der Hilfe der 16 Freiwilligen am 1. Juni konnte er Arbeiten angehen, für die er im Alltag nur selten Zeit findet. „Die Unterstützung ist für mich eine riesige Hilfe“, betont Wenz. „Denn die Pflanzen um die Ende Februar gesetzten Bäume und Sträucher unseres Agroforst-Systems herum sind enorm gewachsen und müssen entsprechend gepflegt werden. Duch die Freiwilligen sind wir nun für den Rest der Saison gut aufgestellt.“

Der Bio-Demonstrations- und Versuchsbetrieb von Friedrich Wenz ist 33 Hektar groß. Seit 1980 bewirtschaftet Wenz die Flächen bodenschonend ohne Pflug. Schwerpunkt des Betriebs ist der Ackerbau mit Getreide, Soja und Mais, ergänzt durch Luzerne sowie Kräuteranbau. Der Hof setzt sich für die Weiterentwicklung regenerativer Landwirtschaft im ökologischen wie auch im konventionellen Landbau ein.

Mit dem Aufbau eines 2,9 Hektar großen Agroforst-Systems reagiert der Betrieb gezielt auf die Herausforderungen des Klimawandels. Gepflanzt wurden bereits rund 550 Pappeln, 25 Wal- und Pekannussbäume sowie etwa 200 Heckensträucher verschiedener Arten. Ziel ist es vor allem, Wasser besser auf den Flächen zu halten und lokale Wasserkreisläufe zu stärken. Perspektivisch ist zudem eine weitere vielfältige Gehölzreihe in Zusammenarbeit mit einem Forschungsprojekt zu Robotik und Agroforst des Max-Planck-Instituts geplant.

Mehr Vielfalt auf Acker & Grünland: Das Prinzip Agroforst

Agroforst-Systeme verbinden Acker- oder Grünland mit Bäumen und Sträuchern auf derselben landwirtschaftlichen Fläche. Die Gehölze sind meist in Streifen angeordnet, an Maschinenbreiten angepasst und machen etwa fünf bis 20 Prozent der Fläche aus.

Agroforst-Systeme speichern Wasser und Kohlenstoff, schützen Böden vor Erosion und fördern die Biodiversität. Die Bäume mindern Wind und Starkregen, verbessern die Wasserqualität und erhöhen durch Humusaufbau die Bodenfruchtbarkeit. Dadurch sind die Flächen widerstandsfähiger gegenüber Folgen des Klimawandels wie Trockenheit oder Extremwetter. Zudem bieten sie Lebensräume für Tiere und ermöglichen ein vielseitigeres Produktangebot, etwa durch Holz, Früchte oder die Beweidung mit Nutztieren.

Agroforst-Modellregion im Naturpark etablieren & weiterdenken

17 Betriebe konnte der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord zwischen 2024 und 2026 mit Förderung der Postcode Lotterie und weiterer Stiftungsmittel in der Pilotphase unterstützen. Die Systeme und Ziele der Höfe sind so vielfältig, wie die Betriebe selbst: Wertholzbäume, Biomasseproduktion, Wind- und Erosionsschutz, Schatten für Weidetiere oder weitere Fruchtproduktion mit Kastanien oder Obst. Die Betriebe sind über die Kulisse des Naturparks im nördlichen und mittleren Schwarzwald sowie in der Rheinebene verteilt. Damit bilden sie auch unterschiedliche Höhenlagen ab.

Bioland, Triebwerk und der Naturpark entwickelten zusammen mit den Landwirten der teilnehmenden Höfe individuelle Agroforst-Konzepte. Zusätzlich erhielten 13 der Betriebe eine Förderung von bis zu 7.000 Euro für die Anlage der Agroforst-Systeme auf insgesamt 35 Hektar Fläche. Darüber hinaus veranstaltete der Naturpark vielfältige Weiterbildungsangebote wie Feldtage auf Modellbetrieben. Dabei vernetzte er Menschen aus Wissenschaft und Praxis und organisierte Pflanz-Aktionen. Die Agroforst-Modellregion wird auch im Anschluss an die Pilotphase um weitere Betriebe wachsen.

16 Freiwillige aus ganz Deutschland haben im Rahmen des Bergwaldprojekts eine Woche lang auf mehreren Agroforst-Modellbetrieben des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord bei der Pflege der Agroforst-Systeme mitgeholfen. | Foto: Gundi Woll/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord
Einsatz für eine klimafitte Landwirtschaft im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord: Freiwilligen-Einsatz im Rahmen einer Aktionswoche des Bergwaldprojekts. | Foto: Gundi Woll/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

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