Armenbegräbnis
Wenn ein Verlust zu einem Fall für die Behörden wird

In den kleinen Rasenflächen vor den beiden Reihen mit Urnenstelen können in der Stadt Renchen anonyme Bestattungen erfolgen.
  • In den kleinen Rasenflächen vor den beiden Reihen mit Urnenstelen können in der Stadt Renchen anonyme Bestattungen erfolgen.
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  • hochgeladen von Sebastian Thomas

Ortenau (pm). War früher von Armengräbern die Rede, handelte es sich um einfach gestaltete Begräbnisstätten auf einem Friedhof, häufig ohne Grabkennzeichnung, wo mittellose Verstorbenen bestattet wurden.

Sozial- oder Bestattungen von Amts wegen nehmen zu

Im 21. Jahrhundert wird aus ethisch-sozialen Gründen der Begriff Armengrab nicht mehr verwendet, stattdessen wird von einer Sozialbestattung oder einer Bestattung von Amts wegen, also einer Ordnungsamtsbestattung, gesprochen.

Seit Jahren nehmen diese Formen der Bestattungen wieder zu. Gründe hierfür könnten die steigende Altersarmut, die 2004 beschlossene Streichung des Sterbegeldes aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung oder auch die gestiegenen Bestattungskosten sein.

Sozialamt kann Kosten für Beisetzung übernehmen

Bundesweit hat sich die Zahl der Sozialbestattungen zwischen 2005 und 2011 von rund 7.500 jährlich auf 23.000 verdreifacht. Die Frage ist: Zeichnet sich dieser Trend auch in der nördlichen Ortenau ab?

Auf Anfrage teilt die Stadtverwaltung Achern mit, dass mittellose Angehörige bei ihrem zuständigen Sozialamt die Übernahme der Bestattungskosten oder eines Teils davon beantragen können. Hier spricht man von der Sozialbestattung. Die Zahl für Achern ist nicht zu beziffern, da das Sozialamt alles direkt mit den Angehörigen regelt.

In Achern steigt die Zahl odnungsbehördlicher Bestattungen

Sind keine Familienangehörigen zu ermitteln und kümmern sich weder entfernte Verwandte oder Freunde um die Beisetzung, wird die Beerdigung von Amts wegen angeordnet. Diese ordnungsbehördliche Bestattung findet in Form der Feuerbestattung statt.

Bei den ordnungsbehördlichen Beisetzungen ist in Achern eine Steigerung festzustellen. Wurden 2017 noch vier Bestattungen angeordnet, waren es im vergangenen Jahr schon acht Anordnungen. In Sasbachwalden wurde die Zahl der ordnungsbehördlichen Bestattungen auf durchschnittlich eine im Jahr beziffert.

Noch keinen einzigen Fall in Renchen

"Wir hatten in den vergangenen Jahren keine ordnungsbehördliche Bestattung", sagt Gabriele Armbruster von der Gemeinde Lautenbach. In Renchen ein ähnliches Bild: Hier gab es noch keinen einzigen Fall. „Bisher war es immer möglich, entfernte Verwandte oder auch Freunde zu finden, die für die Bestattung aufkommen“, weiß Katja Sester, die in Renchen für das Bestattungswesen verantwortlich ist.

Sollte es sich in Gesprächen zeigen, dass es finanziell eng ist, wird auch Ratenzahlung angeboten. Meist wird dann ein Urnengrab mit Steinplatte gewählt. Das kostet rund 520 Euro und ist damit nur unwesentlich teurer als ein anonymes Urnengrab mit fast 460 Euro.

Nur zwei anonyme Bestattungen in Renchen

Dazu kommen jeweils noch rund 200 Euro für das Öffnen und Schließen des Grabes. Erst für zwei anonyme Bestattungen wurden die Grasflächen bei den Urnenstelen auf dem Friedhof in Renchen bisher genutzt – und da spielten nicht die Kosten, sondern einfach der letzte Wille des Verstorbenen eine Rolle.

Die Gebühren in der Gemeinde Lautenbach liegen bei ungefähr 500 Euro. "Hinzu kommen die Kosten des Bestatters", erklärt Gabriele Armbruster. Sie könne an dieser Stelle aber keine Zahlen nennen, da eben seit längerer Zeit keine solche Bestattung mehr stattfand.

In Achern belaufen sich die städtischen Gebühren für eine ordnungsbehördliche Bestattung auf 600 Euro plus Kosten für die Kremation und den Bestatter. In Sasbachwalden sind für eine Bestattung zwischen 1.500 und 2.500 Euro aufzubringen. Zuständig für eine Bestattung ist die Gemeinde, in welcher der Todesfall eintrat, nicht etwa der Wohnort des Verstorbenen.

Autor:

Sebastian Thomas aus Achern

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