Eine Frage Herr Dr. Kautz
Alternativen und Logistik verbessern

Dr. Markus Kautz

Der Borkenkäfer hat den Wäldern in den vergangenen Jahren zugesetzt, auch im Nordschwarzwald. Wie das Borkenkäfermanagement wirkt, erklärt Dr. Markus Kautz, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), im Gespräch mit Matthias Kerber.

Welche Bereiche im Nordschwarzwald sind durch den Borkenkäferbefall besonders betroffen?

Der Nordschwarzwald, und insbesondere die Höhenlagen über 800 Meter, sind in den vergangenen beiden Jahren im landesweiten Vergleich noch verhältnismäßig glimpflich davon gekommen. Gründe dafür sind die in den Höhenlagen etwas verminderte Generationenzahl der Buchdrucker sowie der ebenfalls etwas geringere Trockenstress der Fichten. Zum Glück blieben zudem großflächige Windwürfe aus, welche bei nicht rechtzeitiger Beräumung die Käferdichte lokal extrem ansteigen lassen können. Nichtsdestotrotz, auch im Nordschwarzwald erlebt man seit 2018 wie in weiten Teilen Mitteleuropas eine außergewöhnliche Phase der Massenvermehrung, mit besonderen Befallsschwerpunkten in fichtendominierten Beständen der Landkreise Freudenstadt und Ortenau. Die Befallszahlen in den Landkreisen Calw und Rastatt sind dazu im Vergleich geringer. Besonders gefährdet sind generell fichtendominierte Bestände ab etwa 50-60 Jahren, welche schlecht standortsangepasst bzw. wasserversorgt und wenig strukturiert sind.

Haben die ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Befalls bereits erste Erfolge erbracht, was hat sich bewährt?
Natürlich wirkt das Management der frischen Befallsbäume, also deren rechtzeitige Abfuhr aus den Beständen, um ein Ausschwärmen der Nachfolgegeneration zu verhindern, einer ungebremsten Befallsausbreitung entgegen. Je besser das Management, desto weniger Folgebefall in der Umgebung. Das frequente terrestrische Monitoring bildet dabei das Rückgrat eines erfolgreichen Managements. Sollte die Abfuhr des eingeschlagenen Befallsholzes zeitnah dann nicht möglich sein, kommen je nach Entwicklungsstadium der Käfer und Stammdimension Alternativen wie Zwischenlagerung außer Wald, Entrindung oder Hackung der Stämme in Frage. Die kurze Entwicklungszeit der Käfer von etwa sechs bis zehn Wochen stellt das Management während der Vegetationszeit jedoch insbesondere in Kalamitätsjahren vor große logistische Herausforderungen. Hierbei gilt es insbesondere auch im Winterhalbjahr die Population effizient zu reduzieren, in dem die Überwinterungsbäume ebenfalls möglichst früh erkannt und beseitigt werden. Im vergangenen Jahr wurde pilotweise ein appgesteuertes Managementsystem in Baden-Württemberg getestet, welches den zeitlichen Ablauf von Erkennen bis Abfuhr des Befallsholzes verkürzt – soweit ich das bereits einschätzen kann, hat sich dieses System sehr gut bewährt.

Was kann noch verbessert werden?
Zukünftig sollte sowohl an einer optimierten Logistik als auch an alternativen Maßnahmen des Managements gearbeitet werden. Aktuelle Forschungsansätze an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg umfassen zum Beispiel die räumlich und zeitlich präzise Prognose von Befall, damit das Erkennen und Beseitigen befallener Bäume noch schneller und damit effizienter erfolgen kann. Auch wird untersucht, inwiefern durch den Einsatz von Harvestern bei der vollmechanisierten Aufarbeitung entstehende Rindenverletzungen den Befall von gelagertem Holz verhindert oder die Käferbrut in befallenem Holz dadurch unschädlich gemacht werden kann. Darüber hinaus gibt es in Kooperation mit der Universität Freiburg auch Forschungsansätze, sich die Pheromonbiologie zur Regulierung der Borkenkäfer zunutze zu machen. Mittel- bis langfristig gilt es natürlich das Befallsrisiko prophylaktisch auch durch waldbauliche Maßnahmen wie Baumartenmischung und Reduzierung der Umtriebszeiten bei Fichte zu reduzieren.

Welche Auswirkungen hat der Borkenkäferbefall auf die Forstwirtschaft?
Neben den drastischen insbesondere wirtschaftlichen Einbußen bewirkt die aktuelle extreme Befallssituation, in weiten Teilen Deutschlands in historischem Ausmaß, sicherlich auch ein generelles Umdenken bezüglich der Zukunftsfähigkeit von Fichten im Klimawandelkontext. Borkenkäfer-Massenvermehrungen werden in den kommenden Jahrzehnten laut Modellrechnungen häufiger vorkommen – die Notwendigkeit sich daran anzupassen, wird Manchem nun erst jetzt richtig bewusst. In den nächsten Jahren stellt zudem die Wiederbewaldung der geräumten Schadflächen eine große Herausforderung für die Forstwirtschaft dar. Die durch den Käfer innerhalb kürzester Zeit entstehenden Kahlflächen sind waldbaulich sehr nachteilig, denn die vielerorts angestrebte planvolle Umwandlung in zukunftsfähigere Baumarten ist ohne einen schützenden Schirm oft erheblich schwieriger.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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