Interview mit Horst Sahrbacher
Das tut die Agentur für Arbeit gegen Fachkräftemangel

Horst Sahrbacher

Ortenau. Im Interview mit Anne-Marie Glaser erklärt Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, wie dem großen Personalbedarf in der Ortenau begegnet wird.

Warum fehlen Fachkräfte?
Der Bedarf der Firmen und Unternehmen in der Ortenau an Arbeitskräften hat sich in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert. So nahm die Zahl Sozialversicherungspflichtig-Beschäftigter zwischen 2010 und 2017 von 152.761 auf 176.201 um etwa 17 Prozent zu. Die gute konjunkturelle Situation trägt hierzu wesentlich bei, aber auch die Tatsache, dass in der Ortenau viele leistungsfähige Firmen angesiedelt sind, die zum Teil mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Verschärft wird dieser dadurch entstehende Fachkräftebedarf durch die sich abzeichnende demografische Entwicklung. In den nächsten zehn Jahren scheiden sehr viele ältere Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben aus. Dabei handelt es sich zum großen Teil um gut ausgebildete Fachkräfte. Jugendliche, die diese Lücken füllen könnten, sind allerdings in diesem Umfang nicht vorhanden und der bei jungen Menschen vorherrschende Trend zu einer akademischen Ausbildung verschärft die Situation bei der Gewinnung von Nachwuchskräften für duale Ausbildungsberufe zusätzlich.

Wie unterstützt die Agentur?

Die Berufsberatung arbeitet gemeinsam mit den Schulen sehr intensiv zusammen mit dem Ziel, Jugendliche im Rahmen der Berufsorientierung die Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen, die der regionale Ausbildungs- und Arbeitsmarkt bietet. Darüber hinaus vermitteln wir arbeitslose Bewerber gezielt in die verschiedenen Betriebe. Durch die deutlich verbesserte Arbeitsmarktsituation steht allerdings ein deutlich geringeres Potenzial an arbeitslosen Menschen, die über entsprechende Fachkenntnisse verfügen, zur Verfügung. Wir versuchen deshalb gezielt, arbeitslose Menschen, die bisher keine Berufsausbildung absolviert haben, dazu zu motivieren, eine solche Berufsausbildung nachzuholen und wir unterstützen dies finanziell. Außerdem nutzen wir den grenzüberschreitenden Vermittlungsservice der Agentur für Arbeit in Kehl, um zusätzliche Potenziale aus dem Elsass zu gewinnen. Von der guten Arbeitsmarktsituation profitieren zunehmend auch Menschen mit Behinderung und Menschen, die seit längerer Zeit arbeitslos gemeldet sind, denn auch diese verfügen oft über vielfältige Kompetenzen.

Welche Möglichkeiten gibt es für Quereinsteiger?

Seit Jahren versucht die Arbeitsverwaltung, Menschen, die bisher keine Berufsausbildung absolviert haben, dazu zu motivieren, diese Berufsausbildung nachzuholen. Wir unterstützen arbeitslose Menschen, die bisher keinen Berufsabschluss absolviert haben, ebenso wie Arbeitnehmer, die in Betrieben der Ortenau beschäftigt sind und bisher keinen Berufsabschluss erworben haben; für beide Personenkreise gibt es unterschiedliche Fördermöglichkeiten der Arbeitsverwaltung, die wir gerne einsetzen, damit diese Menschen einen Berufsabschluss nachholen und damit zu wertvollen Mitarbeitern unserer Firmen werden können.

Was raten Sie Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Stellen zu besetzen?
Vor dem Hintergrund des großen Personalbedarfs der Ortenauer Firmen gibt es hier natürlich kein Patentrezept. Wichtig für Betriebe ist es, bei der Suche nach geeigneten Arbeitnehmern alle sich bietenden Potenziale in den Blick zu nehmen und dabei auch Personengruppen einzubeziehen, die bisher bei der Personalauswahl im Unternehmen vielleicht eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Außerdem sollten Unternehmen auch die Potenziale nutzen, die im eigenen Betrieb stecken; hier lohnt es sich, Arbeitnehmer, die bisher keinen Berufsabschluss absolviert haben, genauer zu betrachten und zu überlegen, ob eine Qualifizierung dieser Menschen helfen kann, den Fachkräftebedarf des Unternehmens zu decken.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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