Förderverein für krebskranke Kinder e. V. Freiburg baut ein neues Elternhaus
Ein Zuhause auf Zeit in einer sehr belastenden Situation

Außenansicht des neuen Elternhauses
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  • Außenansicht des neuen Elternhauses
  • Foto: Architekten Hähnig Gemmeke
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Freiburg (tf). Die Diagnose Krebs trifft eine Familie aus heiterem Himmel. Plötzlich ist alles anders. Es gibt kein Normal mehr – das ganze Leben ist von heute auf morgen dominiert von der schweren Erkrankung des Kindes. "Ich habe gesunde Kinder, Enkel und ein Urenkel – darum will ich Familien, die von einer solchen Diagnose heimgesucht werden, helfen", sagt Wolfgang L. Obleser, Vorstand im Förderverein für krebskranke Kinder e. V. Seit über 39 Jahren unterstützt der Förderverein Familien mit krebskranken Kindern. Im sogenannten Elternhaus finden die Angehörigen der kleinen Patienten während der gesamten Behandlungsdauer ein „Zuhause auf Zeit“. Das sind allerdings nicht nur Eltern krebskranker Kinder, fast 20 Prozent haben andere schwerstkranke Kinder. Ihnen steht das Elternhaus natürlich auch offen. Denn umfangreiche Studien haben erwiesen, dass die Nähe der Eltern zum Kind exponentiell zur Heilung beiträgt.

Rückzugsraum

"Dennoch brauchen auch die Eltern und Geschwister einen Raum, an dem sie sich zurückziehen und den Klinikalltag vergessen können," so Vorstandsvorsitzender Bernd Rendler. Darum baut der Verein in unmittelbarer Nähe zur neuen Kinderklinik ein noch größeres und moderneres Elternhaus. Nach dem Projektstart im Jahre 2013 und den anschließenden Planungen sowie dem Architektenwettbewerb, den das Architekturbüro Hähnig Gemmeke für sich entscheiden konnte, stehen nun noch die letzten administrativen Gänge an, bevor 2020 der erste Spatenstich erfolgen kann. Das neue Elternhaus verfügt über 45 Einheiten mit insgesamt 85 Betten. Bei Bedarf können sogar zirka 120 Betten aufgestellt werden. Im Erdgeschoss gibt es eine Cafeteria, den Versammlungsraum, Büros und weitere Gemeinschaftsräume. Die drei Wohnstockwerke sind im Gegensatz dazu Ruhezonen, in welche man sich zurückziehen kann. Die komplette Einrichtung ist auf natürliche Materialien wie Holz und warme Farben abgestimmt, um das Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. "Ein besonderes Highlight ist der Dachgarten", so Architektin Anette Hähnig. "Hier können betroffene Eltern, aber auch Geschwisterkinder in geschützter Atmosphäre ausspannen, den Duftgarten genießen und so einen Moment Abstand vom Klinikalltag bekommen."

Bezugsfertig im Jahr 2022

Auch die Räume für die Geschwisterkinder wurden unter den aktuellsten pädagogischen Gesichtspunkten entwickelt. “Das ganze Team des Elternhauses hat seine Ideen eingebracht und wichtige Informationen aus dem Alltag beigesteuert, so dass das neue Elternhaus noch mehr an die Bedürfnisse der betroffenen Eltern angepasst werden kann“, so Vorstandsmitglied Johannes Bitsch. Wenn alles klappt, soll das neue Haus 2022 bezugsbereit sein und 2023 dann den normalen Routinebetrieb aufgenommen haben. Auch Prof. Dr. Charlotte Niemeyer, Ärztliche Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Uniklinik Freiburg, betont: „Wir können heute viele Kinder mit Krebserkrankungen heilen. Dafür müssen wir die Familien manchmal durch Himmel und Hölle schicken. Das Elternhaus ist das, was unsere Medizin machbar macht.“ Pro Jahr verzeichnet der Verein im derzeitigen Elternhaus mehr als 19.000 Übernachtungen – insgesamt bisher mehr als 345.000.

Durch Spenden finanziert

Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 2,5 Jahre. „Für die optimale Pflege und Versorgung der kleinen Patienten sind kurze Wege unverzichtbar“, erläutert Johannes Bitsch, warum das alte Haus mit dem Klinikneubau nicht mehr genutzt werden kann. „Eine bundesweite Umfrage unter 14 Elternhäusern hat gezeigt, dass Eltern bis zu zehnmal täglich zwischen der Klinik und dem Elternhaus pendeln, auch in der Nacht.“ Dazu muss die Entfernung idealer Weise unter 500 Meter betragen. Insgesamt investiert der Förderverein zwölf Millionen Euro, die sich zu 100 Prozent aus Spenden generieren müssen. "Wir sind überzeugt davon, dass uns viele Menschen bei der Realisierung des Projektes neues Elternhaus helfen werden", so Wolfgang L. Obleser. "Denn diese Kinder haben ihr ganzes Leben noch vor sich und wir sollten sie und ihre Familien bei der Heilung unterstützen." Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereines.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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