Starkes Wir zwischen Tradition und Wandel
Landfrauen damals und heute

Die Helmlinger Landfrauen Christa Zimmer und Rosemarie Fien binden nach alter Tradition Erntekronen. | Foto: Landfrauen Helmlingen
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  • Die Helmlinger Landfrauen Christa Zimmer und Rosemarie Fien binden nach alter Tradition Erntekronen.
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Hanauerland Seit fast einem Jahrhundert stehen die Landfrauen in der Ortenau für Gemeinschaft, Engagement und gelebte Solidarität. Was einst mit wenigen mutigen Frauen begann, die mehr wollten als den Alltag zwischen Hof, Haushalt und Familie, ist heute eine starke Bewegung mit großer Strahlkraft.

Zusammen mehr erreichen

Zu den ersten Ortsvereinen gehörten Freistett und Bodersweier, die 1928 gegründet wurden. Seit 1953 sind sie gemeinsam mit neun weiteren Ortsvereinen im Landfrauenbezirk Kehl organisiert, dem heute deutlich mehr als 1.000 Frauen angehören.
„Die Frauen, die früher kaum aus dem Haus kamen, wollten sich neben der Erfüllung ihrer häuslichen und beruflichen Pflichten als Bauersfrauen ehrenamtlich engagieren“, erzählt Ingrid Schwörer, Bezirksvorsitzende des Landfrauenbezirks Kehl, „die regelmäßigen Treffen dienten dabei nicht nur der Geselligkeit, sondern auch der Fortbildung und der gegenseitigen Unterstützung.“
Auf dem Programm standen Vorträge zu Haushaltsführung, Kochen und Backen, zu technischen Neuerungen sowie zu Fragen der Erziehung. Nach dem genossenschaftlichen Prinzip „Eine für alle, alle für eine“ wurden zudem gemeinsame Anschaffungen getätigt, die den einzelnen Haushalt überfordert hätten. Ein Beispiel dafür ist die Dosenverschließmaschine, die die Freistetter Landfrauen anschafften und mit der die Vorratshaltung nach der damals üblichen Hausschlachtung erheblich erleichtert wurde.

Verwurzelt im Miteinander

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Leben auf dem Land grundlegend gewandelt – und mit ihm auch das Aufgabenfeld der Landfrauen. „Wir sind heute deutlich breiter aufgestellt“, so Schwörer, die als gelernte Betriebswirtin und Hauswirtschafterin als Bäuerin einen landwirtschaftlichen Hof führt und schon in frühen Jahren über ihre Mutter zu den Landfrauen kam. „Unser zentrales Ziel, Frauen im ländlichen Raum qualifizierte Weiterbildung zu ermöglichen, ist jedoch geblieben.“ Die Landfrauen seien heute eine der größten Anbieter von Erwachsenenbildung im ländlichen Raum. Die Themen hätten sich dabei weiterentwickelt: Neben klassischen Vorträgen und Kreativangeboten wie Nähen, Kochen und Backen gehören inzwischen auch Gehirnjogging, Selbstverteidigung und viele weitere zeitgemäße Formate zum Programm.
„Wir bringen uns in alle Bereiche ein, die Frauen betreffen oder sie voranbringen“, betont Schwörer, „die Landfrauen mischen sich ein, erheben ihre Stimme und setzen sich für die Anliegen von Frauen ein – mit Herz, Verstand und Beharrlichkeit.“ Kinderbetreuung, Gesundheit und Pflege gehören ebenso dazu wie Bürokratieabbau und der Ausbau der digitalen Infrastruktur.
Ein besonderes Anliegen ist die gesellschaftliche Anerkennung der Leistungen von Frauen sowie ihre gleichberechtigte Teilhabe in Beruf und Familie, in Gesellschaft und Politik, in Bildung, Wirtschaft und Kultur. In diesem Zusammenhang verweist Schwörer auf die politischen Forderungen der Arbeitsgemeinschaft der drei Landfrauenverbände in Baden-Württemberg und macht zugleich auf die Kampagne „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam.
Fast 100 Jahre nach ihrer Gründung sind die Landfrauen damit lebendiger denn je. Sie zeigen, wie viel Kraft in Gemeinschaft steckt, wie Wandel gelingen kann und wie Werte über Generationen hinweg weitergetragen werden. Die Landfrauen sind nicht nur Teil der regionalen Geschichte – sie gestalten die Gegenwart aktiv mit und geben außerdem auch wichtige Impulse für die Zukunft. 100 Jahre Landfrauen Weibliche Solidarität nach dem Motto: "Eine für alle, alle für eine"

Die Helmlinger Landfrauen Christa Zimmer und Rosemarie Fien binden nach alter Tradition Erntekronen. | Foto: Landfrauen Helmlingen
Ortenauer Landfrauen in Diskussion mit der Politik 2023 auf dem Körkelhof | Foto: kec
Historisches Bild | Foto: Privat

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