Fußnote – die Glosse im Guller
Religiöses Mobbing

Okay, ich habe Vertreter einer Religionsgemeinschaft, die für ihre engagierte Missionstätigkeit bekannt ist, schon einmal an der Haustür böse angemotzt. Aber das ist wirklich lange her und ich hatte eine schlimme Nacht mit einem zahnenden Baby hinter mir. Mutter und Kind waren gerade völlig erschöpft eingeschlafen, als sie durch energisches Klingeln wieder hochgeschreckt wurden. Sollten die Damen diese Zeilen zufällig lesen, möchte ich mich für mein Verhalten vor 25 Jahren gerne entschuldigen. Die Entgleisung war alleine der Situation geschuldet.

Nein, ich habe mich noch nie einem anderen Menschen aus religiösen Gründen überlegen gefühlt. Ganz abgesehen davon, dass man dies ohnehin nicht tun sollte, ist das auch kein Grund, jemanden schlecht zu behandeln. Deshalb habe ich nicht das kleinste Fitzelchen Verständnis dafür, dass religiöses Mobbing und allem voran Antisemitismus ein großes Problem an deutschen Schulen ist.
Nun gibt es ja in der Pubertät Phasen, da glauben Jugendliche, blödes Verhalten würde sie schmücken. Manche erkennen mit der Zeit selbst, dass dem nicht so ist, den anderen muss das jemand deutlich machen. Das ist manchmal eine nervige Aufgabe, gehört aber nun einmal zur Elternschaft. Leider sehen das nicht alle Erziehungsberechtigten so. Und worauf sie selbst keine Lust haben, das soll dann die Schule richten.

Unter uns: Meine Tochter hat sich zu einer tollen jungen Frau entwickelt. Auf dem Weg dorthin gab es während der Pubertät aber doch Momente, in denen ich die Mutterschaft nicht nur als pure Freude empfand. Um so größer ist mein Respekt vor Lehrern, die sich mit 20 und mehr Teenagern gleichzeitig auseinandersetzen müssen. Es ist wahrlich Leistung genug, wenn sie ihnen den Lernstoff vermitteln. Man kann ihnen nicht auch noch aufbürden, fremder Leute Kinder Anstand beizubringen.

Weil es die Elten aber nicht tun, setzt Bundesjugendministerin Franziska Giffey im Kampf gegen Antisemitismus und Mobbing 170 Anti-Mobbing-Experten ein. Die sollen das Problem vor Ort lösen. Ob das wohl coole Typen sind, so eine Mischung aus Elyas M'Barek und Mahatma Gandhi, die während der Pausen mit den Schülern rappen oder meditieren? Wer weiß, hoffentlich bestrafen sie aber Mobber knallhart und am besten die Eltern gleich mit. Wenn Eltern haften, dann ist es ihnen vielleicht nicht mehr egal, was ihr Nachwuchs so treibt.
Anne-Marie Glaser

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