Fußnote, die Glosse im Guller
Work-Life-Balance

Von wegen "schaffe, schaffe, Häusle baue", der moderne Mensch achtet auf die Work-Life-Balance. Schon während des Schreibens höre ich die Gralshüter der deutschen Sprache aufstöhnen. Ja, ich finde es auch bitter, dass Begriffe zunehmend dem Englischen entliehen werden. Wenn ich aber Arbeit-Leben-Gleichgewicht schreibe, versteht keiner, was gemeint ist. Dabei wird der Begriff Work-Life-Balance sowieso unterschiedlichst interpretiert.

Alles schön im Gleichgewicht

Mir scheint ein Tag gut ausbalanciert, wenn jemand acht Stunden schläft, acht arbeitet und dann noch acht zur freien Verfügung hat. Allerdings ist es für viele nicht zu vermeiden, dass sie während ihrer Freizeit mal die Spülmaschine ausräumen müssen. Deshalb werden solche Tätigkeiten unter Arbeit verbucht, was sie ja irgendwie auch sind. Und schon ist es aus mit der Balance. Auf der anderen Seite mag es vielleicht den einen oder anderen schönen Moment im Job geben. Davon hat man bereits gehört und dann wäre eigentlich alles wieder im Lot, meine ich.

20 Wochenstunden

Das sehen nicht alle so. Scheinbar setzt sich vor allem bei der jüngeren Generation zunehmend die Überzeugung durch, das wahre Glück ist mit einem Vollzeitjob nicht zu vereinbaren. So berichtete unlängst ein Professor bei einem Vortrag, dass viele seiner Studenten später maximal 20 Wochenstunden einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen.

Will nicht finanzieren

Wenn sie sich das leisten können, soll mir das recht sein. Überhaupt ist es völlig in Ordnung, wenn junge Menschen andere Wünsche und Ziele haben als die ältere Generation. Ich will das große Freizeitvergnügen allerdings nicht finanzieren.

Schieflage

Mir ist durchaus klar, dass den Vertreten des neuen Zeitgeistes nichts an teuren Autos, Designerkleidung oder Luxusurlaub liegt – an einer funktionierenden Infrastruktur, öffentlichen Einrichtungen oder einer anständigen Gesundheitsversorgung allerdings schon. Das wird aus dem großen Topf bezahlt, aus dem sie genauso schöpfen möchten, aber nur wenig einzahlen.
Besonders interessant finde ich es, wenn teilzeitarbeitende Eltern für ihre Kinder kostenlose Ganztagsbetreuung fordern. Andererseits ergibt das schon Sinn. Kinder zu versorgen und zu bespaßen, ist mitunter harte Arbeit. Da kann die Work-Life-Balance aber so was von in Schieflage geraten.

Baukindergeld

Den alten Traum vom Eigenheim haben übrigens sogar viele Work-Life-Balance-Fans. Sie singen jedoch: Baukindergeld, Baukindergeld, Häusle baue.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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