In Renchen
Inklusives Wohnangebot erhält 297.500 Euro Förderung

Stephan Masch (v. l.), Repräsentant der Deutschen Fernsehlotterie, Joachim Haas, Vorstandsmitglied des Leben mit Behinderung Ortenau e.V., und Wolfgang Dürr, Vorstand des Leben mit Behinderung Ortenau e.V., bei der symbolischen Übergabe der Fördersumme  | Foto: Eliza Rein-Wolf
  • Stephan Masch (v. l.), Repräsentant der Deutschen Fernsehlotterie, Joachim Haas, Vorstandsmitglied des Leben mit Behinderung Ortenau e.V., und Wolfgang Dürr, Vorstand des Leben mit Behinderung Ortenau e.V., bei der symbolischen Übergabe der Fördersumme
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Renchen (st) Selbst entscheiden, wie und mit wem man lebt – für viele Menschen mit Behinderung ist das noch immer keine Selbstverständlichkeit. In Renchen, im Finkenweg 16 im schafft der gemeinnützige Verein Leben mit Behinderung Ortenau e.V. deshalb ein neues ambulant betreutes Wohnangebot für sieben bis zwölf Personen mit vorwiegend körperlichen oder seelischen Behinderungen und erhöhtem Assistenzbedarf. Die Deutsche Fernsehlotterie unterstützt dieses wichtige soziale Bauvorhaben mit einer zweckgebundenen Förderung in Höhe von 297.500 Euro. Die Fördermittel werden anteilig für die anfallenden Planungs- und Baukosten zur Errichtung der Wohnungen eingesetzt. Die Gesamtkosten des gemeinnützigen Vorhabens belaufen sich auf über 2,6 Millionen Euro, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Fernsehlotterie.

Joachim Haas ist Vorstandsmitglied des Leben mit Behinderung Ortenau e.V.: „Ein eigenes Zuhause bedeutet weit mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf. Es bedeutet, selbst entscheiden zu können, wie man seinen Alltag gestaltet und mit wem man leben möchte. Gerade Menschen mit höherem Assistenzbedarf haben dafür auf dem regulären Wohnungsmarkt bislang viel zu wenige Möglichkeiten. Mit unserem neuen Wohnangebot in Renchen möchten wir Selbstbestimmung ermöglichen, ohne die notwendige Unterstützung aus dem Blick zu verlieren. Dass die Deutschen Fernsehlotterie unser Vorhaben unterstützt, war und ist für uns der entscheidende Eckpfeiler für die Durchfinanzierung. Dafür danken wir allen Mitspielern der bekannten Soziallotterie von Herzen“, bedankt sich Haas herzlich.

Großer Bedarf

Der Bedarf ist groß. Menschen mit körperlichen, mehrfachen oder seelischen Behinderungen stoßen im Ortenaukreis bei der Suche nach geeignetem Wohnraum auf erhebliche Hürden. Barrierefreie und bezahlbare Wohnungen sind knapp. Für Menschen mit erhöhtem Assistenzbedarf ist die Situation besonders schwierig, da neben dem passenden Wohnraum auch verlässliche Unterstützungsstrukturen benötigt werden. Beim Verein gehen regelmäßig neue Anfragen nach Wohnmöglichkeiten ein; zahlreiche Interessierte stehen bereits auf der Warteliste.

Das neue Wohnprojekt in Renchen verbindet deshalb Selbstbestimmung mit bedarfsgerechter Unterstützung. Aktuell ist die Baugrube ausgehoben und die Gewerke gehen in den kommenden Wochen an den Start. Es wird mit einer Bauzeit von 18 Monaten gerechnet, so dass Anfang des Jahres 2028 der Erstbezug erfolgen kann.

„Im neuen Renchener Wohngebiet Blumenau-Lickelsbünd“ im Finkenweg 16 entsteht ein Wohnhaus mit insgesamt sieben barrierefreien und rollstuhlgerechten Wohnungen. Unterschiedliche Wohnungsgrößen ermöglichen zwei Einzel- als auch fünf Paarwohnoptionen. Damit richtet sich unser Angebot insbesondere an Menschen, die eigene Entscheidungen treffen und ihren Alltag weitgehend selbst gestalten können, aufgrund ihres höheren Unterstützungsbedarfs bislang jedoch häufig noch bei ihren Eltern oder in einer besonderen Wohnform leben“, so Wolfgang Dürr, Vorstand des Leben mit Behinderung Ortenau e.V.

Die Wohnungen bieten bedarfsgerecht gestaltete Wohn-, Schlaf-, Küchen- und Badezimmerbereiche und verfügen über Balkone oder Terrassen mit Orientierung zum Garten. Helle Räume und flexible Grundrisse sollen den künftigen Bewohnern ermöglichen, ihr Zuhause entsprechend ihren persönlichen Bedürfnissen zu gestalten. Bei Bedarf erhalten die Bewohner individuelle Assistenz, Betreuung, Pflege sowie pädagogische und therapeutische Unterstützung. Diese kann beispielsweise bei der Haushaltsführung, beim Einkauf und der Zubereitung von Mahlzeiten, bei der Körperpflege, der Freizeitgestaltung oder in persönlichen Krisensituationen greifen. Das Hilfsprojekt reicht damit bewusst über die Schaffung barrierefreien Wohnraums hinaus. Die künftigen Bewohner sollen Teil des gesellschaftlichen Lebens in Renchen werden. Kontakte zu Vereinen, Kirchengemeinden, Nachbarschaft und weiteren örtlichen Akteuren sollen dabei helfen, Brücken in das Alltagsleben zu bauen und individuelle Interessen und Aktivitäten zu ermöglichen.

„Selbstbestimmung darf nicht dort enden, wo ein Mensch aufgrund seiner Behinderung mehr Unterstützung benötigt. Mit dem neuen Wohnangebot in Renchen entstehen deshalb nicht einfach sieben barrierefreie Wohnungen, sondern neue Möglichkeiten für ein möglichst selbstbestimmtes Leben mitten in der Gesellschaft. Dass wir dazu einen Beitrag leisten können, freut uns sehr“, so Stephan Masch, Repräsentant der Deutschen Fernsehlotterie.

Im Jubiläumsjahr 2026 feiert die Deutschen Fernsehlotterie ihr 70-jähriges Bestehen und steht somit seit 1956 für das Motto „Gewinnen & Helfen“. 755.000 Personen konnten sich im Jahr 2025 über einen Gesamtgewinn von mehr als 45 Millionen Euro freuen. 90 von ihnen gewannen mehr als 100.000 Euro, und elfmal gab es einen Millionengewinner. Mit jedem Spieleinsatz fördern die Mitspieler gleichzeitig soziale Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung oder schwerer Erkrankung, wohnungslose Menschen, Geflüchtete sowie Initiativen im Quartier. Mindestens 30 Prozent der Spielerlöse der gemeinnützigen Deutschen Fernsehlotterie GmbH fließen jedes Jahr über die gemeinnützige Stiftung Deutsches Hilfswerk in den guten Zweck. In sieben Jahrzehnten hat sich die Deutschen Fernsehlotterie von einer einzigartigen Idee zur traditionsreichsten Soziallotterie Deutschlands entwickelt. In diesem Zeitraum konnten über 11.500 soziale Vorhaben mit mehr als 2,2 Milliarden Euro gefördert werden. Allein im Jahr 2025 wurden über 70 Millionen Euro an mehr als 400 karitative Projekte in Deutschland ausgeschüttet. Auf das Bundesland Baden-Württemberg entfielen dabei 50 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von 9,5 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren konnten insgesamt 169 soziale Vorhaben mit knapp 28 Millionen Euro in Baden-Württemberg unterstützt werden.

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