Wie das Wetter den Nationalpark beeinflusst
Hinschauen und mitmachen

Das Tagfalter Kleiner Fuchs ist eine der Arten, auf die Besucher, die die Phänwatch-App benutzen, im August achten sollen.
  • Das Tagfalter Kleiner Fuchs ist eine der Arten, auf die Besucher, die die Phänwatch-App benutzen, im August achten sollen.
  • Foto: Walter Finkbeiner/Nationalpark Schwarzwald
  • hochgeladen von Christina Großheim

Seebach (st). Dass am Bodensee die Apfelbäume einen guten halben Monat früher blühen als in der norddeutschen Tiefebene, wundert wohl kaum jemanden. Schließlich ist das schwäbische Meer für zahlreiche Sonnenstunden und Norddeutschland eher für das sogenannte Schietwetter bekannt. Doch nicht nur die geographische Lage bestimmt die Zeiten, in denen Naturereignisse wie die Apfelblüte stattfinden. Auch jährlich wechselnde Wetterereignisse und der Klimatrend haben Einfluss auf das Wachstum der Natur. So die Theorie. Ein Projekt aus der Reihe der Citizen Science soll nun helfen, diesen Zusammenhang für den Nationalpark Schwarzwald und die Nationalparkregion zu belegen. Finanziell gefördert und unterstützt wird es von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Mit der Phänowatch-App, die man sich kostenlos aus den Appstores von Google und Apple herunterladen kann, können dabei alle Interessierten zu Forschern werden und Daten sammeln. Die gesammelten Informationen verschwinden dann auch nicht in den Computern der Wissenschaftler, sondern werden in der Ausstellung im neuen Nationalparkzentrum in einer Grafik ausgespielt. So kann man verfolgen, ob tatsächlich „das Klima verrücktspielt“ und ob es stimmt, dass „früher alles ganz anders“ war, wie gerne behauptet wird.

Meldung per App

„Der Begriff Phänowatch besteht aus den Komponenten Phänologie, also der Lehre von regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen in der Natur, und dem englischen Verb to watch, also beobachten“, erläutert Christoph Dreiser, im Nationalpark für Umweltmonitoring und Geodatenmanagement zuständig, die Bezeichnung der neuen App. „Wir versuchen damit, interessierte Mitmenschen in der Nationalparkregion zu motivieren, uns phänologische Beobachtungen über die App zu melden. Natürlich können sich auch Besucherinnen und Besucher an der Datensammlung beteiligen, die nur für einen oder einige Tage in der Nationalparkregion unterwegs sind. Jede gesammelte Beobachtung hilft uns!“ Zum Mitmachen ist keine Registrierung erforderlich. Es werden keine persönlichen Daten übertragen, lediglich die gemeldete Art, Datum, Zeit und Ort sowie optional ein Foto oder eine Audioaufzeichnung.

Um es den Helfern leichter zu machen, werden immer, wenn man die App öffnet, nur die gerade in dieser Zeit interessanten Naturereignisse angezeigt, auf die man dann bei einem Spaziergang achten kann. „Wir haben dazu eine Liste von leicht identifizierbaren Arten – von Wirbeltieren über Insekten, Pflanzen bis hin zu Pilzen – zusammengestellt. Bei jeder Art interessiert uns dann jeweils ein ganz spezielles Ereignis, also beispielsweise der Beginn der Blüte oder des Balzgesangs“, erklärt Dreiser. Worauf man genau achten soll, wird in der App mit Infos, mit Bildern und auch mit Hörbeispielen genauer erklärt.

Meldungen werden überprüft

Die Meldungen werden vom Team des Nationalparks und freiwilligen Helfern überprüft, um sicher zu gehen, dass es tatsächlich sein kann, dass in einer bestimmten Gegend ein bestimmtes Ereignis gesehen oder gehört worden sein könnte. Die geprüften Daten werden dann auf einen Monitor in der Ausstellung als Punkte auf Karte und Diagramm ausgespielt. Hier kann man die Beobachtungen von jeweils zwei Jahren nebeneinander vergleichen und – zusammen mit einer kurzen meteorologischen Charakterisierung der jeweiligen Jahreszeit – ein Gefühl für den Zusammenhang zwischen dem phänologischen Ereignis und den meteorologischen Bedingungen entwickeln.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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