Projekt startet in die zweite Runde
Nationalparks zählen Huftiere

Fotofallenbild eines Rothirschs im Nationalpark Schwarzwald  | Foto: Nationalpark Schwarzwald
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Seebach (st) Rothirsche, Rehe, Wildschweine, Wölfe, Luchse, Rotfüchse und viele weitere Tierarten haben Wissenschaftler beim ersten standardisierten Monitoring der Wildtierpopulationen in zehn deutschen Großschutzgebieten gezählt. Insgesamt kamen 643 Fotofallen – automatisierte Wildtierkameras – zum Einsatz, die von 2019 bis 2020 in den neun Nationalparks Schwarzwald, Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Eifel, Hainich, Harz, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-Edersee und Müritz sowie im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide aufgebaut waren. Für ihre Berechnungen werteten die Forscherteams mehr als 1,2 Millionen Bilder aus. Dafür nutzten sie auch Künstliche Intelligenz, um die große Menge an Daten analysieren zu können. „Am 1. Juni 2023 startete jetzt die zweite Projektrunde – so können wir die vorherigen Monitoringergebnisse mit den aktuellen Beständen vergleichen“, erklärt Friedrich Burghardt, Leiter des Wildtiermanagements im Nationalpark Schwarzwald.

Das Fotofallenmonitoring ist Teil eines kürzlich abgeschlossenen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz. Dabei sollte ein Monitoring für die Huftierpopulationen und deren Einfluss auf die Umwelt entwickelt werden. Mit Hilfe des Monitorings soll es in Zukunft möglich sein, schutzgebietsübergreifend Zusammenhänge zwischen den Populationsgrößen und der Wirkung der Huftiere auf ihr Ökosystem zu erkennen. „Das Monitoring der Wildtierpopulationen ist eine wichtige Aufgabe in den Großschutzgebieten, da es Daten zur Entwicklung der Ökosysteme liefert und damit auch eine Bewertungsgrundlage für das Wildtiermanagement liefert“, sagt Burghardt.

Einzigartiges Projekt in Europa

In der zweiten Projektphase sollen auch die Auswirkungen der sich ausbreitenden Wolfpopulationen auf die Huftierpopulationen untersucht werden. „Bundesweit sind wieder 782 Fotofallen in elf Nationalparks im Einsatz“, berichtet Raffael Kratzer, der im Nationalpark Schwarzwald in der Wildtierforschung arbeitet und das Monitoringprojekt koordiniert. In der zweiten Runde sind außerdem drei weitere Großschutzgebietein Deutschland, der Schweiz und Rumänien hinzugekommen, so dass insgesamt 1.159 Fotofallen zum Einsatz kommen.

In diesem Umfang ist das Projekt zumindest in Europa bislang einzigartig und stellt die Forscherteams vor einige Herausforderungen. So werden im kommenden Jahr mehrere Millionen Bilder erwartet, die alle ausgewertet werden müssen. Um den Überblick zu behalten, hat die Universität Freiburg eine Datenbank eingerichtet, auf der die Bilder hochgeladen werden können, um anschließend mittels künstlicher Intelligenz ausgewertet zu werden. Bilder von selteneren Arten wie beispielsweise Auerhuhn und Wildkatze müssen noch in Handarbeit ausgewertet werden, helfen aber, das Programm zu trainieren. „Wir sind gespannt, welche Ergebnisse gerade diese Vergleichszahlen uns liefern werden“, sagt Raffael Kratzer.

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