Sicherheitskonferenz in Kehl
"Am Bahnhof halte ich mich im Dunkeln nicht mehr auf"

Viele Stecknadeln für ein ungutes Sicherheitsgefühl rund um den Bahnhof (markierter Bereich oben links) und die Diskotheken
  • Viele Stecknadeln für ein ungutes Sicherheitsgefühl rund um den Bahnhof (markierter Bereich oben links) und die Diskotheken
  • Foto: kec
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (kec). 250 Kehler Bürger nahmen am Montagabend bei der ersten Sicherheitskonferenz mit Podiumsrunde und anschließendem Informationsaustausch in der Kehler Stadthalle teil.

Doch während Polizeipräsident Reinhard Renter von einer „sehr sicheren Ortenau“ und der Leiter der Bundespolizei-Inspektion, Tobias Lehmann, vom Kehler Bahnhof „als ruhiges Pflaster mit 2019 nur neun Eigentumsdelikten und fünf Gewaltfeststellungen“ sprachen, spiegelte das Publikum ein anderes subjektives Sicherheitsgefühl wider. An einem Stadtplan konnten Besucher anhand von Stecknadeln markieren, wo sie sich besonders unwohl fühlen.

„Am Bahnhof und rund um die Diskotheken halte ich mich, wenn es dunkel ist, nicht mehr auf“, erklärte Giselind Kraus, die eigentlich gern mitten in der Innenstadt von Kehl lebe. Und so wie ihr geht es vielen Kehlern, denn der Plan war rund um den Bahnhof gespickt mit Pinnadeln. Andere waren enttäuscht über den Verlauf der Konferenz; sie hatten sich mehr Dialog und eine kontroversere Diskussion gewünscht, doch für die blieb aufgrund der zeitlich überzogenen Podiumsrunde nur wenig Zeit.

Vorfälle in Schwimmbädern

„Die Vorfälle im Schwimmbad im vergangenen Sommer waren wirklich schlimm, da haben 30 Jungs einer Straßburger Gang Terror gemacht und allen anderen Gästen die Freizeit verdorben“, erinnerte sich Auenheims Ortsvorsteherin Sanja Tömmes und hofft, „auf die Einführung der französischen Schwimmbadregeln und eine geregelte Einlassbegrenzung für die Zukunft.“

Zunächst stellten Experten aus Verwaltung und Polizei ihre Kompetenzen vor und boten Zahlen zur Sicherheitslage Kehls. „Die Kriminalitätsentwicklung in der Ortenau zeigt allgemein einen Rückgang der Diebstahls-, Wohnungseinbruchs- und Straßenkriminalität, doch die Sexual- und Aggressionsdelikte in öffentlichen Raum nehmen zu“, erklärte Renter, „dabei zeigen sich in Kehl und Offenburg Problemfelder, die man so im Kinzigtal nicht findet.“ So steche Kehl mit über 5.500 Straftaten und rund 120 Gewaltdelikten deutlich heraus. Dies sei, so der Kehler Revierleiter Ingolf Grunwald, der Lage mit vier Grenzübergängen, dem Rheinhafen und der räumlichen Nähe zu Straßburg geschuldet. „Wir versuchen an den Brennpunkten präsent zu sein“, erklärte Grunwald zu den Konzeptionen.

Auch die Citystreifen der Kehler Polizeibehörde unterstützen die Polizei bei der Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. „Bei Straftaten können wir nun mal nicht helfen“, betonte Nico Tim Glöckner, Leiter des Bereichs Bürgerservice, Sicherheit und Öffentliche Ordnung bei der Stadt. Zusätzlich werden viele Präventionsprojekte vom Beratungsteam Kommunale Kriminalprävention, das beim Deutschen Roten Kreuz angesiedelt ist, auf den Weg gebracht.

Grunwald ist stolz auf die hohe Aufklärungsquote von über 72 Prozent. „Der Rhein ist keine Grenze für die Strafverfolgung“, betonte auch Herwig Schäfer, Leiter der Offenburger Staatsanwaltschaft. Robert Herrmann, Präsident der Eurométropole de Straßbourg, lobte genau wie Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Als typische Grenzprobleme sah er die Drogen- und Alkoholdelikte und die unterschiedlichen Gesetzgebungen beim Glücksspiel und Prostitution.

Die Bürger konnten sich an Ständen im Foyer über Einbruchs- und Fahrradsicherheit sowie Präventionsprojekte und den Verein Courage informieren. Bei den Themeninseln konnten ihre Anregungen und Vorschläge einbringen. Diese werden dokumentiert und bis Frühjahr will Vetrano daraus Handlungsempfehlungen erarbeiten lassen.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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