Managementpläne für den Wald sind gelebter Naturschutz
Eichen statt Bannwald

Den Nachwuchs im Wald pflegen.

Kehl (st). Bestehende Eichen schützen, die Naturverjüngung der Eichen im Wald unterstützen und die Managementpläne des Landes auf dem überwiegenden Teil der Kehler Waldflächen umsetzen – damit ist die Stadt aus Sicht von Oberbürgermeister Toni Vetrano „auf dem richtigen Weg“. Wo große und alte Bäume stehen bleiben könnten, werde viel CO2 gespeichert und der Wald könne seiner wichtigen Funktion im Kampf gegen den Klimawandel gerecht werden, meint er und plädiert dafür, dass die Stadt notfalls lieber Geld für die Pflege des Waldes zuschießen, „als wertvolle Eichen opfern“ solle. Im November wird sich der Gemeinderat mit dem sogenannten Forsteinrichtungswerk und damit den Planungen für die Kehler Waldgebiete in den nächsten zehn Jahren beschäftigen.

Weil in den vergangenen Jahren zahlreiche kranke Eschen gefällt werden mussten, waren die Erlöse der Stadt aus dem Holzverkauf so hoch, dass Naturschutz, die Nachpflanzungen von Bäumen und die Pflege der Waldwege damit in etwa finanziert werden konnten. Doch ist das Eschenholz erst verkauft, wird sich diese komfortable Situation ändern. „Wir müssen definieren, was uns ein gesunder Wald wert ist“, stellt Toni Vetrano klar und mahnt, „nicht in Hysterie zu verfallen“. Der Klimaschutz „ist ein uns ständig begleitendes Thema in allen Bereichen und müsse in allen Vorlagen mit bedacht werden“, erklärt er und so will er es auch in Sachen Wald halten.

Dass die in den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen erfolgreich seien, zeigte sich den Mitgliedern des Gemeinderats bereits bei der Waldbegehung im Mai: Vor allem im Korker Wald, der mehr als die Hälfte des Kehler Stadtwalds ausmacht, wachsen über die Naturverjüngung sogar Eichen nach. Der Bereich hat sich aus Sicht von Förster Markus Gutmann optimal entwickelt: genetische Vielfalt, Artenreichtum, starke und ganz junge Eichen. „Es ist mit der schönste Waldteil in Kehl, der auch viele Waldbesucher positiv anspricht.“ Interessenkonflikte zwischen Naturschutz, Erholungssuchenden und Waldnutzern entstehen hier so gut wie keine. Auch für das Rehwild bietet sich ein optimales Biotop aus dichtem Gehölz als Unterschlupf und lichteren Partien als Äsungsmöglichkeit.

Weil es nicht mehr viele wertvolle Eichenwälder gibt, weil Eichen mit dem Trockenstress in Hitzesommern besser klarkommen als Buchen und weil vor allem alte Eichen Hunderten von Vogel-, Schmetterlings-, Käfer- und Insektenarten sowie Kleintieren wie Baummarder, Waldkauz oder Fledermaus Unterschlupf und Lebensraum bieten, plädiert Markus Gutmann dafür, den Eichenanteil in einem klimaangepassten Wald zu erhöhen. Doch Eichenwälder brauchen Pflege: Das bedeutet regelmäßige Durchforstungseingriffe, die Halblichtsituationen schaffen, damit die Sämlinge aufgehen und wachsen können. Für die Pflege benötige Markus Gutmann Arbeitskräfte, sagt Guido Karsten, als Leiter des Bereichs Liegenschaften bei der Stadt für den Wald zuständig. Und der Einsatz von Arbeitskräften kostet Geld.

Waldbereiche mit Eichen und an Altrheingewässern stattdessen nicht zu pflegen und als Bannwald auszuweisen, ist für Markus Gutmann keine Alternative: „Der Bannwald führt zu dunklen Wäldern, so dass lichtliebende Arten – wie die Eiche – keine Chance haben.“ Während alte Eichen CO2-Speicher seien, werde im Bannwald durch die Verrottung von Holz sogar CO2 freigesetzt, argumentiert er. Würden Eichen nicht immer wieder freigepflegt, würden sie von Rot- und Hainbuchen verdrängt, weiß der Förster.

Auch die Gewässerrandstreifen im Rheinauenwald brauchen Pflege, wenn sie ökologisch wertvoll bleiben sollen, macht Markus Gutmann deutlich: Alle zehn bis 15 Jahre müssten Weiden und Sträucher auf den Stock gesetzt werden, weil es dort sonst zu dunkel werde. „Ein Drittel der Fläche muss lichtdurchflutet sein“, erklärt der Förster, zu viel Laubeintrag ins Gewässer gelte es zu vermeiden: „Das führt sonst zur Verlandung.“ Welche guten Ergebnisse durch solche Pflegemaßnahmen erzielt werden könnten, zeige sich im Roßwörth in Leutesheim. Gehölzstreifen auf den Stock zu setzen, koste jedoch „richtig Geld“, sind sich Markus Gutmann und Guido Karsten einig. „Wenn wir das künftig mit den Holzerlösen finanzieren wollen, müssen wir ans wertvolle Holz gehen und Eichen aus dem Wald entnehmen.“

Für Naturschutzleistungen im Wald bekommt die Stadt nämlich bislang keine Ökopunkte, bedauern Markus Gutmann und Guido Karsten: „Für die aktive Eichenpflege gibt es nichts.“ Doch auch die Stilllegung einer Fläche als Bannwald werde vom Land nicht in monetärer Form belohnt.

Förster und Bereichsleiter Liegenschaften setzen sich daher dafür ein, im Forsteinrichtungswerk die vom Land erarbeiteten Managementpläne konsequent umzusetzen: Eine Abwägung aller Ziele – von den ökologischen Zielen über die Schutz- und Naherholungsfunktion des Waldes, die naturnahe Waldpflege bis hin zur Erzeugung des Naturproduktes Holz – „ist ein ständiger Balanceakt, mit weitreichenden und langfristigen Folgen“, sagt Markus Gutmann und Guido Karsten ergänzt: Eine Abwägung in der Qualität, wie sie das Land vorgenommen habe, „können wir bei der Stadt nicht leisten“. OB Vetrano kann dem nur zustimmen: „Wir sind auf einem guten Weg, diesen sollten wir weitergehen.“

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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