Evangelische Kirche im Hanauerland
Kräfte bündeln durch Gemeindefusion

Simone Kleinhans, Leitung Evangelisches Verwaltungs- und Serviceamt Ortenau (v. l.), Oliver Wehrstein, Dekan Evangelischer Kirchenbezirk Ortenau, Jürgen Hammel, Vorsitz beschließender Ausschuss, Andreas Eisenmann, Pfarrer in Legelshurst und Dekanstellvertreter, Christian Meyer, ab September Pfarrer im Hanauerland mit Schwerpunkt Geschäftsführung | Foto: Evangelische Kirche im Hanauerland
  • Simone Kleinhans, Leitung Evangelisches Verwaltungs- und Serviceamt Ortenau (v. l.), Oliver Wehrstein, Dekan Evangelischer Kirchenbezirk Ortenau, Jürgen Hammel, Vorsitz beschließender Ausschuss, Andreas Eisenmann, Pfarrer in Legelshurst und Dekanstellvertreter, Christian Meyer, ab September Pfarrer im Hanauerland mit Schwerpunkt Geschäftsführung
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Kehl (st) Gemeinsam besser für die Menschen da sein – die elf Evangelischen Kirchengemeinden im Hanauerland bündeln ab 1. Januar 2027 ihre Kräfte. Ein Team mit sieben Pfarrstellen und weiteren Mitarbeitenden kümmert sich dann um mehr als 10.000 evangelische Christen.

Ab Januar 2027 gibt es im Hanauerland eine große Evangelische Kirchengemeinde. Ende Juli haben die verantwortlichen Gremien aller elf Gemeinden - also Auenheim, Bodersweier, Eckartsweier, Goldscheuer-Hohnhurst, Hesselhurst, Kork, Legelshurst, Leutesheim, Neumühl, Sand und Willstätt - einzeln beschlossen, zu fusionieren. 

Alle Pfarrer im Hanauerland - Jörg Allgeier, Tobias Eckerter, Andreas Eisenmann, Britta Gerstenlauer und Sybille Krause - kümmern sich wie bisher vor Ort verantwortlich um ihre Gemeinden. Ab September unterstützt Pfarrer Christian Meyer das Team bei geschäftsführenden Aufgaben im Rahmen der Fusion. Außerdem betreut er Willstätt und Hesselhurst. Nach dem Weggang von Patrick Keipert wird die siebte Pfarrstelle, mit Zuordnung zu Goldscheuer-Hohnhurst, bald noch einmal ausgeschrieben. 

Kräfte bündeln

Auch die Kirche im Hanauerland bleibt von den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschont. Aufgrund des Mitgliederschwundes durch demografischen Wandel, Kirchenaustritte und weniger Taufen hat die Evangelische Landeskirche in Baden den Strukturprozess „ekiba 2032“ beschlossen. Dazu gehören auch Kürzungen im Stellenplan im Hanauerland und in der Stadt Kehl. Im Hanauerland gibt es aktuell sieben Pfarrstellen, in Kehl-Stadt zwei Pfarrstellen und eineinhalb Diakonstellen. Ab 2032 soll es im Hanauerland noch fünf Pfarrstellen geben, in Kehl-Stadt nur noch zwei Pfarrstellen. „Durch die Fusion können wir angesichts der Kürzungen unsere Kräfte bündeln und gemeinsam mehr erreichen. Wir haben jetzt Zeit, uns gut für die Zukunft mit weniger Pfarrstellen zu organisieren “, erklären Dekan Oliver Wehrstein und Jürgen Hammel aus Auenheim, Vorsitzender des beschließenden Ausschusses, der in den vergangenen zwei Jahren mit Engagierten aller Kirchengemeinden die Fusion durchdacht und vorbereitet hat.

„Der Kirchengemeinde Kehl-Stadt kam die Fusion noch zu früh. Es ist aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen, dass sich Kehl-Stadt bei den nächsten Wahlen der neu gegründeten Kirchengemeinde im Hanauerland anschließt“, ergänzt Wehrstein. Mit Blick auf die 2030er-Jahre erschien es den Verantwortlichen der elf Kirchengemeinden im Hanauerland sinnvoll, Ressourcen zu bündeln, dass sich nicht jede Pfarrperson alleine um alle Belange von selbständigen kleinen Kirchengemeinden kümmern muss. „Wir wollen langfristig lieber im Team zusammen arbeiten. Dabei soll es Verantwortlichkeiten für die einzelnen Orte geben, aber jede Pfarrperson soll auch mit persönlichen Schwerpunkten Projekte und Angebote für alle im Hanauerland machen. Uns ist bewusst, dass dies den Abschied von der einen Pfarrperson bedeutet, die vollumfänglich für eine Gemeinde vor Ort da sein kann. Aber wir sind optimistisch, dass die Vorteile überwiegen und wir so besser für die Menschen vor Ort da sind“, ergänzt Pfarrer und Dekanstellvertreter Andreas Eisenmann aus Legelshurst.

Weniger Verwaltungsaufgabe

Die Fusion bringt noch weitere Vorteile. Ehrenamtliche wie Hauptamtliche beklagten an vielen Orten den hohen Aufwand für Verwaltungs- und Geschäftsführungsaufgaben. Statt vor Ort geistlich zu stärken und zu leiten, galt es oft, die Gemeinde administrativ zu verwalten. „Mit der Fusion gibt es einen gemeinsamen Haushalt, Verwaltungsthemen können gebündelt werden“, erklärt Simone Kleinhans, Geschäftsführerin des Verwaltungs- und Serviceamtes der Evangelischen Kirche Ortenau. „Durch die Fusion sollen Ehrenamtliche und Hauptamtliche vor Ort weniger Zeit für Verwaltungsfragen investieren müssen und mehr Zeit für die Menschen haben“, ergänzt Pfarrer Christian Meyer. Er wird ab September das Team der Pfarrer mit dem Schwerpunkt Geschäftsführung unterstützen und die Fusion in diesen Bereichen begleiten.

Aufgrund der Fusion wählt jede Ortsgemeinde bei den Neuwahlen der Kirchengemeinderäte am 1. Advent 2025 nur noch zwei oder drei Mitglieder. Diese bilden ab 2027, nach der Fusion, dann einen großen Kirchengemeinderat für das ganze Hanauerland.

Ortsteams

In jedem kirchlichen Ort soll es außerdem ein Ortsteam geben, dessen Mitglieder nicht auf sechs Jahre berufen werden, sondern, je nach Situation, zunächst begrenzt auf zwei bis drei Jahre. Im Ortsteam dürfen alle mitwirken, unabhängig von ihrer Konfession. Interessierte können sich außerdem in Thementeams engagieren. Zum Beispiel für die Familienarbeit „FamilyLight“. Die Orts- und Thementeams bekommen Budgets und Entscheidungsrechte.

Nicht jede Kirchengemeinde kann allen Generationen mehrere Angebote machen. Manches kann gemeinsam viel besser realisiert werden. So kooperieren Eckartsweier, Goldscheuer, Hesselhurst, Kehl, Legelshurst und Willstätt bereits beim Konfirmanden- Unterricht. Stärken, die es vor Ort gibt, sollen für alle angeboten und profiliert werden. „So können die Hauptamtlichen ihren Stärken entsprechend arbeiten, statt alle Aufgaben unabhängig der persönlichen Eignung vor Ort tun zu müssen“, erläutert Wehrstein. Die Pfarrer werden sich untereinander abstimmen, welche Schwerpunkte sie einbringen möchten, um im Team vor Ort und übergreifend am besten für die Menschen da zu sein.

Kirchengemeinderäte aller elf Gemeinden haben sich ihre Haushalte, Daten und Fakten bei einer Offenlegung am 17. Juli 2025 in Gemeindehaus Kork vorgestellt. „Alle Gemeinden stehen finanziell gut da. Für Gelder aus dem Verkauf von Gebäuden oder Spenden können Zweckbindungen vereinbart werden“, erklärte Simone Kleinhans.

Der Abschied von der Selbständigkeit und die Veränderungen des Pfarrberufes sind auch mit Traurigkeit verbunden. Aber die neue Struktur mit Fusion und Orts- und Thementeams ist ein verlässlicher Boden für die Zukunft der Kirche. „Die elf Kirchengemeinderäte haben ihre Entscheidung im Ringen um die Zukunft unserer Kirche getroffen. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar. Wir sind uns alle einig, dass unsere Evangelische Kirche mit Gottes Hilfe durch ihre christliche Botschaft, die Vermittlung christlicher Werte, gelebte Nächstenliebe sowie seelsorgerliches und diakonisches Handeln im Hanauerland weiterhin hohe Relevanz haben wird“, sprachen Wehrstein und Hammel den vielen anwesenden Engagierten aus der Seele.

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