Feuerwehr übt am Kehler Altrhein
Person aus gefrorenem Gewässer retten
- Die Kehler Feuerwehr übt die Rettung einer ins Eis eingebrochenen Person.
- Foto: Stadt Kehl
- hochgeladen von Christina Großheim
Kehl (st) Als Feuerwehrmann Jan Klotz das Eis im Kehler Altrhein aufsägt, zeigt sich schnell: Die Eisdecke ist etwa 20 Meter vom Ufer entfernt gerade mal zehn Zentimeter dick – und damit längst nicht stark genug, um Menschen zuverlässig zu tragen. Weil sich, wie die Abdrücke von großen und kleinen Schuhen auf der leicht schneebedeckten Eisfläche zeigen, aber dennoch Leichtsinnige aufs Eis begeben, ist der von Feuerwehrkommandant Viktor Liehr laut Pressemitteilung der Stadt Kehl am Mittwoch, 7. Januar, spontan angesetzte Termin umso wichtiger: Die Einsatzkräfte üben verschiedene Methoden der Eisrettung.
Das Entscheidende ist, erklärt der Leiter der Feuerwehrtaucher Hendrik Wandres, „dass ihr euch breit macht“. Feuerwehrleute, die einen Menschen aus einem Eisloch retten müssen, sollen sich also flach aufs Eis legen und sich an den Hilfesuchenden heranrobben – und keines Falls einfach aufrecht über die Eisfläche stiefeln. Den professionellen Rettern stehen dabei unterschiedliche Hilfsmittel zu Verfügung: Wie schwierig es jedoch ist, dem ins Eis Eingebrochenen eine in einem Beutel steckende Rettungsleine zuzuwerfen, zeigt sich gleich bei den ersten Versuchen. Landet das offene Täschchen auch nur einen Meter von der Person im Eisloch entfernt, hat sie keine Möglichkeit, die Leine zu greifen und sich ans sichere Ufer ziehen zu lassen.
Vierfüßlerstand
Auch mit zwei Steckleitern begibt sich Jan Klotz auf den zugefrorenen Altrhein: Während er sich auf der einen auf dem Eis liegenden Leiter im Vierfüßlerstand nach vorne bewegt, zieht er die zweite mit, schiebt sie vor, steigt um und holt die erste Leiter nach. Am Eisloch angekommen, schiebt er seinem Feuerwehrkameraden Philipp Maier, der im Trockentauchanzug im Altrhein hängt, die Leiter schräg hinunter ins Loch. Ziel ist es, dass sich der zu Rettende festhält und sich vorsichtig über die Abbruchkante des Eises kippen und auf der Leiter an Land ziehen lässt. Komfortabler wird die Aktion für den Verunglückten, wenn ein Spineboard zum Einsatz kommt, ein Plastik-Board mit seitlichen Griffmulden, auf dem sich der Feuerwehrkollege zum Eisloch bewegt hat und das mit dem flachliegenden Verunglückten übers Eis gleitet. Als dritte Variante probiert Jan Klotz eine Schleifkorbtrage aus Metall aus.
In allen vier Fällen ist es entscheidend, dass der aus dem Eisloch Befreite flach liegend transportiert wird, erklärt Hendrik Wandres: Bei extremer Kälte konzentriert sich der Körper darauf, die Körpermitte mit den Organen warm zu halten, die Extremitäten kühlen stark aus. Bewegt sich der Unterkühlte, wenn er aus dem Wasser gezogen wird – oder wird zu sehr bewegt –, dann gelangt das kalte Blut aus Beinen und Armen in den Zentralkreislauf und zum Herz, das, damit überfordert, aufgibt. Am Abend wird die Übung in der Dunkelheit noch einmal wiederholt.
Tod im Altrhein
Nach dem Kinderumzug am Samstag, 29. Januar 2005, wagt sich der kleine Maik in seiner Piratenverkleidung auf den zugefrorenen Altrhein und bricht ein. Kemal Yildiz, der das Unglück mitbekommt, begibt sich in Hemd und Unterhose ins eiskalte Wasser und taucht nach dem Jungen. Nur wenige Minuten später sind die Feuerwehrmänner Karlheinz Fimeyer und Michael Marx in Überlebensanzügen für die Eisrettung im Wasser und voller Zuversicht, den Achtjährigen schnell zu finden. Seine Fußspuren im Schnee weisen ihnen den Weg zur Stelle, wo Maik eingebrochen ist.
Doch jede noch so kleine Bewegung wirbelt so viel Schlamm auf, dass sie nichts sehen können. Außer Schlick, Morast und Schlingpflanzen bekommen sie nichts zu fassen. Den Tauchern der DLRG und der Straßburger Feuerwehr, die kurz danach eintreffen, geht es genauso. Die Eltern des Achtjährigen werden am Ufer von Feuerwehrseelsorger Uli Henze betreut. Um 22 Uhr muss der damalige Feuerwehrkommandant Gerhard Stech Einsatz abbrechen, um die Rettungskräfte zu schützen. Maik ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Erst am Sonntagmorgen gelingt es, den Achtjährigen zu bergen.
Bis heute gehört dieser Einsatz zu den schwersten, den die Rettungskräfte – auch für sich persönlich – bewältigen mussten, so die Stadt Kehl. Niemand kehrt an diesem Abend unverändert vom Altrhein zurück.



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