Wie der NABU die Storchenpopulation im Hanauerland wachsen ließ
Mercier: "Von null auf 100 in nicht einmal 35 Jahren"

Der Kamin der ehemaligen Bäckerei Lasch wurde in Willstätt erhalten und wird gerne von Störchen besiedelt.
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  • Der Kamin der ehemaligen Bäckerei Lasch wurde in Willstätt erhalten und wird gerne von Störchen besiedelt.
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Willstätt (gro). Sie nisten auf Kirchtürmen, Hausdächern und auch so mancher Baukran wurde schon belegt: Die Storchenpopulation in der Ortenau ist seit den 80er-Jahren langsam, aber stetig gewachsen. Gérard Mercier, Vorsitzender des Naturschutzbundes Kehl (NABU), erinnert sich an die Anfänge: "In den 80er-Jahren gab es so gut wie keine Störche mehr im Hanauerland. 1981 zählten wir ein Paar in Willstätt."

Dann entschieden das Land Baden-Württemberg und der NABU, mit der Wiederansiedlung der Tiere zu beginnen. "Wir haben damals sieben Stationen nur um Kehl herum aufgebaut", so Mercier. Es gab zwei Paare, eines, das frei fliegen, ein anderes, das sich nicht frei bewegen konnte und als Lockvogel diente. Am Anfang wurden die Tiere in Volieren gehalten, da sie aus einem Zuchtprogramm stammten und deshalb ihren Zugtrieb verloren hatten. "Aus den sieben Paaren in den Anfangsjahren sind heute allein im Bereich Hanauerland 68 Paare geworden", freut sich Mercier über die Nachhaltigkeit des Projektes: "Von null auf 100 in nicht ganz 35 Jahren."
Eines der besten Storchenjahre liegt noch nicht weit zurück: "Wir hatten 2015 123 Jungvögel und 66 Paare. Nur 2012 hatten wir mit 130 Tieren ein noch besseres Jahr." Dafür verlief das vergangene Jahr ungünstig: "Schuld war die kühle und nasse Witterung im Mai und Juni", erläutert Mercier. "Obwohl wir 68 Paare hatten, überlebten nur 92 Jungtiere. In der ganzen Ortenau gab es im vergangenen Jahr 2.066 Jungtiere von 140 Horsten." Die Jungtiere sind auf die Wärme ihrer Eltern angewiesen. Sind diese zu lange vom Nest weg – zum Beispiel wenn sie auf Nahrungssuche sind –, dann können die kleinen Störche erfrieren. Zumal nicht alle Jungtiere zur gleichen Zeit schlüpfen: "Die Eltern beginnen bei dem zweiten Ei mit dem Brüten, dann liegen Tage zwischen dem eigentlichen Schlüpfdatum. Das können bis zu zwei Wochen sein", so Gérard Mercier. Bis zu fünf Eier werden pro Jahr gelegt, es überleben aber meist nur zwei bis drei Tiere: "Es hängt vom Futterangebot ab. Die Störche regeln das allein."

Die ersten der neu angesiedelten Störche flogen schon frei und folgten damit auch ihrem natürlichen Zugtrieb. "Die Zahl der zurückgekommenen Jungtiere war viel zu gering, die Gefahren auf der Reise nach Afrika zu hoch", erinnert sich Mercier. Auf die Tiere wird nicht nur Jagd gemacht, auch Stromleitungen kosten viele das Leben: "Nicht einmal 15 Prozent der Jungtiere kamen zurück."

Doch über die Jahre stieg die Population kontinuierlich. In diesem Jahr gibt es 17 Paare in Kehl, 18 Paare in Willstätt, elf Paare in Rheinau. Zu dem Einzugsgebiet gehören auch die Störche, die in Achern-Wagshurst siedeln. "In Kehl haben wir einen Horst in der Kernstadt, vier in Sundheim, drei in Kork, weitere Paare in Odelshofen, Querbach, Zierolshofen, Neumühl, Leutesheim, Goldscheuer. In allen Willstätter Ortsteilen leben Störche, sieben Paare allein in Legelshurst. In Rheinau haben sich die Tiere in Diersheim, Freistett, Hausgereut, Holzhausen, Linx, Memprechtshofen, Rheinbischofsheim und Honau niedergelassen", so Mercier.

Damit die Tiere Jahr für Jahr die Horste wieder besetzen, ist eine Menge Arbeit der Freiwilligen nötig: Im Winter müssen die von Menschen geschaffenen und von den Störchen ausgebauten Nistmöglichkeiten gereinigt werden. Im Sommer, wenn sie alt genug sind, werden die Jungtiere beringt. In der Regel mietet Mercier dann einen Hubsteiger, um zu den Tieren nach oben zu gelangen. "Es gibt nur wenige Horste, an die wir nicht kommen", sagt er. "Da werden wir dann von der Stadt unterstützt." Das Nahrungsangebot sei für die Tiere gut: "Es gibt noch sehr viele Wiesen. Was viele Menschen nicht wissen, Störche fressen nicht nur Frösche, sondern auch Mäuse, Regenwürmer, Insekten, Muscheln, Käfer, aber auch Heuschrecken." Deshalb sind die Standorte, in deren Nähe viele Wiese liegen, die besseren: "Wir haben festgestellt, dass in den Horsten, die in Orten, die auf -hurst enden, liegen, besonders viele Störche leben."

Der Kamin der ehemaligen Bäckerei Lasch wurde in Willstätt erhalten und wird gerne von Störchen besiedelt.
Jungstörche im Nest kurz vor dem Beringen im Juni
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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