Tigermücken-Hotspot
OB Britz bittet um Landeszuschüsse für die Bekämpfung

Im vergangenen Jahr wurden bereits Fallen in Kehler Gärten aufgestellt. | Foto: Stadt Kehl
  • Im vergangenen Jahr wurden bereits Fallen in Kehler Gärten aufgestellt.
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  • hochgeladen von Daniela Santo

Kehl (st) Kehl ist ein Hotspot. Leider nicht nur für die harmlose Mauereidechse, sondern auch, was die aggressive und tagaktive Tigermücke angeht. Auf über 292 Hektar Stadtgebiet hat sich das lästige Insekt bereits ausgebreitet, das – im schlimmsten Fall – gefährliche Infektionskrankheiten übertragen kann. Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft für die Schnakenbekämpfung (KABS), die im Auftrag der Stadt bereits in vielen Jahren gegen die übermäßige Ausbreitung der Rheinschnake vorgegangen ist, bietet an, auch die Tigermücke zu bekämpfen. Weil dies allerdings bis zu 200.000 Euro jährlich kostet, hat Oberbürgermeister Wolfram Britz Landesgesundheitsminister Manfred Lucha um finanzielle Unterstützung gebeten.

Erstmals 2021 nachgewiesen

Die ersten Gelege der asiatischen Tigermücke sind in Kehl im Oktober 2021 nachgewiesen worden. Daraufhin hat die Stadt ein Monitoring durch die KABS veranlasst. Das Ergebnis: Die Tigermücke reproduziert sich in der Rheinstadt. Von etwa 100 Mitgliedskommunen der KABS weist Kehl die mit Abstand größte Tigermückenpopulation auf. Auch auf der französischen Rheinseite breitet sich das invasive Insekt rasant und massiv aus: 2014 war in Schiltigheim das erste Tigermückenvorkommen entdeckt worden, im vergangenen Sommer war die Stechmücke in 17 von 33 Mitgliedskommunen der Eurométropole de Strasbourg präsent und ist es mittlerweile in 22.

Das Insekt ist nicht nur besonders lästig, weil es auch tagsüber über jeden herfällt, der etwas blanke Haut zeigt, es kann auch gefährlich werden, weil es Infektionskrankheiten wie das Dengue-, das Zika- oder das Chikungunya-Fieber übertragen kann. Die Betonung liegt auf kann. Denn die Tigermücke muss zuvor einen Menschen gestochen haben, der einen der Krankheitserreger in sich trägt. Und dieser muss sich in der Mücke vermehrt haben.

Lange Jahre war es so, dass es in unseren Breiten nur in sehr seltenen Fällen zu solchen Infektion kam: Nämlich nur dann, wenn eine Tigermücke zuvor einen infizierten Urlaubsrückkehrer aus tropischen Ländern gestochen hatte, bevor sie über einen Einheimischen herfiel. Das hat sich im vergangenen Jahr jedoch geändert: In Straßburg sind erste Fälle von Infektionen aufgetreten, in denen Einwohner erkrankten, die ihren Urlaub nicht außer Landes verbracht hatten.

Bekämpfung muss noch im April beginnen

Um die Einwohner der Rheinstadt zu schützen, aber auch um die Ausbreitung der Stechmücke über die Rheinstadt hinaus möglichst einzudämmen, möchte die Stadt die KABS mit der Bekämpfung beauftragen. Doch die Maßnahmen haben einen hohen Preis: Bis zu 200.000 Euro pro Jahr müssten dafür aufgewendet werden. Weil Kehl unter einer besonderen Belastung durch die extrem hohe Tigermückenpopulation leidet und mit einer Bekämpfung auch Gemeinden im Umland schützen würde, hat Oberbürgermeister Wolfram Britz den Minister für Soziales, Gesundheit und Integration, Manfred Lucha, angeschrieben und um finanzielle Unterstützung gebeten.

Vermutlich wird noch keine Antwort aus Stuttgart vorliegen, wenn der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, 19. April, entscheiden muss, ob der Auftrag an die KABS erteilt wird. Denn die Zeit drängt: Die Bekämpfungsaktion muss noch im April beginnen.

Weil die Stechmücke ihre Eier schon auf kleinsten stehenden Wasserflächen ablegt, können alle Kehler dazu beitragen, mögliche Brutstätten für die Tigermücke zu reduzieren, indem sie:

  • Regentonnen mit dichtmaschigen Netzen abdecken;
  • Wasser aus Untersetzern von Pflanzen – auch auf Fensterbänken und dem Balkon – immer gleich ausschütten;
  • keine Ansammlungen von Wasser in Eimern oder anderen Gefäßen zulassen;
  • Wasser in Vogeltränken regelmäßig austauschen.

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