Helmut Schneiders Leidenschaft ist die Heimatgeschichte

Helmut Schneider vor einer Wand mit eigenen Bildern – sie zeigen sein liebstes Motiv: Straßburg und das nahe Elsass.
  • Helmut Schneider vor einer Wand mit eigenen Bildern – sie zeigen sein liebstes Motiv: Straßburg und das nahe Elsass.
  • Foto: Foto: Michael Bode
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Kehl-Kork. „Ich habe immer Menschen gehabt, die mich gefördert haben“, sagt Helmut Schneider
aus Kehl-Kork. Dem 86-Jährigen wurde dieser Tage das
Bundesverdienstkreuz für sein Engagement, die Geschichte, vor allem die
des Hanauerlandes, lebendig zu erhalten und erlebbar zu machen,
verliehen. 

Jeder in Kehl weiß: Helmut Schneider hat von 1982 bis 1991 das Hanauer Museum ehrenamtlich geleitet. Er ist derjenige, der
die wunderschönen Wirts-hausschilder, welche die Korker Gaststätten
schmücken, entworfen und zum Teil auch selbst angefertigt hat. Ohne ihn
und seine Mitstreiter gebe es kein Handwerksmuseum in Kork, dessen
Leiter er über viele Jahre war. Viele Kehler kennen ihn als kompetenten
Straßburg-Führer, von historischen Vorträgen und Mundartabenden. Es ist
die Art, wie Helmut Schneider sein Wissen weitergibt, die die Menschen
so fasziniert. Helmut Schneider spricht nicht über Geschichte, er
erzählt Geschichten, lebendig und faszinierend. 

In Kork, wo er heute noch lebt, ist er aufgewachsen. Schon in der Grundschule wurde
seine Leidenschaft für Heimatgeschichte von seinem Lehrer Wilhelm
Gräßlin geweckt. „Er hat uns die Korker Geschichte beigebracht“, erzählt
Helmut Schneider. „Ich hatte danach immer noch Kontakt zu ihm, die
Verbindung ist nie abgerissen.“ 1940 wechselte Schneider auf das
Gymnasium – genauer gesagt auf die Oberrealschule in Kehl. Dort wurde
sein Wissenshunger durch seinen Lehrer Wilhelm Mechler gestillt. „Er war
ein  profunder Kenner von Straßburg“, so Schneider. „Er wusste, dass
ich gerne fotografiere und hat mich gebeten, einen seiner Vorträge zu
bebildern.“ Am Ende hielt der junge Helmut Schneider auf Wunsch seines
Lehrers den Bildvortrag selbst – der erste von vielen.

Wilhelm Mechler vertiefte die Liebe seines Schülers zu Straßburg. „Ich weiß
noch, wie ich als Kind mit meinen Eltern am Rhein stand und sie fragte,
warum wir nicht nach Straßburg fahren“, erinnert er sich. Seine Eltern
hätten große Mühe gehabt, es ihm zu erklären: „Ich hatte das Münster am
Horizont gesehen, es leuchtete rot, weil die Luft noch so klar
war.“ Erstmals aus der Nähe sah er es 1942 – und dann erst wieder im
Jahr 1954. Helmut Schneider erinnert sich noch gut an die Kriegsjahre
und sagt: „Das möchte ich nicht wieder erleben. Ich finde die
Grenzkontrollen im Augenblick schrecklich.“ 

Die Evakuierung Kehls gab seinem Leben eine entscheidende Wende: Die Schule gab es nicht
mehr, nach Offenburg war im und kurz nach dem Krieg nicht zu kommen.
Also lernte Helmut Schneider einen Beruf – Schlosser: „Ich hatte Glück,
dass es einer mit Zukunft war. Und dass ich später dank des
Schlossermeisters Georg Heitz auch die künstlerische Seite des Berufs
kennenlernte.“ Mit 25 Jahren machte Schneider bereits seinen Meister und
setzte noch den Techniker drauf. 

Mit Georg Heitz machte er seine ersten Streifzüge durch Straßburg – zu einer Zeit, als auf beiden
Seiten des Rheins noch große Ressentiments bestanden: „Wir haben immer
im breitesten Dialekt geredet, so hat man nicht gemerkt, dass wir von
der anderen Seite kamen.“ 

Dank Wilhelm Mechler fand er Kontakt zu elsässischen Heimatforschern wie Louis Ludes, mit dem ihn eine lebenslange
Freundschaft verband. „So habe ich Zutritt zu vielen Museen und Archiven
in Straßburg bekommen“, berichtet Helmut Schneider. Nie sei er schlecht
behandelt worden: „Die Historiker waren die ersten, die wieder Kontakt
zur anderen Rheinseite aufnahmen.“ Auch der Straßburger Dombaumeister
Jean Richard Hauesser zählte zu seinen Bekannten. „22 Ausstellungen habe
ich im Laufe der Jahre grenzüberschreitend organisiert“, so Schneider.
„Die Stadt Straßburg ist mir Heimat, ich schätze und liebe sie.“ 

Das Handwerksmuseum in Kork ist sein Kind. Er wollte die alten Berufe
bewahren: „Heute wäre das gar nicht mehr möglich, ich würde viele
Exponate nicht mehr finden.“ Seine Idee, in der ehemaligen Essigfabrik
ein Museum einzurichten, stieß bei der Stadt auf offene Ohren. „Zehn
Jahre haben wir es umgebaut, ohne meine Freunde und Mitstreiter wäre es
nicht möglich gewesen“, so Schneider. Das Museum ist derzeit wegen
Bauarbeiten geschlossen, doch Helmut Schneider, der nach wie vor Leiter
der Sammlung ist, hofft, dass es noch im Dezember wieder öffnet.

Autor: Christina Großheim

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