Ausbau Lahr: Autobahnparallele Trasse
Güterverkehrterminal: noch nicht im Bundesverkehrswegeplan

Karlsruhe/Lahr (st). Der diesjährige Tag des Straßenverkehrs des Verbandes des Verkehrsgewerbes fand anlässlich der Karlsruher "NUFAM" statt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft des multimodalen Verkehrs am Beispiel des Standortes Lahr“ saßen sich gegenüber der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, Dirk Engelhardt (BGL), Lahrs Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller, Alexander Blankenburg (Director Operations TX Logistik in Troisdorf) sowie Lars Asmus (Geschäftsführer der RAlpin Deutschland GmbH, Freiburg).
Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur des Landes Baden-Württemberg, monierte am Beispiel des Bohrunglücks bei Rastatt, dass bis dato von Seiten der Bahn kein ausreichender Notfallplan und keine leistungsfähigen Ersatzstrecken vorgehalten werden.
Bis 2030 brauche man ein richtig dickes Paket zur Ertüchtigung des Schienengüterverkehrs mit den Hauptkomponenten Zweigleisigkeit und Elektrifizierung sowie Flächen für weitere Umschlagsanlagen des KLV (Kombinierter-Ladungs-Verkehr). Dabei ginge es oft nur um wenige Streckenkilometer Lückenschlusse, die große Kapazitätszuwächse ermöglichten. Darüber hinaus stellte er fest, dass man moderne Verkehrsprobleme nur verkehrsträgerübergreifend lösen könne. Es sei von enormer Wichtigkeit, sich auf die Umsetzung sogenannter Konsensprojekte zu konzentrieren, um nicht unnötig Zeit und Energie zu verschwenden. Aus seiner Sicht sei Lahr ein solches Konsensprojekt und als Standort für einen Umschlagbahnhof ideal. Sein Ministerium habe im Jahr 2017 mehrere Arbeitskreise zur besseren Vernetzung und Kommunikation zwischen Politik und Verkehrswirtschaft aller Verkehrsträger ins Leben gerufen. Lahr sei als Haltepunkt im "TEN 24 Projekt" (Rotterdam-Genua) gelistet, leider allerdings nicht im aktuellen Bundesverkehrswegeplan.
Lars Asmus bestätigte die guten Voraussetzungen am Standort Lahr auch für die Errichtung eines Rola Terminals (Rollende Autobahn). Auf der alpenquerenden Relation Deutschland - Italien werden rund 100.000 Lkw pro Jahr verladen. Die geplante Verlagerungskapazität von bis zu 250.000 Lkw pro Jahr von der Straße auf die Schiene ist am Standort Freiburg nicht möglich. Lahr ermöglicht hingegen mit einem direkten Autobahnanschluss und der Möglichkeit, Züge mit 750 Metern Länge zu Be- und Entladen, eine wirtschaftliche und nur ganz selten vorhandene Voraussetzung für eine zukünftige leistungsfähige und schnelle sowie umweltverträgliche Umschlaganlage. Die einzige aber gravierende Schwachstelle am Standort Lahr sei das zeitliche Szenario bis zur geplanten Fertigstellung des 3. und 4. Gleises, die bisher etwa auf das Jahr 2037 ausgerichtet sei.  Die Tatsache, dass die autobahnparallele Trasse zwischen Offenburg und Riegel bis heute noch nicht planfestgestellt sei, untermauere die Trägheit des Schieneninfrastrukturausbaus. 
Wolfgang G. Müller merkte an, dass Logistikarbeitsplätze nicht bei allen Kommunen ganz oben auf der Wunschliste stünden, weil sie oft mit Verkehrsbelastung und niedrigen Löhnen in Verbindung gebracht würden. Die Stadt Lahr habe jedoch ihre Aufgabe darin gesehen, ein ihr zur Verfügung stehendes Areal neben dem Flughafen Lahr möglichst sinnvoll zu verwenden und dabei auch Verkehrsprobleme für Baden-Württemberg und Deutschland zu lösen. Man wolle Herr der für das Güterverkehrterminal reservierten Fläche bleiben und diese nicht voreilig anderen gewerblichen Interessenten überlassen. Binnen 15 Jahren seien aus null Arbeitsplätzen deren 4.700 geworden. Der geplante Umschlagbahnhof in Lahr selbst würde zwar nicht allzu viele Arbeitsplätze bringen, jedoch dürfte er viele zusätzliche Firmen an anziehen.
Alexander Blankenburg, Director Operations beim privaten Bahnunternehmen TX Logistik in Troisdorf, bestätigte, dass für die Zukunft auf europäischer Ebene 1.500-Meter-Züge ins Spiel kämen, bestehend aus zwei aus der Schweiz kommenden 750-Meter-Zügen, die für den Weitertransport Richtung Norden, zum Beispiel in Lahr, zusammengeführt werden könnten. Eine stärkere Vernetzung der Verkehrsträger Straße und Schiene sei wünschenswert und auch möglich. So gäbe es bereits gute Projekte, mit denen eine Verlagerung von nichtkranbaren Sattelaufliegern auf die Schiene möglich sei. Ein Terminal der Zukunft müsse alle Verladetechniken ermöglichen, ohne sich gegenseitig zu behindern, in Lahr sei hierfür die Flächen gegeben.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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