Flächenmanager kommt nicht
Lahr sucht Strategien Innenstadt-Leerstände

Auch das ehemalige Schuhhaus Kindle in der Lahrer Marktstraße zählt zu den Innenstadt-Leerständen. | Foto: Foto: Thorsten Mühl
  • Auch das ehemalige Schuhhaus Kindle in der Lahrer Marktstraße zählt zu den Innenstadt-Leerständen.
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Lahr (tmm) Innenstädtische Leerstände von Gewerbeflächen betreffen viele Ortenauer Städte. Gleich, ob Kehl, Offenburg, Achern, Lahr – die vier größten Städte der Ortenau haben das gleiche Problem. Erhebungen der Innenstadtberatung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zeigen auf, dass sich Innenstädte strukturell verändern. Der Handel werde sich, wie IHK-Innenstadtberater Thomas Kaiser für Lahr prognostizierte, vom früherer Schwerpunkt Handel hin verschieben in Richtung Dienstleistung und Gastronomie. Ermutigend stellt sich die Lage nicht dar. Wie die IHK für den Kreis analysierte, planten bis zu 30 Prozent aller innenstadtgeführten Einzelhändler, ihre Geschäfte, mangels Nachfolgern oder wegen Personalnot, bis 2035/2036 aufzugeben. Klassische Einkaufsstraßen verkleinerten sich. In „A-Lagen“ fänden sich noch Mieter, während Seitenstraßen aus dem Einzelhandel fielen und umgenutzt werden müssten – etwa für Wohnen oder Gastronomie.

Lahrs Verwaltungsspitze ist die Situation gewärtig. Im April 2025 begann eine auf zwei Jahre angelegte IHK-Begleitung, um die Situation in der Innenstadt angesichts von über 15 Prozent Leerständen (44 von 290 aktiv genutzten Objekten) bei gewerblichen Erdgeschossflächen zu verbessern. Eine geplante Maßnahme scheiterte Ende Juni am Gemeinderat. Vorgesehen war die Installation eines externen Flächenmanagers, der zur Belebung innerstädtischer Leerstände beitragen sollte. Bei 13:15 Stimmen wandte sich der Rat dagegen – unter anderem, weil unklar war, wie genau fehlende 96.000 Euro bis 2029 finanziert werden sollten.

IHK kritisiert Entwicklung

Die IHK kritisierte die Entscheidung. „Mit Ablehnung des Flächenmanagements wurde eine zentrale Chance vertan“, wurde Kaiser deutlich. Den Vorschlag, Gegenfinanzierung über Erhöhung städtischer Parkgebühren zu betreiben, sende ein falsches Signal. Kaiser: „Wenn zusätzliche Einnahmen generiert werden, die aber nicht in gezielte strukturelle Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt fließen, entsteht ein Ungleichgewicht zu Lasten von Innenstadtgewerbe.“ Skeptisch zeigt er sich, ob das Thema mit bestehenden Verwaltungsressourcen zu stemmen sei.

Temporär werden Leerstände genutzt, um Räumlichkeiten etwa Jugendprojekten oder Start-Ups zur Verfügung zu stellen. Zum regelmäßigen Austausch soll der „Innenstadt-Trialog“ werden, Premiere war im Mai. Dabei tauschen sich Stadt, IHK, Hausbesitzer und Makler aus, wobei die Wiederbelebung der Marktstraße Thema war.
Daher wird auch auf das 10,2 Hektar große Sanierungsgebiet „Innenstadt-Marktstraße“ gesetzt. Private Eigentümer von rund 30 Immobilien haben bereits Interesse an Modernisierungen bekundet. Eigentümer können für private Gebäudesanierungen Fördermittel von Bund und Land erhalten. Begleitung und Erstberatung durch Lahrs Stadtplanungsamt und STEG Stadtentwicklung sind kostenlos. Der Förderzeitraum läuft bis 2033.

Kaiser zeigte beim Trialog, welche praktischen Konsequenzen Leerständen haben. Jeder Leerstand bedeute fehlende Einnahmen von 12.500 Euro, vor allem an Gewerbesteuer. Ausgehend von den genannten 44 leerstehenden Objekten, macht das unter dem Strich pro Jahr 550.000 Euro an fehlenden Einnahmen. Geld, das dem klammen Stadtsäckel denkbar gut zu Gesicht stünde.

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