Digitales Lernen in Willstätt schon Realität
Mit zusätzlichem Geld käme die digitale Zukunft in Lahr zügiger

Vorerst sind geplante Investitionen bis Inkraftreten des Digitalpakts zurückgestellt, hier das Lahrer Scheffel-Gymnasium.
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  • Vorerst sind geplante Investitionen bis Inkraftreten des Digitalpakts zurückgestellt, hier das Lahrer Scheffel-Gymnasium.
  • Foto: Stadt Lahr
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Lahr/Willstätt (ds/rek). Im Oktober 2016 wurde der Digitale Pakt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen: Fünf Milliarden Euro will der Bund für moderne Infrastrukturen an den Schulen bereitstellen. Doch bislang ist nichts in den Kommunen angekommen. Schulpolitik ist Landessache, der Bund darf streng genommen keine Mittel zur Verfügung stellen.

"Der laufende WLAN-Ausbau und damit zusammenhängend die Zunahme an mobilen Endgeräten stellen die Schulen und die Stadt vor neue pädagogische und finanzielle Herausforderungen", weiß Harry Ott vom Amt für Soziales, Schulen und Sport, Abteilung Schulen, Sport und Verwaltung. Allerdings seien aus Sicht der Stadt Lahr die weiterführenden Schulen aktuell weitgehend bedarfsgerecht ausgestattet. So seien die Schulen in den vergangenen Jahren nahezu flächendeckend mit EDV-Leitungen verkabelt worden. Seit 2017 komme die schrittweise Ausstattung mit WLAN hinzu. "Parallel hierzu wurden auch die Schulserver sowie die zentrale Netzwerktechnik auf den aktuellen Stand gebracht", so Ott. Auf Grundlage dieser Vernetzung seien zwischenzeitlich die Mehrzahl an Unterrichtsräumen mit moderner Medientechnik – mit Präsentationseinrichtungen, Lehrerarbeitsplatz und Internetanbindung – ausgestattet worden. "Nachholbedarf" bestehe laut Ott noch bei der Theodor-Heuss-Schule. "Mit der zunehmenden Vernetzung der Schulen geraten mobile Endgeräte für Schüler und Lehrer immer stärker in den Fokus. Laptopwagen sind beispielsweise im Max-Planck-Gymnasium, wo es auch I-Pads gibt, und der Friedrichschule vorhanden", berichtet Harry Ott.

Ebenfalls in den Lahrer Grundschulen wurde im Rahmen laufender Baummaßnahmen die Vernetzung der Schulgebäude vorangebracht. Eine flächendeckende Vernetzung bestehe derzeit an der Schutterlindenbergschule, der Grundschule Mietersheim und der Grundschule Sulz. "An der Geroldsecker-Grundschule wird zur Zeit die EDV-Verkabelung ausgebaut", so Ott. Verschiedene Unterrichtsräume seien bereits mit Medientechnik ausgestattet. An der Schutterlindenbergschule und der Grundschule Sulz stünden außerdem I-Pads für die Medienbildung zur Verfügung.

Grundlage für die Ausstattung der Schulen sind die 2016 überarbeiteten Multimediaempfehlungen des Landes und des Städtetages. In diesem Rahmen sind die Schulen verpflichtet, gemeinsam mit den Schulträgern eine für die jeweilige Schule individuelle Medienentwicklungsplanung zu erstellen. "In den Medienentwicklungsplänen, die einem laufenden Planungsprozes unterliegen, werden die pädagogischen Konzepte und die hieraus resultierende Medienausstattung zusammengeführt", erklärt Harry Ott.

Da nach den allgemeinen Förderbestimmungen bereits getätigte Investitionen im Nachhinein als förderschädlich gesehen werden, würden größere Ausbauschritte bis zum Inkrafttreten des Digitalpakts wie in anderen Städten auch in Lahr zurückgestellt. So seien im Haushalt 2019 noch keine Festbeträge für die Schulen vorgesehen. "Sollten Fördermittel im kommenden Jahr konkret zur Verfügung stehen, wird gegebenenfalls 'überplanmäßig' reagiert", so Ott. "Die Schulen schreiben ihre individuellen Konzepte bereits fort", ergänzt er.

Grundlegender Ausbaubedarf bestünde insbesondere an den Grundschulen. Für die weitere Medienentwicklungsplanung seien an vielen Gebäuden noch die technischen Voraussetzungen mit EDV-Verkabelung, WLAN sowie zentraler Server- und Netzwerktechnik zu schaffen. "Im Bereich der weiterführenden Schulen fehlen schnelle Internetanschlüsse. Die verfügbaren Bandbreite liegt derzeit nur zwischen 16 und 50 Mbit. Es scheitert jedoch aktuell an den technischen und finanziellen Voraussetzungen", sagt Harry Ott.

"Eigentlich sind wir sehr zufrieden mit unserer Ausstattung an der Gemeinschaftsschule", erklärt Jochen Schmukle, stellvertretender Rektor an der Moscherosch-Schule in Willstätt. Dabei ist die Grundschule anders ausgestattet als die weiterführenden Klassen es sind, erklärt Schmukle. Für die ersten vier Klassen stünden sogenannte I-Pad-Koffer mit je 15 Geräten zur Begleitung bei bestimmten Projekten zur Verfügung. Diese würden dann von Lehrern entsprechend eingesetzt und von den Schülern genutzt.

Anders in den Klassen der Sekundarstufe: Sechs Klassenzimmer seien mit einer smarten Digitaltafel ausgestattet. Hier fehle die klassische Tafel und alle Aufschriebe liefen über eine digitale Projektion eines Beamerbildes an die Wand. "Das ist aber sowohl für den Lehrer als auch die Schüler wenig ansprechend", erläutert Schmukle. Forciert durch den Neubau an der Moscherosch-Schule seien die anderen Klassen wieder mit einer klassischen Tafel ausgestattet. Zur technischen Ausstattung dieser Klassenzimmer gehören dafür ein Beamer, ein Computer sowie eine Dokumentenkamera. "Das Angebot bietet für den Lehrer die volle Flexibilität über die Hilfsmittel", betont Schmukle. Man kann Unterrichtselemente digital vorbereiten, aber dennoch Aufgaben an der Tafel mit Kreide entwickeln, nennt er die Vorteile.

Wünsche gebe es dennoch: So empfinde er es optimal, wenn das Angebot eines I-Pad-Koffers auch in den weiterführenden Klassen angeboten werden könne sowie die technische Ausstattung zudem in den Grundschulklassen zur Verfügung stünde. "Wenn ich allerdings an andere Schulen schaue, sind wir in Willstätt wirklich gut ausgestattet", wiederholt Schmukle.

Vorerst sind geplante Investitionen bis Inkraftreten des Digitalpakts zurückgestellt, hier das Lahrer Scheffel-Gymnasium.
Die Moscherosch-Schule in Willstätt

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