Traumberufe
Michael und Kevin Erath sind Berufspiloten

Sind weltweit über den Wolken unterwegs: Michael Erath (l). und Sohn Kevin.
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  • Foto: Dagmar Jäger
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Lahr. Wenn sie ihren Beruf nennen, bekommen andere leuchtende Augen. Doch sind diese Traumjobs tatsächlich nur mit Freude verbunden oder gibt es auch Schattenseiten? In unserer Serie haben wir diejenigen gefragt, die es wissen müssen. Dagmar Jäger sprach im letzten Teil mit Michael und Kevin Erath, deren Arbeitsplätze über den Wolken liegen.

So mancher Berufspilot hat mit seiner Ausbildung einen Kindheitstraum verwirklicht. Man wird zum Flieger geboren, heißt es oft, und darin liegt ein Körnchen Wahrheit. "Ich habe das Fliegergen von meinem Vater geerbt", sagt Kevin Erath, der seit fünf Jahren als Verkehrsflugzeugführer im Cockpit sitzt.

Die ersten Jahre steuerte er die Boeing 737, das weltweit meistgebaute Verkehrsflugzeug, durch ganz Europa. Auf dem "Golf der Lüfte" genannten Flugzeugtyp beginnt oft die berufliche Laufbahn eines Piloten bei großen Fluggesellschaften. Dann stieg Kevin Erath nach der nächsten Prüfung, einer weiteren "Typenberechtigung", auf ein größeres Flugzeug um. Jetzt fliegt er den "Dreamliner", die Boeing 787-900, mehrmals im Monat auf der Langstrecke über den Atlantik nach Miami.

Bereits im Kindesalter brachte ihm sein Vater die Fliegerei nahe. "Das hat er clever gemacht", sagt der junge Pilot mit einem Schmunzeln. So lernte er spielerisch an Autokennzeichen die internationale Buchstabiertafel, mit der in der Luftfahrt Buchstaben übermittelt werden. Jedes Flugzeug besitzt eine Kennung, das sogenannte Luftfahrtzeugkennzeichen und so wird beispielsweise aus D-ABCD im Funkverkehr "delta-alfa-bravo-charlie-delta und aus OG für Offenburg "oscar-golf".

Ein Pilot trägt große Verantwortung. "Hinter mir sitzen 344 Passagiere und die gesamte Kabinencrew", sagt Kevin Erath. Beim Start beschleunigt er bis zu 251 Tonnen Gewicht. Er sitzt am Steuerknüppel eines rund 350 Millionen Euro teuren Fluggerätes und steuert es in einer Reisehöhe von über 10.000 Metern über Grund mit über 800 Stundenkilometern durch die Luft. Die Ausbildung zum Piloten ist deshalb extrem anspruchsvoll und fordert von den Fluganwärtern volle Konzentration auf den angestrebten Traumberuf. Bereits vor dem Beginn steht ein umfangreicher Eignungstest. Da die Fluggesellschaften kaum mehr ausbilden, müssen die Fluganwärter die teure Ausbildung selber vorfinanzieren. Das geht oft über Kredite.

Es gibt mehrere Wege, um Berufspilot zu werden. Kevin Erath besuchte eine Flugschule. "Ich hatte dort 14 Fächer an sechs Tagen die Woche. Vom räumlichen und logischen Denken über Technik, Mathematik, Physik oder Meteorologie bis zu medizinischen Kenntnissen muss ein Pilot alles beherrschen, was ihm da oben begegnen kann. Perfektes Englisch ist unerlässlich", so Erath. Während der Ausbildung wird laut dem Piloten klar, wer wirklich fliegen will. Die Zahl der Abbrecher ist hoch. "Vier von 18 aus meiner Ausbildungszeit sind heute Berufspiloten", sagt er.

Belastbarkeit und soziale Kompetenz sind in diesem Beruf unabdingbar. Im Flugzeug wird im Team gearbeitet und dafür sind Teamplayer nötig. Für "sein" Flugzeug ist er immer gemeinam mit dem zweiten Piloten verantwortlich. Das ist beim Transport von Personen so üblich: Einer fliegt, der andere überwacht, erledigt Funk und die Papierarbeit.

Vater Michael Erath ist seit über 30 Jahren Berufspilot. Er fliegt Menschen mit Privatjets dorthin, wo sie meist geschäftlich zu tun haben. Wirtschaftsgrößen, Politiker, Sportler und andere mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten vertrauen auf seine Zuverlässigkeit und große Erfahrung. Auf seiner Weltkarte stecken Fähnchen an den Orten, die er angeflogen hat. Diese liegen oft in entlegenen Gegenden. "Für mich waren eine große Fluggesellschaft und Linienflug nie ein Thema. Ich schätze die Individualität", sagt er. Heute ist er Flugbereichsleiter am Airport Lahr und fliegt nicht mehr so oft durch die Welt. Für seinen Sohn ist er sowohl fliegerisch als auch menschlich ein großes Vorbild.

Beide wissen, dass die Fliegerei viel abfordert und das Familienleben eigenen Regeln folgt. Im sozialen Umfeld finden sich meist Menschen mit der gleichen fliegerischen Leidenschaft. "Man gibt viel auf und opfert manches, bekommt aber auch viel zurück. Man sieht die ganze Welt, ist jeden Tag woanders." Wer wirklich fliegen wolle, nähme auch die Abstriche in Kauf. Wenn sie dann gemeinsam vom Sonnenaufgang über den Pyrenäen aus der Cockpitposition schwärmen, sind sich beide sicher: "Wir haben den schönsten Beruf der Welt."

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