Expertenrunde
Problembewusstsein auch für Personalfragen schaffen

Die Digitalisierung könnte auch eine Chance für das Handwerk sein.

Lahr (st). Fachkräftemangel, demographischer Wandel, Digitalisierung – mit den dringendsten Herausforderungen des Handwerks hat sich eine Expertenrunde bei einer Podiumsdiskussion auf dem Gelände der Landesgartenschau beschäftigt. Der Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld, Ministerialdirektor Michael Kleiner, der Vizepräsident der Handwerkskammer Freiburg Christof Burger und die Personalberaterin der Kammer Kerstin Wadehn zeichneten ein Bild der aktuellen Lage und stellten bereits bestehende Maßnahmen sowie Zukunftspläne vor. Außerdem kamen zwei Unternehmer zu Wort, die sich aktiv den Aufgaben für eine erfolgreiche Zukunft ihrer Betriebe stellen.

Der Wirtschaftsweise Feld zeigte in seinem Vortrag die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive auf und betonte, dass noch gar richtiger kein Fachkräftemangel herrsche. Mit diesem sei auf Grund demographischer Entwicklung und anderer Faktoren erst in einigen Jahren zu rechnen. Die Digitalisierung begreift er als Chance für das Handwerk, weil durch sie zwar Stellen eingespart werden könnten, dafür aber ebenso viele neue entstünden. Feld stellt außerdem klare Forderungen an die Politik: „Wir brauchen dringend Entlastung für die Unternehmen, vor allem im Bereich Bürokratie.“

Michael Kleiner vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg betonte, dass die ersten Maßnahmenpakete geschnürt seien. „Damit das Handwerk auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftskraft Baden-Württembergs leistet, braucht es ausreichend und qualifizierte Fachkräfte. Deshalb haben wir die Fachkräftesituation im Handwerk zu einem großen Schwerpunkt in unserem Strategieprojekt 'Dialog und Perspektive Handwerk 2025' gemacht.

Kerstin Wadehn schilderte auf Grund ihrer Erfahrung als Beraterin bei der Handwerkskammer, dass es wichtig sei, ein Problembewusstsein auch für Personalfragen zu schaffen. „Personalarbeit ist mehr als Lohnabrechnungen am Ende des Monats.“ Dem Thema Digitalisierung steht sie positiv gegenüber: „Digitalisierung muss dem Menschen dienen. Digitale Neuerungen können dafür sorgen, an anderer Stelle Raum für Kreativität zu ermöglichen.

Beispiele hierfür sind die vorgestellten Betriebe. Kreativfriseur Peter Mayer aus Friesenheim berichtete von seinem innovativen Servicekonzept, das die Kunden mehr in ihrem Alltag abholt. Benedikt Becherer vom Familienunternehmen Becherer Möbelwerkstätten aus Elzach feiert große Erfolge mit einer Plattform, auf der sich Betriebe jungen Menschen präsentieren und sich als potenzielle Ausbilder in deren Bewusstsein bringen. „Es geht mehr um die kleinen Dinge – auf sich aufmerksam machen, ins Gespräch kommen.“ So sei ein erster kleiner Schritt in Sachen Personalakquise getan.

Kammer-Vizepräsident Burger schlussfolgerte für das Handwerk sehr optimistisch: „Die Bevölkerung will die Lebensqualität, die ein starkes Handwerk bietet, nicht missen.“ Information „Handwerk 2025“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums und des baden-württembergischen Handwerks. Die Landesregierung stellt für die Umsetzung des Projekts bis Ende 2019 insgesamt 4,4 Millionen Euro zur Verfügung. Infos gibt es unter www.hwk-freiburg.de/handwerk2025.

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