Eine Moschee-Aktion mit ungeahnten Folgewirkungen

Auftakt einer unruhigen Woche: Ulla Steiner übergibt mit Harald Störk, Beiratsvorsitzender der Wohnungseigentümergemeinschaft der Römerstraße 1, 3 und 5, OB Müller die Protestbriefe.
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Lahr. Seit 22 Jahren wohnt Ulla Steiner zusammen mit ihrem Mann im vierten Stock des Hochhauses in der Römerstraße 1, freut sich über Mitbewohner aus vielen Nationen. „Wir
leben hier gerne“, betont sie. Kritisch verfolgt sie indes die
Diskussion über den geplanten Standort einer Moschee in der Nähe und
startete eine Aktion, die ihr eine „turbulente Woche“ bereiten sollte
und von der sie angesichts der sich anschließenden Erfahrungen wohl
lieber „die Finger gelassen hätte“: Sie sammelte zusammen mit anderen
1174 Protestbriefe gegen den geplanten Standort und übergab diese in
einer Gemeinderatssitzung Montag vergangener Woche OB Dr. Wolfgang Müller.

Sie und ihre Mitstreiter hätten damit ein „Bürgerrecht“ wahrgenommen, betont Ulla Steiner. Andere nutzten ebenfalls ihr Recht,
auf Journalisten-Fragen ihre Meinung zu der Aktion zu artikulieren. Da
meinte beispielsweise SPD-Fraktionschef Roland Hirsch, dass es
„anscheinend immer noch viele Urängste gegenüber Andersgläubigen“ gebe,
Dorothee Granderath von den Grünen äußerte Bedenken, „ob die
Unterzeichner wirklich grundsätzlich für einen Moscheebau sind“, und
FDP-Fraktionschef Jörg Uffelmann erhob die Frage, wie die Unterschriften
zustande kamen. Resultat: Das sei „mit Vorsicht zu genießen“.

Noch weitaus unfreundlichere Reaktionen, erfuhr Steiner, habe es in
Internet-Foren gegeben. Sie selbst habe sich das dann nicht mehr
angeschaut.  Dabei habe man mit der Unterschriftenaktion  „keine
Revolution anzetteln, keinen Umsturz einleiten oder dem
Türkisch-Islamischen Verein seine Moscheepläne zunichtemachen“ wollen.
Steiner: „Es handelt sich um einfaches Bürgerrecht, gehört zu werden und
ein Signal an die Stadtspitze und den Gemeinderat zu geben, dass
unseres Erachtens bei der Eile und der Heimlichkeit, die bei diesem
Verfahren an den Tag gelegt worden war, eventuell das eine oder andere
übersehen beziehungsweise nicht bedacht worden ist.“ Die heftige
Reaktion auf die Aktion lasse „aufhorchen“.

Im Gemeinderat übertrumpfe man sich gegenseitig mit Unterstellungen und Mutmaßungen,
was die Bürgerbefragung in einem eng umgrenzten Viertel betrifft. Dabei
habe man kein Bürgerbegehren in die Wege geleitet, wo es auf die genaue
Stimmenzahl ankomme. Steiner: „Wir möchten nur, dass unsere Argumente
geprüft werden, und zwar fair“. Der Bau einer so großen Moschee sei kein
„normales“ oder „privates“ Vorhaben. Dass bei der Einweihung der Kehler
Moschee hinter dem Bahnhof weitab von jeglicher Wohnbebauung Vertreter
des türkischen Staates zur Einweihungsfeier eingeflogen wurden,
unterstreiche dies. Auf jeden Fall würde man sich freuen, „wenn sich die
Stadtverwaltung doch noch dazu entschließen könnte, die betroffenen
Bürger mit ins Boot zu holen und deren Bedenken ernst zu nehmen“.

Schon öfter Kontakt hatte Ulla Steiner mit dem Vorsitzenden der
Türkisch-Islamischen Gemeinde, Hasan Babur. Deshalb wisse er genau, dass
sie nicht gegen den Bau einer Moschee in Lahr sei. Eine Äußerung Haburs
im Nachgang zur Unterschriftenaktion, wonach dies wohl nur ein
„Lippenbekenntnis“ sei, stach ihr deshalb heftig ins Auge. Derweil fragt
sich Ulla Steiner auch, weshalb in Lahr eine Moschee auf einer Fläche
entstehen soll, die vier Mal größer ist als die in Offenburg mit etwa
der gleichen Zahl an Mitgliedern. Und ahnt, dass dann wohl auch
Moscheebesucher aus weiter entfernten Gefilden die Römerstraße passieren werden.

Autor: Norbert Rößler

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