Digitalisierung der Arbeitswelt
Horst Sahrbacher zu dem bevorstehenden Wandel

Horst Sahrbacher

Offenburg (gro). Die Arbeitswelt steht durch die Digitalisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Produktion vor neuen Herausforderungen. Christina Großheim sprach mit Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Ortenau.

Facharbeiter sind gefragt – wird das so bleiben?
Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist im Ortenaukreis weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt stetig zu. Der Fachkräftebedarf wird auch aufgrund der demografischen Entwicklung hoch bleiben, da in den nächsten Jahren viele erwerbstätige Personen aus dem Arbeitsleben ausscheiden werden.

Neuer Anforderungen an die Arbeitnehmer

Wie verändern sich die Anforderungen an die Arbeitnehmer?
Die Digitalisierung wird Arbeitsplätze und -inhalte auch in der Ortenau künftig verändern. Immer mehr Tätigkeiten könnten heute bereits von Computern oder Computer gesteuerten Maschinen übernommen werden. Im Ortenaukreis sind hiervon besonders das verarbeitende Gewerbe und fertigungstechnische Berufe betroffen. Bei Unternehmen mit fortschreitender Digitalisierung sind neben digitalen auch soziale Kompetenzen der Mitarbeiter sowie deren Kommunikations- und Teamfähigkeit von besonderer Bedeutung. Sie berichten über tendenziell höhere Anforderungen an neu eingestellte Arbeitskräfte. Deshalb ist kontinuierliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen das Gebot der Stunde. Es gilt, die wirtschaftlichen Chancen der Digitalisierung zu nutzen und Qualifikationen und Kompetenzen stetig weiter zu entwickeln. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) geht davon aus, dass künftig mehr Spezialisten und Experten gefragt sein werden.

Droht eine Entlassungswelle wie in den 1970er-Jahren?
Durch die Digitalisierung werden voraussichtlich einige Berufe und Tätigkeiten komplett wegfallen, dafür werden jedoch auch neue Berufsbilder entstehen. Nach Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute wie dem IAB können bis 2035 bei relativ konstanter Zahl der Arbeitsplätze bei deutlichem Strukturwandel in Deutschland rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen, aber andere neue Arbeitsplätze können in gleicher Zahl dadurch entstehen.

Kompetenzen weiterentwickeln

Wie können sich Arbeitnehmer auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten?
Für Fachkräfte, die ihre Kompetenzen laufend weiterentwickeln, bieten sich durch die Digitalisierung auch neue Chancen am Arbeitsmarkt. Zudem besteht langfristig gesehen Anpassungsbedarf der Kompetenzen und Fertigkeiten an die technologischen Veränderungen für Fachkräfte. Qualifizierung ist dabei das Gebot der Stunde. Die Agentur für Arbeit Offenburg unterstützt Betriebe umfassend bei der Qualifizierung der Arbeitnehmer. Dabei eröffnet das neue Qualifizierungschancengesetz neue flexiblere Wege der Förderung der Weiterbildung von Beschäftigten. Die Qualifizierung von Menschen ohne Berufsabschluss zu Fachkräften steht dabei besonders im Fokus.

Welche neuen Arbeitsmodelle sehen Sie durch die Digitalisierung kommen?
Es entstehen nicht nur neue Berufsbilder, auch Geschäftsmodelle der Firmen werden dadurch beeinflusst. Arbeitszeitmodelle können sich dadurch ebenfalls verändern und Betriebe, die aktuell bereits die Angebote der Digitalisierung nutzen, bieten im Rahmen ihrer Möglichkeiten bereits unterschiedliche Arbeitszeitmodelle an.

Digitaler Wandel trifft alle Bereiche

Wie stark werden traditionelle Berufsbilder noch gefragt sein?
Der digitale Wandel betrifft nahezu alle Branchen und Bereiche, da viele Arbeitsplätze und Tätigkeiten durch digitale Systeme verändert werden können. Am stärksten betroffen sind unternehmensbezogene Dienstleistungen und Verkehrs- und Logistikberufe; in der Ortenau die fertigungstechnischen Berufe sowie das verarbeitende Gewerbe. Durch die Digitalisierung wandeln sich Berufe massiv. Viele Tätigkeiten werden automatisierbar. Es kommen aber auch neue Anforderungen und Herausforderungen in den Berufsbildern hinzu. Vor allem im Bereich einfacher Tätigkeiten ist das Substituierbarkeitsrisiko gestiegen – aber auch auf der Fachkraftebene. Die vorhandenen Berufsbilder werden aber auch künftig eine sehr bedeutende Rolle spielen, inhaltlich angepasst an die Veränderungen, die im Zuge der Digitalisierung notwendig sind.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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