Landrat Frank Scherer begrüßt Neubürger
357 haben jetzt einen deutschen Pass

Offenburg (st). Im Rahmen der zehnten Einbürgerungsfeier des Ortenaukreises hieß Landrat Frank Scherer so viele neu eingebürgerte Ortenauer willkommen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Von 573 Neuantragstellern aus dem Ortenaukreis erhielten im vergangenen Jahr 357 Menschen aus 61 Nationen einen deutschen Pass. Mit einem bunten interkulturellen Programm feierten die neuen Bundesbürger gemeinsam mit ihren Familien und Vertretern aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft ihre neue Staatsbürgerschaft. Zu diesem Anlass wurde auch der vom Landratsamt und der Sparkasse Offenburg/Ortenau zum fünften Mal ausgelobte „Integrationspreis Ortenau“ verliehen.

„Einwanderung und Einbürgerung ist nicht nur eine Chance für Sie, sondern auch für die aufnehmende Gesellschaft, weil sie dadurch vielfältiger und damit auch reicher wird. Wer anderes behauptet ist nicht von gestern, sondern von vorgestern“, so der Landrat in seiner Ansprache. „Wir müssen uns in Deutschland endlich dazu bekennen, dass wir ein klassisches Einwanderungsland sind und dass das gut so ist, wenn wir zuversichtlich in die Zukunft blicken wollen. Deshalb sollten wir uns mit großem Selbstbewusstsein von rückwärtsgewandten Volkstümeleien und Protektionismus in anderen Ländern und Teilen unserer Politik abwenden und Deutschland als ein Land positionieren, das einerseits faire und transparente Chancen für legale Einwanderung bietet und daneben politischen Flüchtlingen Schutz gewährt, das andererseits aber konsequent diejenigen zurückführt, die kein Aufenthaltsrecht haben“, sagte Scherer weiter. Deutschland sei auf einem guten Weg, aber es brauche noch klarere und konsequenter umgesetzte Regeln, wie sie etwa in einem echten Einwanderungsgesetz Ausdruck finden könnten.

Zudem ging Scherer auf die staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten ein. Er appellierte an die neuen Ortenauer, sich aktiv in das gesellschaftliche Zusammenleben einzubringen und sich zum Beispiel an den Wahlen der Stadt-, Gemeinde und Ortschaftsräte und des Kreistags im kommenden Jahr zu beteiligen.

Scherer machte klar, dass bei aller wünschenswerten Integration die neuen Bundesbürger ihre Wurzeln nicht verleugnen müssten. „Im Gegenteil, bereichern Sie diese Gesellschaft mit den Erfahrungen aus Ihrer Herkunft und mit ihrem kulturellen Erbe!“, wünschte der Landrat, der an dieser Stelle auch kurz auf das aktuelle Geschehen um Fußballprofi Mesut Özil einging. „Mir persönlich sind drei Punkte insoweit wichtig: Erstens: Eine deutliche Mehrheit der wahlberechtigten Türken in Deutschland hat Erdogan gewählt und hätte auch sicher ein Foto mit ihm gemacht – ob man das nun gut findet oder nicht! Zweitens: In Deutschland sollten wir jedenfalls stolz darauf sein, dass das in unserer freiheitlichen Demokratie nicht rechtswidrig ist, woanders kann sowas zu Verhaftungen führen. Und drittens: Ein Nationalspieler Deutschlands hat aber auch eine Vorbildfunktion und sollte sich gut überlegen, was er mit seinem Tun auslösen kann und auslösen will“, so Scherer.

Wie bereichernd Migration sein kann, machte anschließend das bunte Rahmenprogramm der Feier deutlich. So unterhielt die Formation „Belcanto“ aus Schutterwald mit musikalischen Beiträgen und spielte als Anerkennung der Integrationsleistungen der Neueingebürgerten zum Ende Veranstaltung die Deutsche Nationalhymne. Schauspieler Benjamin Wendel vom „BAAL novo Theater Eurodistrict“ erzählte mit dem Ein-Mann-Theaterstück „Macho Man“ eine interkulturelle Liebesgeschichte. Aus dem Kreise der Zuwanderer sprach der gebürtige Thailänder Tassanai Intravooth, der als Facharzt für Neurologie am Therapiezentrum Kehl-Kork tätig ist und viel Applaus für seine humorvollen Anekdoten über seinen Weg nach Deutschland und seine berufliche und private Entwicklung in der Ortenau erhielt.

Integrationspreis Ortenau

Um die ausgeprägte Willkommenskultur und den ehrenamtlichen Einsatz in der Ortenau zu würdigen, verliehen das Landratsamt Ortenaukreis und die Sparkasse Offenburg/Ortenau im Rahmen der Feier zum fünften Mal den „Integrationspreis Ortenau“. Mit dem Preis werden innovative Ideen, Engagement und gelungene Integrationskonzepte anerkannt und prämiert. Eine Jury, besetzt aus Mitarbeitern des Migrationsamtes und der Sparkasse Offenburg/Ortenau, entschied über die Preisvergabe. Aus 15 eingereichten Integrationskonzepten wurden die drei besten mit einem Preisgeld von jeweils 1.000 Euro honoriert. Einer der Integrationspreise ging an die Ehrenamtliche islamische Krankenhausseelsorge. Freiwillige am Ortenau Klinikum bieten dabei erkrankten Muslime Unterstützung an und werben für gegenseitiges Verständnis und die Beseitigung von Missverständnissen und Vorurteilen. Ein weiterer Preis erhielt die Hausaufgaben- und Lernhilfe für Kinder mit Migrationshintergrund in Seebach. Die zwölf ehrenamtlichen Jugendlichen unterstützen junge Neuankömmlinge in schulischen Dingen und binden sie in das Dorfgeschehen ein. Ebenfalls freuen durften sich die Oberkircher Lesepaten um Initiatorin Donata Apelt-Ihling, die mindestens ein Jahr lang mit Grundschülern regelmäßig lesen, um deren Integration durch sprachliche und soziale Förderung voranzubringen.

Ursprungsnationen der Eingebürgerten

 
In 2017 wurden 357 von 573 Neuanträgen zur deutschen Staatsbürgerschaft im Ortenaukreis bewilligt. Die Neubürger stammen aus 61 verschiedenen Nationen. Die meisten haben ihre Wurzeln in der Türkei (49), dem Kosovo (43), Rumänien (31), Syrien (16), Italien (16) und Kroatien (15). Die größte Steigerungsrate im vergangenen Jahr gab es bei den Neueinbürgerungen aus dem Vereinigten Königreich (acht).

Im Dezember 2017 lebten 48.358 Ausländer im Ortenaukreis; rund die Hälfte davon waren EU-Bürger. Damit macht der Ausländeranteil etwas über elf Prozent an der Kreisbevölkerung von rund 425.000 Einwohner aus. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, zu denen etwa bereits eingebürgerte Personen oder Spätaussiedler zählen, liegt mit rund 25 Prozent weitaus höher.

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