Gedenkveranstaltung
Erinnerung an einen leidenschaftlichen Demokraten

Rund 100 Gäste gedachten im Offenburger Schillersaal Wolfgang Schäuble und seiner "Berliner Rede" | Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung
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  • Rund 100 Gäste gedachten im Offenburger Schillersaal Wolfgang Schäuble und seiner "Berliner Rede"
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Offenburg (st) Im Schillersaal Offenburg fand vor rund 100 geladenen Gästen eine feierliche Gedenkveranstaltung zu Ehren des verstorbenen Bundestagspräsidenten und langjährigen Abgeordneten Dr. Wolfgang Schäuble der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Stadtleben würdigten sein Wirken als eine der prägenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Rahmen der Veranstaltung wurde an den 35. Jahrestag seiner „Berliner Rede“ erinnert, in der die politischen Leitlinien kulminierten, die das Wirken Dr. Wolfgang Schäubles über Jahrzehnte geprägt haben: die Vollendung der deutschen Einheit, die Vertiefung der europäischen Integration, die deutsch-französische Freundschaft sowie seine besondere Verwurzelung in Südbaden.
Zu Beginn begrüßte die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung Annegret Kramp-Karrenbauer die Anwesenden. In ihrem Gruß verwies sie darauf, dass Schäuble stets für ein starkes, handlungsfähiges Europa gestanden habe und diesen Anspruch mit großer politischer Klarheit und Weitsicht vertreten habe. Die zitierte Wolfgang Schäuble mit den Worten: „Wenn wir nicht wollen, dass das europäische Zeitalter endet, dann müssen wir Europäer die großen Zukunftsaufgaben angehen“ und betonte, dass diese Mahnung heute unverändert gelte.

Tiefer Respekt

Im Anschluss sprach der baden-württembergische Landtagspräsident Thomas Strobl ein Grußwort. Er erinnerte an Schäuble als leidenschaftlichen Demokraten und Parlamentarier, der den offenen, kritischen und detailorientierten Meinungsaustausch gepflegt habe – immer interessiert an anderen Standpunkten und getragen von tiefem Respekt vor dem Parlament. Denn: „Für ihn war das Parlament der Ort, wo unterschiedliche Meinungen zusammengekommen.“ Der Landtagspräsident forderte deshalb dazu auf, die parlamentarische Demokratie zu verteidigen: „Das ist ein Auftrag an uns alle, dass wir diese Demokratiegeschichte weiterschreiben.“
Ein weiteres Grußwort hielt Offenburger Oberbürgermeister Marco Steffens, der Schäubles Lebenswerk aus der Perspektive einer Stadt würdigte, deren Geschichte eng mit der Badischen Revolution und dem demokratischen Freiheitskampf ihrer Bürger verbunden ist. Die Offenburger hätten im 19. Jahrhundert erfahren: „Die Freiheit, die Demokratie, bekommt man nicht geschenkt.“ Wolfgang Schäuble habe sich trotz auch schwerer Schicksalsschläge unerbittlich für Freiheit und Demokratie eingesetzt und damit in der Tradition der Offenburger von 1847 gestellt.

Zusammenarbeit

Die Festrede hielt der ehemalige Bundesminister für Finanzen Dr. Theo Waigel. In seiner Ansprache berichtete er von der jahrzehntelangen Zusammenarbeit der beiden Politiker seit den 1970er-Jahren. Besonders aber während der historischen Phase der deutschen Wiedervereinigung 1989/90. Waigel hob hervor, dass die berühmte „Berliner Rede“ Schäubles zwar der sichtbarste Beitrag zur Wiedervereinigung gewesen sei, seine noch prägendere Leistung jedoch in der politischen Gestaltung dieses historischen Prozesses lag. Die Wiedervereinigung habe mit großer Geschwindigkeit vorangetrieben werden müssen, um das kurze Zeitfenster zu nutzen, das sich damals bot. Schäuble sei dabei ein visionärer Gestalter gewesen, dessen akribische Arbeit zu den großen politischen Leistungen der Bundesrepublik zähle. In Anlehnung an Martin Luther beschrieb er Wolfgang Schäuble als einen großen Demokraten: „Wir müssen sein ein dienstbarer Knecht aller Ding und ein dienstbarer Herr aller Ding. Und so war Wolfgang Schäuble ein Diener und Herr unserer Demokratie.“

Persönlicher Gruß

Einen besonderen emotionalen Moment bildete der persönliche Gruß zum Abschluss der Veranstaltung von Ingeborg Schäuble. Sie erinnerte sich an die spontane Entstehung der erinnerten „Berliner Rede“ ihres Mannes und schilderte ihre bewegte Reaktion auf die Rede.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Schülern der Musikschule Offenburg. Das Streichtrio spielte Werke von Ludwig van Beethoven und schuf so einen würdigen Rahmen. Im Anschluss nutzten die Gäste einen Empfang zum persönlichen Austausch.
Unter den zahlreichen Gästen befanden sich viele politische Vertreter aus der Region Ortenau und dem Bundesland. Hervorzuheben ist die Anwesenheit von Kultusminister Andreas Jung. Darüber hinaus nahmen Landtagsabgeordnete, ehemalige Abgeordnete, Bürgermeister, Ehrenbürger der Stadt Offenburg sowie Freunde und Verwandte der Familie Schäuble teil.

Rund 100 Gäste gedachten im Offenburger Schillersaal Wolfgang Schäuble und seiner "Berliner Rede" | Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung
Theo Weigel hielt die Festrede. | Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung
Stiftungsvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer  | Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung
Grußwort von Landtagspräsident Thomas Strobl | Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung

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