Diskussion um weihnachtliches Offenburg
Was ist möglich mit Corona?

Der Weihnachtsbaum vor dem Offenburger Rathaus steht schon und wird geschmückt.
  • Der Weihnachtsbaum vor dem Offenburger Rathaus steht schon und wird geschmückt.
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Offenburg (gro). Ist die Veranstaltung weihnachtliches Offenburg, die ab dem 1. Dezember in der Offenburger Innenstadt für Glanz sorgen soll, mit den derzeitigen Infektionszahlen und Corona-Vorgaben vereinbar oder nicht? Nein, meint die Fraktion Die Grünen auf deren Antrag das Vorhaben am Montagabend, 17. November, im Offenburger Gemeinderat diskutiert wurde. "Die gesamte Region hat abgesagt", so Norbert Großklaus. "Nur eine Stadt nicht. Was will man damit beweisen?" Die Mehrheit der Fraktion halte die Durchführung der Veranstaltung für verantwortungslos, zumal sich die Stimmen mehrten, die vorschlagen, nach Offenburg zu fahren. Für ihn sind 31 Buden über die Innenstadt verteilt, zu viel.

"Ich glaube, wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben", antwortete Oberbürgermeister Marco Steffens. "Es war im Frühjahr selbstverständlich alles abzusagen, weil wir nichts über das Virus wussten." Doch seitdem habe die Stadt über den Sommer bewiesen, dass Veranstaltungen, bei denen die Regeln eingehalten würden, möglich seien. Steffens erinnerte an die beiden Weinproben auf dem Marktplatz  oder die Musik, die dezentral in der Innenstadt geboten wurde. Das Konzept für das weihnachtliche Offenburg sei weiterentwickelt und den Vorgaben angepasst worden. "Wir haben eine große Akzeptanz in der Bevölkerung für alle Einschneidungen und es sind noch sechs Monate, bevor es wieder wärmer wird", warb der OB, nicht nur auf Verbote zu setzen. "Es ist immer eine Abwägung zwischen Risiken und Chancen."

Dezentrales Konzept

Stefan Schürlein, Stadtmarketing Offenburg, stellte das Konzept fürs weihnachtliche Offenburg vor: Es soll keine Konzentration auf einen festen Platz geben, deshalb würden auch die Seitenlagen miteinbezogen. Ein Bestandteil sei der Krippenweg durch die Geschäfte in der Stadt. Außerdem soll das Kloster in der Lange Straße illuminiert werden, geplant sind ebenfalls Wasserspiele. In der Innenstadt verteilt sind große begehbare Weihnachtsinstallationen. Die Buden befinden sich mit viel Abstand zueinander auf dem Marktplatz, in der Steinstraße, der Hauptstraße, der Lange Straße, der Metzgerstraße und auf dem Lindenplatz. Ob Verkauf oder Imbiss: Es soll nur To-go-Angebote geben. Ein Verweilen an den Buden ist nicht erwünscht. "Es ist luftiger als der Wochenmarkt angeordnet", so Schürlein. Auf dem gesamten Areal wird Maskenpflicht bestehen, es wird keine Stehtische oder Sitzgelegenheiten geben. Eine gleichzeitige Öffnung mit dem Wochenmarkt ist nicht vorgesehen. Security und Mitarbeiter der Stadt würden auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln achten. "Die Besucher halten sich ausschließlich im Freien auf und sollen durch die Stadt zirkulieren", macht Schürlein deutlich. Die geplanten Öffnungszeiten seien täglich, außer Dienstag und Samstag, von 11 bis 21 Uhr. An den beiden Tagen, an denen der Wochenmarkt stattfindet, geht es erst nach dessen Ende los.

Die Positionen im Gemeinderat gehen weit auseinander. Albert Glatt, CDU, stellte fest: "Ich hatte gerätselt, ob das in dieser Situation sein muss, aber dieses Konzept hat nichts mit einem Weihnachtsmarkt zu tun." Silvano Zampolli, FDP, lobte das Engagement der Stadt und betonte, dass die Einzelhändler auf Unterstützung angewiesen seien. Martina Bregler, SPD, findet, dass die Situation im Sommer mit der im Winter nicht vergleichbar sei. Die Infektionszahlen seien deutlich höher, viele Menschen würden bereits auf dem Wochenmarkt die Abstände nicht einhalten. "Wer kontrolliert die Vorgaben?", fragte sie und machte deutlich, dass sie den Ausschank von Alkohol für kritisch halte. Ein Punkt, dem auch andere Mitglieder des Gemeinderats zustimmten. "Nach dem dritten Becher Glühwein halten sich die Leute nicht mehr an die Vorgaben", ist Mario Vogt, Freie Wähler, sicher. Ein Ansicht, die auch Stefan Böhm von den Grünen teilt.

Konsequenzen bei Regelverstößen

"Ich mache die Zusage: Wenn es an den Ständen nicht so läuft, dann machen wir sie zu", versprach Marco Steffens. "Wir können auf so eine Situation reagieren. Trauen Sie es den Menschen auch ein Stück weit zu." Ob es da nicht besser wäre, ganz auf solche Stände zu verzichten, bevor die Schausteller Ware bestellt hätten, fragte Heinz Hättig, SPD. "Wir haben ein enges Verhältnis", machte Stefan Schürlein klar. Jeder habe selbst entscheiden dürfen, ob er mitmachen wolle. "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust", räumte Dr. Roland Müller, FDP, ein. Auf der einen Seite sehe er das Infektionsgeschehen und die Notwendigkeit die sozialen Kontakte zu minimieren, auf der anderen Seite wünsche er den Menschen ein Stück Normalität. Dr. Uwe Folkens, SPD, erklärte: "Wenn das Konzept eingehalten wird, dann geht kein Mensch ein Risiko ein. Sowohl die Besucher als auch die Beschicker müssen in die Pflicht genommen werden und wer Angst hat, der soll nicht hingehen. Man muss ja nicht hingehen."

"Ich nehme mit, dass wir uns die Sache mit den Glühweinständen noch einmal anschauen", versprach der OB. "Es handelt sich um ein atmendes Konzept, wir müssen auch sehen, was aus Berlin und Stuttgart noch kommt. Am Dienstag stellte Steffens in einer Pressekonferenz klar: "Wenn Sie das weihnachtliche Offenburg gleichsetzen mit einer Glühweinparty, dann werden sie enttäuscht sein. Wir müssen aufhören unsere ganze Situation an denen zu messen, die sich nicht dranhalten."

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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