Große Drüsenameise in Offenburg
Was tun bei Tapinoma magnum-Befall?
- In der Infoveranstaltung zur Tapinoma Magnum kamen 13 Interessierte.
- Foto: Stadt Offenburg
- hochgeladen von Christina Großheim
Offenburg (st) Die Ameisenplage, die bislang die Ortenau und hier insbesondere Kehl betroffen hat, ist mittlerweile in ganz Deutschland anzutreffen und auch in Offenburg eingedrungen. Da sich herausgestellt hat, dass es im Quartier Seidenfaden einen Hotspot der „Tapinoma magnum“ gibt, fand am vergangenen Dienstag, 22. September, ein Infotermin für Bürger statt, so die Stadt in einer Pressemitteilung. Denn eine wirksame Eindämmung ist nur durch das koordinierte Zusammenwirken aller Betroffenen – private Anlieger sowie Stadtverwaltung – zu erreichen. 13 Bürger waren anwesend.
Rolf Eckert schilderte als betroffener Bürger die Problemstellung aus dem Stadtquartier Seidenfaden.
Vortrag zur Lebensweise
Dr. Manfred Verhaag vom Naturkundemuseum Karlsruhe beschrieb in seinem Vortrag die Art und die Lebensweise des Insekts. Er verwies auf andere befallene Gebiete, wie beispielsweise in Karlsruhe Neureut, wo die Ameisen sich seit über 15 Jahren auf über 50 ha ausgebreitet haben. Die Geschlechtstierbrut der Königinnen findet im April und Mai statt. In dieser Zeit können die Eier und Königinnen mit der Locksteinmethode abgefangen und die Fortpflanzung eingedämmt werden.
Ebenso beschrieb Verhaag die in Karlsruhe entwickelte Methode mit folienbedeckten Lochsteinen im Frühjahr. Hierzu werden im Frühjahr Kalksandsteine mit Löchern oder Poroton-Ziegel im Bereich der Nester ausgelegt, damit Brut und Königinnen abgelegt werden. Teichfolie oder Spargelfolie wird auf den Stein gelegt und mit Draht festgebunden. Die Tiere suchen einen warmen Platz auf, um ihre Brut dort abzulegen. Nach wenigen Tagen kann bereits kontrolliert werden. Wenn Aktivität festgestellt wird, soll der Stein in einen vorbereiteten Eimer mit Wasser und etwas Spülmittel gelegt werden. Durch das Spülmittel geht die Oberflächenspannung verloren und die Tiere sinken nach unten. Danach die Tiere und Eier absieben und einfrieren oder mit kochendem Wasser abtöten. Diese Methode kann von jeder Privatperson durchgeführt werden und eignet sich besonders für Personen, die im Erdgeschoss wohnen. Wichtig ist, dass im betroffenen Garten mehrere Steine ausgelegt werden. Bis jetzt konnte man nicht feststellen, dass unsere heimischen Ameisen die Steine als Brutstätte aufsuchen.
Raphael Lehmann, Geschäftsbereichsleiter Technische Dienste bei den Technischen Betriebe Offenburg (TBO), stellte das Vorgehen der Stadt auf öffentlichen Grundstücken vor: Seit Anfang August 2024 sind die TBO an verschiedenen Standorten in Offenburg mit Eindämmungsmaßnahmen aktiv. Dabei werden die befallenen Bereiche entweder mit heißem Wasserdampf oder mit heißem Wasser, das gezielt in die Ameisengänge eingebracht wird, behandelt.
Tapinoma magnum erkennen
Die Art tritt in großer Zahl auf und bildet mehrere Nester. Bei Störung strömen die Arbeiterinnen sehr schnell und in hoher Dichte aus den Eingangsöffnungen der Nester. An den Nesteingängen ist ein auffällig starker Auswurf von Erdreich, oft auf Pflasterflächen und an Bordsteinen zu beobachten. Während der warmen Monate legt die Art mehrspurige, breite Ameisenstraßen an. Die Arbeiterinnen sind komplett schwarz und variieren in ihrer Größe von 2 mm bis 5 mm. Die Ameisen strömen auf ein störendes Element zu und können leicht zubeißen. Das kann bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen führen. Die Puppen erscheinen leicht transparent, sodass Gliedmaßen und Augen der Larven erkennbar sind. Wird eine Ameise gereizt oder zerdrückt, verströmt sie einen intensiven Geruch, der an ranzige Butter oder an Lösungsmittel erinnert; dieser Geruch ist nach einmaligem Wahrnehmen leicht wiederzuerkennen. Aus der Tierwelt sind in unserem Raum keine Predatoren in Bezug auf diese Ameisen wie etwa Spechte bekannt.
Die Ameisen sollten erst bekämpft werden, wenn es sich zweifelsfrei um die invasive Art Tapinoma magnum handelt, damit die Populationen der heimischen Ameisen nicht unnötig geschädigt werden. Betroffene setzen sich mit der Abteilung Grünflächen und Umweltschutz der Stadt Offenburg in Verbindung, Telefon 0781/822332, E-Mail sekretariat.fb5@offenburg.de,. Ein Mitarbeiter der TBO kann die invasive Art eindeutig bestimmen.
Handlungsempfehlung bei bestätigtem Befall
Bekämpfung mit der Heißwassermethode durch die TBO auf städtischen Flächen - aus rechtlichen Gründen kann die Stadt nicht auf privaten Flächen tätig werden. Ausbringen von Kieselgur hat sich als probates Mittel bewährt. Kieselgur ist ein natürlicher Wirkstoff, der aus versteinerten Kieselalgen besteht und den Insekten Feuchtigkeit entzieht, wodurch diese austrocknen. Das Produkt sollte trocken gelagert werden und kann in Räumen und überdachten Bereichen sowie bei Trockenheit auch im Freien ausgebracht werden. Es wird empfohlen, Kieselgur in etwas größeren Mengen in die Gänge und auf die Ameisenstraßen zu geben und nicht nur kleinteilig auszustreuen. Kieselgur kann über den Nutztierbedarf bezogen werden. Die Anwendung erfolgt nach den Herstellerangaben. Vom eigenständigen Ausbringen von Insektiziden wird abgeraten. Die effektive Eindämmung einer Superkolonie sollte von Fachleuten durchgeführt werden. Es wird empfohlen, einen professionellen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen. Die Kosten hierfür sind vom Eigentümer zu tragen. Mögliche Nahrungsquellen wie Blattläuse oder Essensreste sollten beseitigt werden. Mülltüten mit Speiseresten bitte fest verschließen, bevor sie in die Mülltonne gelangen. Gelbe Säcke erst kurz vor der Leerung auf die Straße beziehungsweise den Gehweg legen. An Bäumen, die von Blattläusen befallen sind, Leimringe anbringen. Keine Topfpflanzen aus einem befallenen Garten verschenken. So kann das Risiko der versehentlichen Verbreitung verringert werden. Keinen Grünschnitt in der freien Natur entsorgen. Anfallender Grünschnitt und Wurzelballen vor der Entsorgung auf Ameisen überprüfen. Vor dem Kauf einer Pflanze auf eine Besiedlung im Topf und Wurzelballen achten.





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