• 25. Mai 2018, 18:56 Uhr
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Axel Bleyer stellt in der Städtischen Galerie Offenburg aus
Fotografien mit den Farben von Gemälden

Axel Bleyer in der Städtischen Galerie vor einem Bild seines Ateliers in Ohlsbach.
Axel Bleyer in der Städtischen Galerie vor einem Bild seines Ateliers in Ohlsbach. (Foto: Michael Bode)

Offenburg/Ohlsbach. Axel Bleyer spricht oft von der Werbefotografie als seinem Brotberuf, dem Teil seiner Tätigkeit als Fotograf, mit dem er sein Geld verdiente. Jetzt ist ist er in eigener Sache unterwegs. "Sonst stehen die Bilder gerahmt und sortiert in meinem Atelier", äußert sich Bleyer dankbar, dass die Stadt Offenburg es ihm ermöglicht hat, seine Fotografien in der Städtischen Galerie ausstellen zu können. "Hier zeigt sich die Verbindung von Brotberuf und Hobby", erklärt Bleyer bei einem Rundgang durch die Ausstellung.

Bleyer startete seine Karriere mit einer klassischen Ausbildung zum Fotografen. "Dabei komme ich aus einer Künstlerfamilie, so der 72-Jährige und erinnert an seinen Vater, der unter anderem als Karikaturist der satirischen Wochenzeitschrift „Simplicissimus“ in München tätig war. Mit zwölf Jahren bekam Axel Bleyer die Teilnahme an einem Fotokurs geschenkt. „Die Technik selbst und wie man Bilder macht, das hat mich nicht mehr losgelassen." Während seiner Ausbildung bei Foto Stober in Freiburg, "damals Baden-Württembergs größtes Foto- und Kinohaus", ging es nicht nur darum Porträts zu fotografieren. Fotografiert wurde für die Universität, die Kliniken und viele andere. Die Filmtechnik interessierte ihn nicht weniger und er erhielt in diesem Metier ebenfalls sein Rüstzeug.

Aenne Burda persönlich stellte ihn Mitte der 80er-Jahre für Burda Moden ein. "Dort war ich rund drei Jahre und machte mich schließlich selbstständig", erinnert sich Bleyer. Seine Auftraggeber aus der Branche der Inneneinrichter und Architekten führten ihn um die Welt. Diese Inszenierung der Realfotografie im Sinne des Kunden war sein Weg zur Kunst. "Ich nutze meine Aufträge immer auch für mein Hobby", sagt er und berichtet von einer Fahrt nach Hause. Er fuhr von der A2 bei Bielefeld und besuchte die gemauerten Stützen der eben überquerten Autobahn-Brücke. Entstanden ist eine Fotografie mit enormer Wirkung, auch dank des Wassers und der daraus entstehenden Spiegelungen.

Ausschnitte eines Gesamtobjekts

Seine Aufnahmen sind immer Ausschnitte des Gesamtobjekts. Die sich bewegenden Bilder einer Dampflokomotive, Details von Flugzeugen oder Mauern von Stauseen. Die entstandenen Farben entwickeln die Anmutung von Gemälden. Die Realität von Flugzeugen verschwimmt durch die Detailaufnahme.

Das mit "Gold-Else" titulierte Bild zeigt die Berliner Siegessäule. "Dreimal bin ich auf die Besucherkuppel gegangen", so Bleyer – dann passte das Licht der tief stehenden Sonne. Er fotografierte der "Else" quasi unter den Rock, die, gerade frisch mit Blattgold verziert, besonders strahlt vor dem blauen Himmel. Mit Geduld und der daraus resultierenden Erfahrung, wie schnell der Zug, in dem er saß, fahren musste und welche Kameraeinstellungen nötig waren, entstanden Fotografien von Gleiskörpern die horizontale Farblinien ergeben. Kirchen erhalten eine neue Dimension, wenn er etwa in der Kathedrale von Orléans das gotische Bauwerk fotografiert. Zu sehen sind aber auch die Rendsburger Eisenbahnbrücke, stillgelegte Hüttenwerke oder andere Industriebauten – nicht immer durch Bleyers Sichtweise als solche zu erkennen.

"Eigentlich wollte ich mein Atelier in Offenburg bauen", so Bleyer. Realisiert hat er es auf 300 Quadratmetern schließlich in Ohlsbach und zeigt daraus verschiedene Bilder mit geometrischen Figuren aus Licht und Schatten. Dass Fotokunst wieder stärker an Wert gewinnt, freut ihn und merkt es an den Besucherzahlen in der Städtischen Galerie. Von 2004 bis 2012 war Bleyer Vorsitzender des Künstlerkreises Ortenau.

"Wenn mein Sohn heute mit seinem Smartphone Bilder macht, staune ich, was diese Geräte können", erzählt Belyer lächelnd. Sein Wissen gibt Bleyer gerne weiter. Heute ist er weiterhin als Dozent an der Kunstschule Offenburg tätig. "Für manchen ist das der Einstieg in das künstlerische Studium", weiß Bleyer.

Besuche von Kindern durch museumspädagogische Angebote hat er alle verfolgt und ist fasziniert, was Kinder in seinen Bildern sehen. Zum Abschluss der Ausstellung am 3. Juni bietet die Städtische Galerie ein Künstlergespräch. Bleyer freut sich darauf.

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