Karlheinz Kluge im Porträt
Leben liefert Stoff für seine Geschichten
- Vielfach ausgezeichnet und vielseitig interessiert: Der Offenburger Schriftsteller Karlheinz Kluge findet seine Themen im Alltag. Aber er beschränkte sich lange nicht nur aufs Schreiben: Kluge organisierte Lesungen und gab sein Können gerne an Jüngere weiter.
- Foto: Michael Bode
- hochgeladen von Matthias Kerber
Offenburg Karlheinz Kluge ist ein waschechter Offenburger: "Ich wurde in der Oststadt geboren, aber wir haben auch in der Nordweststadt gelebt." Heute wohnt der 75-Jährige mit seiner Frau im Ortsteil Rammersweier.
"Mein Vater war mit seinem Geschäft verheiratet, er war ständig unterwegs", beschreibt Kluge seine Kindheit. Er sei, wie auch sein Bruder, ein "Mamakind" gewesen. "Meine Mutter stammte aus Ostpreußen. Sie kam nach dem Zweiten Weltkrieg in die Ortenau", sagt er.
Nach der Schule machte er eine Lehre als Elektromechaniker bei der Firma Telefunken, die in Offenburg ansässig war. "Das war eine tolle Ausbildung", erinnert er sich. Doch sein ganzes Leben in diesem Beruf zu arbeiten, das konnte er sich nur schwer vorstellen. Kluge wollte mehr und besuchte das Abendgymnasium. "Ich hatte eine tolle Deutschlehrerin, die sagte zu mir: 'Du wirst Germanistik studieren'."
Von Offenburg nach Westberlin
Während seinem Vater eher eine Ingenieurslaufbahn für den Sohn vorschwebte, hatte Kluge sich längst entschieden: "Ich bin nach Berlin gegangen und habe dort an der Freien Universität Germanistik, Philosophie und Geographie studiert." Denn bei einem Besuch der FU wurde ihm klar: "Das ist meins." Doch es war nicht nur die Uni, die ihn nach Westberlin zog. "Ich wollte nicht zur Bundeswehr", gibt er unumwunden zu. In Westberlin gab es bis zur Wiedervereinigung keine Wehrpflicht. Das hatte mit dem besonderen rechtlichen Status der geteilten Stadt zu tun.
Auch wenn sein Studium auf den Lehrerberuf abzielte, war Kluge klar, dass er Schriftsteller werden wollte. "Meine erste Veröffentlichung 'Wie Gedichte entstehen' war 1985", blickt er zurück. Im gleichen Jahr wurde seine Tochter geboren. 1987 kehrte die Familie zurück nach Offenburg. "Ich wollte schreiben", erklärt er. Die Grundideen zu den Geschichten basieren auf dem wahren Leben, die Namen jedoch nicht: "Ich verwende niemals die Originalnamen in meinen Büchern." Bis zu diesem Jahr hatte er nur eine Ausnahme gemacht, als er über die Villa in Tempelhof schrieb, in der er während seiner Studienzeit lebte.
Eine klare Einschätzungvon sich selbst
"Mein erster Roman wurde 1998 veröffentlicht", so Kluge. Der Roman erzählte die Geschichte eines Professors, der bei der Wehrmacht war. Der Protagonist der Handlung wollte nachweisen, dass dieser am Krieg beteiligt war. "Es funktionierte nicht", sagt der Autor heute trocken. "Es war zu avanciert." Zufriedener ist er mit seinen Erzählungen und den Hörspielen. Ein Beispiel: "Gemeinsam mit Gisèle Argaud bin ich den Weg des Schriftstellers J. M. R. Lenz von Emmendingen nach Straßburg nachgelaufen." Daraus entstand das gemeinsame Buch "Landläuffer/Coureur du Pays".
Sein jüngstes Werk "Mama, wo ist zuhause" erzählt ein Stück Familiengeschichte, das ihn tief berührt. Im Mittelpunkt steht die Flucht dreier Familien aus Ostpreußen – eine davon ist die seiner Mutter. Sie erzählte ihm schon in seiner Kindheit davon. "Ich habe gemeinsam mit meiner Großcousine Ingrid Rentel fast dreieinhalb Jahre daran gearbeitet", so Kluge. Dieses Mal verwendete er bewusst die Klarnamen.
Gibt es ein Buch, das er noch gerne schreiben würde? "Ein Kinderbuch", antwortet er ohne Zögern. "Für meine Enkel." Kinder begeistern ihn. "Ich habe bei der Jugendkunstschule Kurse für Kinder gegeben und während meines Jahresstipendiums der Kulturstiftung Offenburg 2000 habe ich in der Mediathek am liebsten mit Kindern gearbeitet." Ich verwende niemals die Originalnamen in meinen Büchern."
Karlheinz Kluge Lieblingsschriftsteller
- Katja Lange-Müller
- Gertrud Leutenegger
- Günther Herburger
Lieblingsorte
- großer Deich in Offenburg
- Auenwald bei Altenheim
- Waldersbach im Elsass








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