Sven Schaller ist neuer Zunftmeister der Offenburger Hexen
Närrische Traditionen von Kindesbeinen an

Sein erstes Häs am Kleiderhaken und die Teufelsmaske in der Hand: Sven Schaller ist seit November neuer Zunftmeister der Offenburger Hexen.
  • Sein erstes Häs am Kleiderhaken und die Teufelsmaske in der Hand: Sven Schaller ist seit November neuer Zunftmeister der Offenburger Hexen.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Offenburg (rek). Brauchtum und Traditionen hat Sven Schaller quasi schon seit Kindesbeinen erlebt und vermittelt bekommen. Eigens für den Fotografen hat er zum Termin sein allererstes Häs der Hexenzunft mitgebracht. "Das ist 35 Jahre alt und trägt jetzt mein Sohn", zeigt Schaller es mit Stolz. Kilian Rolf ist jetzt eineinhalb Jahre alt und trägt als zweiten Vornamen den des Großvaters. Sven Schaller wurde am 11. November zum Zunftmeister der Offenburger Hexen gewählt und ist mit 35 Jahren der jüngste in dieser Funktion seit der Gründung vor über 80 Jahren.

Großvater Rolf trat 1964 in die Zunft ein, erlebte noch die Zunftgründer Karl und Pauline Vollmer. "So bin ich mit der Historie der Hexenzunft aufgewachsen", erinnert sich Schaller, dass zu Hause und bei den Großeltern viele Alben mit Bildern angeschaut wurden und die Geschichte und Geschichten immer Thema waren. "Irgendwann als Kind habe ich dann angefangen, die verschiedenen Hexenmasken zu fotografieren und meine eigenen Alben angelegt", erzählt Schaller. Die gesamte Familie Schaller lebt Fasent. Denn auch Svens Bruder Sebastian ist als Hexe unterwegs.

Großvater Rolf war lange Jahre als Zunftschreiber im Rat tätig, Vater Michael, trat 1985 der Zunft bei, wurde zum Hexenfeuerwerker und war somit etwa bei der Verbrennung der Strohhexe am Fastnachtsdienstag aktiv. "Das ist jedes Jahr für mich der emotionalste Moment der Fastnacht", beschreibt Sven Schaller die spektakuläre Aktion vor der Ursulasäule, wenn die Strohhexe in Flammen aufgeht. "Aber dann geht es auch gleich wieder dagegen", sieht Schaller das Fasentende auch mit einem lachenden Auge.

Vom Büttel über Hexe zum Teufel

Seit 1999 ist Schaller in der Zunft aktiv, absolvierte die zwei Jahre als Büttel und wurde anschließend in die Zunft aufgenommen. 2008, in der Nachfolge des verstorbenen Uli Schäfer, wurde Schaller in den Zunftrat aufgenommen und übernahm die Funktion als Brauchtumsbeauftragter. Zu seinen Aufgaben gehörte etwa das Bestellen der Hexenmasken oder die Dekoration der Abtsberghalle für den Hexenball. "Bei den Masken durfte ich auch bei der Gestaltung mitwirken, das ist schon etwas Besonderes", erlebte Schaller die für ihn spannende Zeit. 2014 wurde er zum Stellvertreter des langjährigen Zunftmeisters Uwe Schreiner.

"Ich weiß, wie unser Zunftmeister tickt", ahnte Schaller schnell, dass Schreiner ihn ins Visier für seine Nachfolge genommen hatte. "Viele Zunftmitglieder fragten mich auch immer wieder, ob ich es nicht irgendwann mal machen möchte", erinnert sich Schaller. Er ist stolz auf die gesamte Zunft und wurde intensiv von Schreiner auf seine Aufgabe vorbereitet.

Brauchtum und Traditionen bleiben das Steckenpferd Schallers. "Wir müssen dies an die kommenden Generationen weitergeben und das geht nur über die Kinder", ist sich Schaller seiner Vorhaben bewusst. Dabei steht die Sicherung der Straßenfasent oben auf der Liste. Hexenfraß, Besenstellen, Fasentstaufe sind die zentralen Termine. "Dazu erlebt das Gizig-Rufen einen riesen Aufschwung", freut sich Schaller über die Resonanz nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Offenburger Geschäften.
Dass die Fasent eine Faszination für Kinder sein kann, weiß Sven Schaller selber und erlebt es auch bei seinem Sohn: "Kilian streichelt immer wieder die Teufelsmaske zu Hause". Der Nachwuchs im Hause Schaller hat neben dem Hexenhäs ein Spättlekostüm von der Althistorischen Narrenzunft, dass er immer mal wieder trägt. Denn Schallers Frau Andrea, die er auf der Fasent kennenlernte und die ihm nun als Zunftmeister den Rücken freihält und die Termine koordiniert, ist dort als Spättle aktiv. Als "offen und ehrlich" beschreibt Schaller die Zusammenarbeit mit der Schwesternzunft, man hat gemeinsame Ziele. An diesem Wochenende sind die beiden Zünfte in Gengenbach beim Narrentreffen und damit auch die Familie Schaller.

Für den Zunftmeister, beruflich Industriemechaniker bei Hobart, ist neben Fasnacht die Familie das Wichtigste und es bleibt nicht viel Zeit für Hobbys. In Elgersweier wird zudem das Elternhaus umgebaut. "Dann leben drei Generationen unter einem Dach", freut sich Schaller auf die Fertigstellung.

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