Galeria verhandelt Mieten und Flächen
Standort Offenburg in Gefahr

Düsseldorf/Offenburg (st) Nach der im Juni vereinbarten langfristigen Finanzierung startet GALERIA jetzt die konkrete Umsetzung ihrer neuen Strategie, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung am 22. Juli 2026 mit. Als Teil der Transformation nehme das Unternehmen ab sofort intensive Verhandlungen über Mietkonditionen und Flächenanpassungen an 33 der insgesamt 83 Filialstandorte auf. Ziel sei es, für diese Häuser zeitnah eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu entwickeln. Bei ausbleibendem Verhandlungserfolg könnten konzeptionelle Anpassungen die Konsequenz sein.
Die Neuausrichtung ruhe auf sechs strategischen Säulen, die parallel vorangetrieben würde: ein wirtschaftlich tragfähiges Filialnetz, ein auf Frequenz ausgerichtetes Sortiment, eine höhere Flächenproduktivität durch neue Partnerschafts- und Nutzungskonzepte, eine modernisierte Kundenansprache über GALERIA Plus und Payback, eine effizientere Logistikstruktur sowie eine schlankere Kostenstruktur in allen Betriebsbereichen. Die Portfoliooptimierung sei einer dieser Hebel, der jetzt in die konkrete Umsetzung gehe.

Auswahlkriterien

Die Auswahl der betroffenen 33 Standorte basiere auf einer systematischen, zweistufigen Analyse des gesamten Filialnetzes. Auf der Standort-Ebene seien die Häuser nach folgenden Kriterien bewertet worden: strategische Relevanz aus Unternehmens- und Stakeholder-Sicht mit Blick auf den deutschen Gesamtmarkt: jeder GALERIA Kunde soll seine GALERIA innerhalb einer Stunde Fahrzeit erreichen können, zukünftiges Standort-Potenzial mit Blick auf Kundenstruktur und Wettbewerbssituation, kommunale Verantwortung bezüglich Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit, prognostiziertes Umsatzrisiko im lokalen Markt.
Auf der Filial-Ebene seien folgende Kriterien in die Bewertung eingeflossem: aktuelle Mietbelastung und die operative Ertragskraft des Hauses, Komplexität und Unterhaltungsaufwand der Immobilie, Verkaufsflächengröße und das Potenzial für Flächenoptimierungen in Mischnutzung, Attraktivität der Einkaufsstraße sowie Entwicklung der qualitativen Kundenfrequenz in der Mikrolage. Die lokalen Rahmenbedingungen an den Standorten seien unterschiedlich und teilweise sehr herausfordernd. Bei neun der betroffenen 33 Filialen - München-Rotkreuzplatz, Berlin Alexanderplatz, Berlin-Kurfürstendamm, Berlin-Hermannplatz, Köln Hohe Straße, Köln Breite Straße, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg - würden seit Monaten Gespräche geführt.
Die Verhandlungen seien Bestandteil der konsequenten Umsetzung des strategischen Zielbilds 2030. Bei den weiteren 24 Standorten starte GALERIA jetzt proaktiv Gespräche, um bestehende Verträge an die lokalen Gegebenheiten und veränderten Marktbedingungen der jeweiligen Stadt anzupassen. Sollten keine tragfähigen Lösungen erarbeitet werden, sei die Fortführung der jeweiligen Filiale als klassisches Warenhaus gefährdet. Wünschenswert wäre an vielen Standorten eine ganzheitliche Projektentwicklung mit den Eigentümern der Immobilien und den Städten.

Das Haus in Offenburg

Am Standort Offenburg besteht laut der Unternehmensleitung erheblicher struktureller Handlungsbedarf. Die Verkaufsflächesei zu groß und das Betriebsergebnis unzureichend. Erschwert werde die Situation durch die Entwicklung der direkten Nachbarschaft, in der zunehmender Leerstand das Umfeld und die Kundenfrequenz belaste. Eine dauerhafte Fortführung in der aktuellen Struktur sei wirtschaftlich nicht darstellbar. GALERIA nehme daher Gespräche mit dem Vermieter und der Stadt auf, um durch eine konsequente Flächenreduzierung, marktgerechte Mietkonditionen sowie eine attraktive Standortentwicklung die Wirtschaftlichkeit des Hauses nachhaltig zu sichern.
Jeder GALERIA-Standort müsse die Voraussetzung erfüllen, in der Einzelbetrachtung nachhaltig profitabel zu wirtschaften. Alle Filialen hättenn diesbezüglich Optimierungspotenzial, weshalb auch an den übrigen 50 Standorten Gespräche mit Vermietern und lokalen Partnern geführt würden. Hierbei gehe es mitunter um eine ausgewogene Risikoverteilung in einer weiterhin angespannten Marktsituation des innerstädtischen Einzelhandels.
Philipp Kretzer, Chief Sales Officer: „In Offenburg müssen wir das Haus strukturell neu aufstellen, da die aktuelle Fläche schlicht zu groß ist. Der wachsende Leerstand im direkten Umfeld zeigt zudem, wie stark unter Druck der innerstädtische Einzelhandel derzeit ist. Gerade in diesem schwierigen Umfeld braucht es ein starkes, aber eben auch kompakt aufgestelltes Warenhaus als stabilen Ankerpunkt. Dafür benötigen wir eine Einigung mit dem Vermieter auf ein zukunftsfähiges Flächenkonzept und angepasste Konditionen.“
Die Verhandlungen seien bereits angelaufen und würden mit der notwendigen Konsequenz geführt. Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, bestehe auch die Möglichkeit, dass sich GALERIA nach Erfüllung von Verträgen aus Standorten zurückziehe. Dies könne auch erst zu einem späteren Zeitpunkt wirksam werden. Der langfristige Erhalt von Standorten stehe im Vordergrund. Grundvoraussetzung sei Profitabilität. Mit dieser Kommunikation schaffe GALERIA Transparenz für die Mitarbeitenden und wird auch im weiteren Prozess alle Beschäftigten eng begleiten und über die nächsten Schritte informieren. Die Neuausrichtung werde im engen Austausch mit den Mitarbeitenden sowie der Arbeitnehmervertretung umgesetzt.

Gezielte Expansion

Die strategische Neuausrichtung des Konzerns sehe eine deutschlandweite Präsenz von GALERIA Filialen als gezielte Wachstumsinitiative vor. An einzelnen Standorten könne dies auch einen Umzug in geeignetere Immobilien oder Lagen bedeuten. Neben der kritischen Prüfung bestehender Warenhäuser befasse sich der Konzern auch mit Einzelhandelslagen, die aus verschiedenen Gründen verloren wurden, die aber als Standort zur jetzigen Strategie passen würden. Das Unternehmen schließe vor diesem Hintergrund selektive Neueröffnungen an strategisch attraktiven urbanen Standorten keineswegs aus, sofern diese die strengen Profitabilitätskriterien des neuen Geschäftsmodells erfüllen.
Das sind die 33 Standorte, für die derzeit Flächenanpassungen oder Mietkonditionen verhandelt werden: Aschaffenburg, Bad Homburg, Bad Kreuznach, Bayreuth, Berlin Alexanderplatz, Berlin- Hermannplatz, Berlin-Kurfürstendamm, Berlin-Spandau, Braunschweig, Euskirchen, Freiburg am Europaplatz, Hamburg Eimsbüttel, Heilbronn, Kleve, Koblenz, Köln Breite Str., Köln Hohe Straße, Köln Nippes, Limburg, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Memmingen, Mülheim-Heissen RRZ, München- Rotkreuzplatz, Münster Salzstr., Offenburg, Oldenburg, Potsdam, Singen, Speyer, Wismar, Würzburg.

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