Oppenauer Forstbetrieb
Sinkende Erlöse aufgrund größerer Schadholzmengen

Teile des Oppenauer Stadtwaldes sind durch lange Trockenheit und Schädlingsbefall im Stress.
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Oppenau (mak). "In den Wäldern herrschen schlimme Zustände", sagte Oppenaus Bürgermeister Uwe Gaiser in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause.

Konkreter wurde dann Forstrevierleiter Lukas Ruf, der die Gemeinderatsmitglieder mit einer kurzen Präsentation auf den neuesten Stand hinsichtlich des Oppenauer Stadtwaldes brachte. Zunächst warf er aber einen kurzen Blick zurück. "Im vergangenen Jahr hatten wir mit dem Frischholzeinschlag einen normalen Start in das Frühjahr", so Ruf. Der ausgesprochen trockene Frühsommer und die anhaltende Trockenheit bis hinein ins Spätjahr hätten dem Wald aber stark zugesetzt. Im Jahr 2018 habe man 15.700 Festmeter Holz eingeschlagen. Davon entfielen 93 Prozent auf Fichten und sieben Prozent auf Tannen. In der regulären Planung seien 14.800 Festmeter vorgesehen gewesen. Die Erhöhung der Menge sei auf den Einschlag von Schadholz zurückzuführen, erklärte Ruf. "Aufgrund der bereits gut ausgehandelten Verträge mit den Sägerwerken konnte wir einen durchschnittlichen Preis von 71 Euro pro Festmeter erzielen", berichtete er.

Schneebruch

Das Schneebruchereignis zu Beginn dieses Jahres hat dem Wald zusätzlich unter Stress gesetzt. "Hiervon waren vor allem gut gepflegte Buchenbestände betroffen", so der Revierleiter weiter. Aber auch Fichten- und Tannenbestände seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Gerade dann würden es Schädlingen leicht haben, sich in den Bäumen einzunisten und auszubreiten.

"Momentan hat die Aufarbeitung von Schadholz Priorität", erklärte Ruf. In diesem Jahr seien bisher 13.200 Festmeter Holz geschlagen worden. Davon entfielen rund 87 Prozent oder 11.500 Festmeter auf Schadholz und nur 13 Prozent oder 1.700 Festmeter auf den regulär geplanten Holzeinschlag.

Schädlingsbefall

"Das Waldgebiet oberhalb der Stadt ist besonders betroffen", so Ruf weiter. Auch der Schädlingsbefall sei weiter ein Problem. Die Bedingungen im vergangenen Jahr waren für den Buchdrucker-Käfer durch Trockenheit und niedrige Niederschlagsmengen gut, so dass er auch in diesem Jahr den Oppenauer Forstbetrieb beschäftigt. "Wir hoffen, dass wir den Schädlingsbefall von 2019 auf 2020 abmildern können", so Ruf. Aber mit der Käferpopulation werde man auch im kommenden Jahr noch zu kämpfen haben. "Wir brauchen Wasser ohne Ende und niedrige Temperaturen", sagte Ruf. Der geschädigte Wald wirke sich zudem natürlich auch auf die Holzerlöse aus. "Für das Schadholz erzielen wir geringere Durchschnittserlöse bei gleichzeitig steigenden Holzerntekosten und ein Forstbetrieb finanziert sich zu 95 Prozent aus dem Verkauf von Holz", so Ruf.

Holzmarkt unter Druck

Europaweit sei der Holzmarkt unter Druck. Das sehr hohe Schadholzaufkommen ist größer als die heimischen Sägebetriebe aufnehmen können, berichtete Ruf weiter. Die gute Auftragslage der heimischen Sägeindustrie sei in der angespannten Situation der einzige kleine Lichtblick, sagte Bürgermeister Uwe Gaiser.

Deshalb wird das Holz mittlerweile auch exportiert. Rund 1.500 bis 2.000 Festmeter gehen vor allem nach Asien. Hierfür könne im Idealfall ein Preis von 45 Euro pro Festmeter erzielt werden, erklärte Ruf. Man hoffe auf eine weitere Entspannung des Holzmarktes und im Ergebnis auf eine "schwarze Null". "Dies wäre angesichts der Umstände ein gutes Ergebnis. Wir hoffen weiter auf eine große Nachfrage nach Holz", führte Ruf weiter aus.

Gemischte Wälder

"Der Wald ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Von der Waldstruktur sind wir eigentlich gut aufgestellt. Da haben frühere Gemeinderäte gute Arbeit geleistet", erklärte Bürgermeister Uwe Gaiser. Das bestätigte auch der Revierleiter. Durch gemischte Wälder und die damit einhergehenden strukturreichen Waldbestände werde das Risiko minimiert, da die unterschiedlichen Baumarten unterschiedlich mit Stress umgehen würden, erläuterte Ruf.

"Da wird einem Angst und Bange", fasste Klaus Schmiederer, CDU, die Präsentation von Revierleiter Ruf zusammen. Das mache die Haushaltsplanung zusätzlich schwierig, führte er weiter aus. Cornelia Erhart, UWG, wollte wissen, was passiere, wenn es ein weiteres Trockenjahr gebe. "Dann werden sich bestimmte Waldbestände auflösen", so Ruf abschließend.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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