Interview mit Horst Sahrbacher
Stabile Arbeitsmarktsituation in der Ortenau

Horst Sahrbacher

Der Wohlstand einer Region hängt natürlich vor allem auch von der Arbeitskraft ihrer Bewohner ab. Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, erklärt im Interview mit Anne-Marie Glaser die Situation in der Ortenau.

Wo steht der Ortenaukreis im bundesweiten Vergleich in Sachen Beschäftigung?
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Ortenaukreis sehr positiv entwickelt. Zum Stichtag 30. Juni 2018 waren im Ortenaukreis 181.170 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2009 bis 2018 liegt im Ortenaukreis mit einer Steigerung von 20,3 Prozent auf dem Niveau von Baden-Württemberg (+20,6 Prozent) und leicht über dem Bundesdurchschnitt von 19,1 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe prägt die Wirtschaftsstruktur der Ortenau dort ist die Beschäftigung um 13,9 Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich gewachsen sind zum Beispiel auch die Branchen Verkehr und Lagerei (+ 46,7 Prozent), Gastgewerbe (+ 32,9 Prozent), Baugewerbe (23,9 Prozent), Gesundheit und Sozialwesen (+28,7 Prozent). Rückgänge der Beschäftigung gab es bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen um minus 6,1 Prozent.

Was zeichnet der Arbeitsmarkt in der Ortenau aus?
Kennzeichnend ist die mittelständische Struktur mit einem ausgewogenen Branchenmix, mit leistungsstarken Unternehmen und mit vielen Weltmarktführern. In vielen Bereichen zum Beispiel Metallverarbeitung, Maschinenbau, Tourismus und Freizeitpark sowie Logistik gehören Unternehmen aus dem Ortenaukreis zur Weltspitze. Diese Vielfältigkeit macht uns wirtschaftlich stark und widerstandsfähiger gegen sektorale Krisen. Der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt in unserer Region wächst weiter zusammen. 2009 hatten 1.420 Einpendler aus Frankreich eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Ortenaukreis begonnen – 2018 waren es 3.445 Einpendler. Die Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse mit Einpendlern aus Frankreich in den Ortenaukreis hat sich somit von 2009 bis 2018 mit 142 Prozent mehr als verdoppelt.

Stichwort Fachkräftemangel: Wie ist die Entwicklung?
Die Nachfrage nach Fachkräften ist in der Ortenau weiterhin hoch. Eine große Herausforderung ist und bleibt der demographische Wandel. Die demographische Entwicklung zeigt, dass weniger Jugendliche für die Ausbildung zur Verfügung stehen und gleichzeitig die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen ist weiterhin ungebrochen. Immer mehr Jugendlichen machen Abitur und wollen im Anschluss studieren.
Die Digitalisierung wird künftig Berufsfelder verändern. Tätigkeiten werden durch Automatisierungen wegfallen, andererseits werden durch neue Technologien auch neue Arbeitsplätze entstehen. Deshalb werden Weiterbildung und lebenslanges Lernen in Zeiten der Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielen.
Insgesamt präsentiert sich der regionale Arbeitsmarkt stabil. Die Einflüsse der nachlassenden Konjunktur sind im Automobilbereich leicht spürbar. Die Nachfrage von Unternehmen im Ortenaukreis nach Arbeitskräften ist aber weiterhin auf einem hohen Niveau, Fachkräfte werden in nahezu allen Branchen gesucht.

Wie unterstützt die Agentur für Arbeit Unternehmen in der Ortenau bei diesem Problem?
Es ist uns sehr wichtig, dass wir in der Region alle Potenziale ausschöpfen, die wir haben. Der Fachkräftebedarf der regionalen Wirtschaft ist nach wie vor hoch, deshalb ist es wichtig, auch Potenziale der eigenen Mitarbeiter zu nutzen. Die Qualifizierung von Beschäftigten ist eine Zukunftssicherung für die Unternehmen. Mithilfe des Qualifizierungschancengesetzes können wir Unternehmen und Beschäftigte dabei noch besser unterstützen als bisher. Das Risiko bei gering qualifizierten Menschen, arbeitslos zu werden, ist hoch. Unser Ziel ist es deshalb Beschäftigte ohne Berufsabschluss zu qualifizieren damit sie einen Berufsabschluss erreichen können.
Wir versuchen deshalb auch gezielt, arbeitslose Menschen, die keine Berufsausbildung absolviert haben, dazu zu motivieren, eine solche Berufsausbildung nachzuholen.
Kein Jugendlicher darf dabei verlorengehen. Auch „schwächere“ Jugendliche sollen eine Chance erhalten, eine Ausbildung zu absolvieren. Die Arbeitsagentur Offenburg unterstützt die Arbeitgeber durch Förderung junger Menschen in überbetrieblichen Ausbildungsplätzen, mit ausbildungsbegleitenden Hilfen, mit berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, gestufter Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung.
Unser Fokus liegt auch bei der Personengruppe der schwerbehinderten Menschen - ihr beruflicher Erfahrungsschatz ist von hoher Bedeutung
Außerdem blicken wir auf die Möglichkeiten, die unser Nachbar im Elsass bietet. Der Arbeitsmarkt im Elsass bietet deutschen Arbeitgebern gute Chancen für die Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Deutsche und französische Arbeitsvermittler arbeiten täglich Hand in Hand daran, Menschen und Arbeit grenzüberschreitend zusammenzubringen.

Wie sieht Ihre Zukunftsprognose in Sachen Ortenauer Arbeitsmarkt aus?
In der Ortenau haben wir eine stabile Arbeitsmarkt-Situation. Im September hatten wir eine Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent, bei Jugendlichen 2,8 Prozent. 7463 Stellen wurden seit Beginn des Jahres durch den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur bei Firmen im Ortenaukreis akquiriert. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist in der Ortenau weiterhin hoch, die rückläufige konjunkturelle Entwicklung und die Transformationsprozesse im Automobilbereich haben aber auch auf dem regionalen Arbeitsmarkt erste Spuren hinterlassen. Es wird vermehrt über Kurzarbeit nachgedacht - vor allem Betriebe im Automobil-nahen Bereich. Andererseits haben wir weiterhin in vielen Branchen nach wie vor eine hohe Nachfrage nach Fachkräften, was gute Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer bietet.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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