Kinder- und Jugendhilfe
Der Ortenaukreis erprobt nun neue Wege

Ortenau (st) Der Jugendhilfeausschuss des Ortenaukreises hat beschlossen, die sozialraumorientierte Kinder- und Jugendhilfe künftig auch auf den Bereich der Hilfen zur Erziehung auszuweiten. Ab dem 1. Juli 2026 wird das Konzept zunächst in Modellregionen im Renchtal und im Kinzigtal erprobt. Die Modellphase ist bis Ende 2031 vorgesehen, informiert eine Pressemitteilung.
Steigerung um 44 Prozent
Die Sozialraumorientierung wird im Ortenaukreis bereits seit 2022 in Modellregionen umgesetzt. In einer ersten Phase standen der Aufbau von Vernetzungsstrukturen und präventiven Angeboten im Mittelpunkt. Seit 2024 arbeiten in den Regionen Renchtal und Kinzigtal zudem Sozialraumteams zusammen. Mit dem jetzigen Beschluss wird das bewährte Konzept erstmals auch auf die Hilfen zur Erziehung ausgeweitet.
Hintergrund ist die deutliche Entwicklung in den vergangenen Jahren. Die Fallzahlen in den Hilfen zur Erziehung sind im Ortenaukreis in den vergangenen fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen. Durchschnittlich rund 220 Kinder und Jugendliche sind derzeit vollstationär untergebracht. Diese Hilfen greifen tief in das Leben der Familien ein und sind zugleich mit erheblichen Kosten verbunden. Insgesamt sind die Ausgaben im Bereich der Hilfen zur Erziehung in den vergangenen fünf Jahren um rund 41 Prozent gestiegen.

Flexiblere Hilfe

Mit der Ausweitung der Sozialraumorientierung verfolgt der Ortenaukreis das Ziel, Hilfen stärker wohnortnah, flexibler und passgenauer zu gestalten. Künftig soll in jedem Sozialraum ein freier Träger als sogenannter Sozialraumträger eng mit dem Jugendamt zusammenarbeiten. Entscheidungen über Hilfen werden in gemeinsamen Sozialraumteams getroffen. Neben der Unterstützung im Einzelfall sollen verstärkt präventive und fallübergreifende Angebote entwickelt werden, um Problemlagen frühzeitig zu begegnen und stationäre Unterbringungen möglichst zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren.
Jugendamtsleiterin Melanie Maulbetsch-Heidt betont: „Wir wollen Hilfen früher, näher am Lebensumfeld der Familien und besser abgestimmt organisieren. Unser Ziel ist es, Eltern zu stärken, Kinder möglichst im vertrauten Umfeld zu unterstützen und stationäre Unterbringungen, wo immer möglich, zu vermeiden. Gleichzeitig müssen wir die Kostenentwicklung in der Jugendhilfe verantwortungsvoll steuern.“
Über den Verlauf des Modellprojekts wird der Ausschuss regelmäßig informiert. Bei positiver Entwicklung ist eine Ausweitung des Konzepts auf den gesamten Ortenaukreis ab 2029 vorgesehen.

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