Die Glosse im Guller
Niemand lebt ausschließlich von Luft und Lettern
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Umsonst ist nur der Tod, so eine Volksweisheit. Was streng genommen aber gar nicht stimmt. Immerhin kostet er den Betroffenen das Leben. Davon abgesehen muss jemand die Beerdigung bezahlen. Auch die Sonntagszeitung Der Guller steht den Lesern kostenfrei zur Verfügung, weil Gewerbetreibende und andere diese mit ihrer Werbung finanzieren. Zeitung machen kostet halt Geld. Papier, Druck und die Zusteller wollen bezahlt werden. Diese Posten fallen beim E-Paper zwar weg. Aber Hand aufs Herz: Kein Redakteur lebt nur von Luft und Lettern.
Werbung
Nun ist Werbung per se überhaupt nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil nutze ich meine Position als Redakteurin schamlos aus und studiere schon am Freitagabend in der noch unveröffentlichten Sonntagszeitung die Angebote eines meiner favorisierten Supermärkte. Die Produkte selbst gibt es für mich zwar wie für jeden erst ab Montag zu kaufen. Doch ich kann mich schon viel früher wie Bolle darauf freuen, dass meine bevorzugte Ketchup-Marke runtergesetzt wird.
Übergriffig
Was personalisierte Werbung anbelangt, hält sich die Begeisterung dagegen in Grenzen. War es auf Instagram? Egal, jedenfalls ploppte etwas auf, womit man seinen Body-Mass-Index ausrechnen konnte. Ach, hätte ich es nur gelassen. Jetzt wird mir ständig Werbung für Diätprodukte gezeigt, was ich ein bisschen übergriffig finde.
ChatGPT
Sogar ChatGPT spielt jetzt Werbung aus. Allerdings sind lediglich die Tarife Free und Go betroffen. An Plus-Nutzerinnen wie mir verdient OpenAI zurzeit wohl noch genug, damit das Überleben gesichert ist. Das könnte sich aber schnell ändern. Deshalb habe ich meine Version von ChatGPT schon einmal gefragt, welches Produkt sie mir auf Basis unserer bisherigen Zusammenarbeit vorschlagen würde. Die Antwort: "Ein besonders guter digitaler Duden, wobei Du die Werbung wahrscheinlich sofort auf einen Kommafehler prüfen würdest." Oh weh, die KI kennt mich wirklich gut.
Anne-Marie Glaser






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