Wie Isolation nicht zum Lagerkoller wird
Psychologe Michael Karle gibt Tipps

Für Michael Karle ist Kommunikation besonders wichtig.
  • Für Michael Karle ist Kommunikation besonders wichtig.
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  • hochgeladen von Daniela Santo

Ortenau (mak). Ausgerechnet jetzt, bei strahlendem Sonnenschein, wenn sich das Leben zunehmend draußen abspielt, wird die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt. Was macht das mit der Psyche der Menschen, die in häuslicher Isolation oder gar Qurantäne leben? "Glücklicherweise haben wir trotz des Zwangs von außen innere Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Es macht einen gewaltigen Unterschied, wenn ich die Quarantäne nicht als Zwang betrachte, sondern als wertvollen und notwendigen Beitrag einer größeren Gemeinschaft", erklärt Michael Karle, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle in Achern. Dieser Beitrag könne auch ganz konkret beispielsweise für die eigenen Großeltern gesehen werden. "Verwirrung, Angst oder Stress werden entstehen, aber wir können dazu beitragen, dass wir nicht davon überschwemmt werden", so Karle.

Für Familien mit Kindern hat der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut ganz konkrete Tipps. Zunächst sei es gut, wenn Kinder Aufgaben aus der Schule bekämen. Ansonsten könnten Spiele wieder neu entdeckt werden. Auch das gemeinsame Backen oder Kochen bis hin zu Interviews mit Eltern und Großeltern oder die Vorbereitung eines Flohmarktes für die Zeit nach der Coronakrise seien sinnvolle Beschäftigungen. "In überschaubarer Zeit entstehen hier Erfolge", ist Karle überzeugt. Die körperliche Betätigung im Rahmen der noch verbleibenden Möglichkeiten sei ebenfalls wichtig. Es helfe aber auch das Reden miteinander. Hierbei gelte es jedoch, das richtige Maß zu finden, denn Dauerdiskussionen seien anstrengend, so der Experte.

Kommunikation

Kommunikation innerhalb der Gruppe sei enorm wichtig. "Rücksicht auf andere muss noch einmal neu gelernt werden. Das beginnt auch damit, dass ich über meinen Ärger spreche, ehe die Situation eskaliert. Jeder Einzelne kann lernen, dass er in dieser Situation eher sich selbst ändern kann als den anderen. Sich selbst zu ändern, ist schwer genug, aber möglich", so Karle.

Eltern rät er zur Ehrlichkeit gegenüber den Kindern hinsichtlich der eigenen Fragen und Unsicherheiten. "Sie müssen verstehen, wie es den Eltern geht und sie sollen auch hören, dass sich alle gemeinsam einsetzen, Lösungen zu finden." Kinder sollten zudem im Respekt gegenüber denjenigen bestärkt werden, die sich für andere einsetzen. Diese dürften zudem auch als Vorbilder benannt sein, führt er weiter aus. "Die Kinder und ihre Fragen sind echte Chancen für uns", ist er überzeugt. Die Kommunikation ist auch für alleine lebende Menschen wichtig. "Gut ist, mit sich selbst im Gespräch zu bleiben und den Alltag gut zu strukturieren", so der Experte. Sinnvolle Abläufe tuen gut, ebenso ein geplantes tägliches Highlight. Telefonieren und Video-Telefonie seien wertvolle Tätigkeiten, genauso wie das Briefeschreiben oder das Führen eines Tagebuches, in das abends notiert werde, was positiv war. "Nähe zeigen, die wir spüren, braucht jetzt Kreativität", so Karle. Alleine lebenden Menschen rät er darüber hinaus dazu, auf das Maß und die Qualität der Informationen zu achten, damit diese die Betroffenen eben nicht "gegebenenfalls übers Grübeln hinaus ins Depressive bringen."

Beratungsstellen

Die Psychologischen Beratungsstellen im Ortenaukreis sind derzeit telefonisch erreichbar: Achern (07841/60484400), Haslach (07832/999550), Kehl (07851/899740), Lahr (07821/91570), Offenburg (0781/79010). Auch das Land-ratsamt hat eine Hotline unter 07821/91572557 eingerichtet. Dort stehen ab sofort Montag bis Freitag von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr Experten für Gespräche und Infos zur Verfügung.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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