Barbershops boomen
Traditionelles Handwerk ohne gesonderte Ausbildung

Hohe Kunst: Die Harmonie von Bart und Frisur 
  • Hohe Kunst: Die Harmonie von Bart und Frisur 
  • Foto: Tke K.
  • hochgeladen von Daniela Santo

Offenburg (gr). Kopf und Körper entspannt zurückgelehnt, sahniger Schaum und wohlige Handtuchwärme auf dem Gesicht: Der Hot Towel Shave kann beginnen. Opas geliebtes Samstags-Ritual von einst – stilecht mit Massage – wissen auch Männer von heute wieder zu schätzen.
Überhaupt der Bart: Er fing vor einigen Jahren wieder an zu sprießen, als die Superstars aus dem Show-Business und der Sport-Szene das männliche Attribut für sich entdeckten. Junge Szenegänger zogen nach und irgendwann war der Bart bei ganz normalen Zeitgenossen aller Altersgruppen zurück. Nein, nicht nur der halbherzige Dreitagebart, sondern der Bart in seinen vielen Formen und Facetten.

Neue Bartkultur

Diese neue Bartkultur bescherte auch dem traditionellen Handwerk des Barbiers ein Comeback. „Der Barbier schneidet natürlich auch die Haare der Kunden“, stellt Andreas Drotleff, Kreishandwerksmeister und Friseurmeister, klar. „Deshalb gibt es in Deutschland keine gesonderte Ausbildung zum Barbier. Doch einige Ausbilder, die die besondere Kunst weitergeben“. Und was ist die besondere Kunst? „Ein gutes Formenverständnis, ein Knowhow für das perfekte Zusammenspiel von Bart und Frisur“, sagt Peter Mayer, Inhaber von Willi’s Barbershop in Friesenheim. Und weiter: „Mit einem Bart kann ich viel machen, geometrische Formen können Pluspunkte eines Gesichtes betonen und eventuelle Minuspunkte wegmogeln." Natürlich müsse ein Bart auch zum Typ passen, deshalb sei die Beratung besonders wichtig.

Das kann Denis Arifov von „The Barbershop by Denis“ in Offenburg nur bestätigen: „Klar, die individuelle Kopfform ist ein wichtiges Kriterium. Doch Bart hat auch viel zu tun mit Stil, mit Lifestyle. Ich höre zu, schaue den Kunden genau an, dann kommt die Beratung. Die bezieht selbstverständlich auch die Frisur, die Augenbrauen, die Haarstruktur mit ein“, sagt er. Seine Kunden danken es ihm, indem sie zu Stammkunden werden und für den perfekten Schnitt auch Wartezeiten in Kauf nehmen. Qualität ist glücklicherweise wieder gefragt und wird honoriert, weiß Drotleff: „Der deutsche Mann entdeckt, dass es sich lohnt, Zeit und Geld für das Aussehen zu investieren.“ Denn wer sich für einen Bart entscheidet, muss ihn mit passenden Produkten hegen und pflegen. Denis Arifov ist auch in diesem Geschäft zu Hause, Peter Mayer verkauft sogar eigens für ihn produzierte Produkte.

Treffpunkt für Männer

Dabei gilt in beiden Barbershops gleichermaßen: Hier wird nicht nur der Bart rasiert und die Frisur kreiert, hier ist ein Treffpunkt für Männer, die unter sich sein wollen. Vieles ist zu hören, noch mehr zu erfahren – auch das gehört zum Gefühl eines Barberbesuchs. Es gibt Barbershops, in denen Frauen grundsätzlich der Zutritt verboten ist. Denis Arifov ist nicht ganz so rigoros, bei Peter Mayer sind sie als Begleitung für ihre Söhne erlaubt. Allerdings: Von 18 bis 22 Uhr ist der Barbershop exklusive Männer-Domäne. Das kommt bestens an, inklusive der Tatsache, dass der Spieltrieb am Billardtisch ausgelebt werden kann und der Durst an der Bar gelöscht wird. Fast mehr Kneipe als Barbershop – bis der Barbier in Aktion tritt. Dann heißt es, Kopf und Körper entspannt zurücklehnen und einfach nur genießen.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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