Klimawandel
Wenn Regen den Durst des Waldes nicht mehr stillen kann
- Trotz satter Grüntöne leiden viele Bäume unter den vergangenen Trockenjahren.
- Foto: Foto: Lea Wölfle
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Ortenau (lw) Zwischen Rheintal und Schwarzwald zeigt sich der Wald der Ortenau auf den ersten Blick noch stabil – doch der Schein trügt. „Auch die Wälder in unserer Region stehen in erheblichem Umfang im Klimastress“, warnt Hans-Georg Pfüller, Leiter des Amts für Waldwirtschaft am Landratsamt Ortenaukreis.
Lange Trockenperioden
Die Vielfalt der Naturräume, ihre Topografie und verschiedene Hanglagen sorgen für sehr unterschiedliche Wuchsbedingungen – vom warmen, trockenen Rheintal bis zu den kühlen Hochlagen. Doch unabhängig von Standort oder Baumart gilt: Die vergangenen Jahre mit langen Trocken- und Hitzeperioden haben Wurzeln und Baumkronen vieler Arten geschädigt und setzen die Wälder unter Dauerstress. Selbst das feuchte Jahr 2024 konnte die Folgen nicht ausgleichen. „Zur Regeneration wären mehrere Normaljahre mit ausreichenden Niederschlägen erforderlich. Ein einzelnes gutes Jahr reicht nicht aus.“, so Pfüller. Nach einem nassen Winter 2023/24 startete das Jahr 2025 mit guter Bodenwasserversorgung, doch die lange Trockenheit bis Mitte Juli ließ die Sorgen wachsen – bis kühle, verregnete Wochen den Trend drehten. „Das hat uns mit Blick auf die Wasserversorgung unserer Wälder den Kragen gerettet“, sagt er. Aktuell sei die Lage weitgehend entspannt, wie auch der Dürremonitor des Helmholtzinstituts für Umweltforschung zeige. Kühle Nächte im Frühjahr und ein Temperatureinbruch im Juli bremsten die Borkenkäferentwicklung. „Dieses Jahr wird es keine dritte Generation geben – das nimmt spürbar Druck aus dem System.“ Gleichzeitig spürt das gesamte Ökosystem die Folgen des Klimawandels: Bodenpflanzen, Pilze, Insekten und Vögel stehen unter zunehmendem Stress. Die aktuelle Entwicklung am Holzmarkt ist zwar positiv, doch die Herausforderungen bleiben groß. Klimaanpassung erfordert hohe Investitionen, während gleichzeitig die Verkehrssicherungspflicht steigt – etwa an Straßen oder beliebten Ausflugszielen. „Der Kontrollaufwand und die Kosten für die Beseitigung von Gefahrenquellen führen zu einem zunehmend höheren Aufwand für Flächeneigentümer“, erklärt Pfüller.
Klimafitter Wald
Ziel ist ein strukturreicher, stabiler Bestand. Dabei setzt das Amt auf eine Mischung aus angepasster Pflege, der Förderung wärmetoleranter Baumarten wie Traubeneiche, Spitzahorn oder Elsbeere und gezielter Pflanzung von Arten aus Regionen mit künftig ähnlichem Klima. „Wir hoffen, damit die Klimafitness unserer Wälder soweit entwickeln zu können, dass sie auch in Zukunft ihre vielfältigen Leistungen erfüllen.“ Das Landratsamt bietet hierfür kostenlose Beratung an, organisiert Informationsveranstaltungen und unterstützt Waldbesitzer bei der Beantragung von staatlichen Förderangeboten für Maßnahmen zur Klimaanpassung. Den Wald zu schützen beginnt laut Pfüller bei jedem Einzelnen: vom Müllverzicht bis zu einem bewussten Konsumverhalten. „Nur ein deutliches Gegensteuern im Klimatrend kann unsere Wälder wirklich schützen. Die Summe vieler kleiner Maßnahmen – und auch Verzichte – kann eine enorme Wirkung entfalten.“ sagt Hans-Georg Pfüller abschließend.





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